Corona-Pandemie Kliniken in Sachsen-Anhalt wollen sich über Kapazitäten abstimmen

Die Kliniken in Sachsen-Anhalt wollen sich besser über die Kapazitäten untereinander abstimmen. Das wurde offenbar am Dienstag zum ersten mal besprochen. Täglich soll nun per Videokonferenz beraten werden, ob Patienten oder Personal woanders hin verschoben werden können. Dr. Tom Schilling, Chefarzt im Harzklinikum Wernigerode sagte, so soll jedem Patienten die notwendige Behandlung zukommen. Im Harzklinikum sucht man zudem dringend Helferinnen und Helfer.

Die Kliniken in Sachsen-Anhalt haben offenbar begonnen sich übergreifend abzustimmen, um gemeinsam auf die schwierige Pandemielage zu reagieren. Alle Nordkliniken im Verbund mit der Uniklinik Magdeburg und alle Südkliniken im Verbund mit der Uniklinik Halle wollen versuchen, Kapazitäten auszugleichen. Das sagte Dr. Tom Schilling, Chefarzt für Innere Medizin am Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben in Wernigerode MDR SACHSEN-ANHALT.

Am Dienstag hat es demnach die erste, konstituierende Sitzung per Videokonferenz gegeben. Täglich wolle man sich nun auf diese Weise beraten, ob Patienten oder Personal in irgendeiner Weise woanders hin verschoben werden könnten, "um jedem Patienten die notwendige Behandlung zukommen zu lassen".

Kliniken im Harz suchen freiwillige Helfer

Das Harzklinikum sucht zudem wegen der zunehmenden Belastung durch die Pandemie dringend Helferinnen und Helfer. Sie sollen Aufgaben der Grundpflege übernehmen und auf diese Weise das Personal vor Ort entlasten. Der Grund sind die steigenden Ansprüche an das bestehende Personal wegen vieler Covid-19-Patienten. Im Harzklinikum mit seinen Kliniken in Quedlinburg, Wernigerode und Blankenburg gebe es da vor allem im Pflegebereich zunehmend personelle Schwierigkeiten.

Pflegedirektorin Gundula Kopp sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir hatten die Hoffnung, dass durch den Teil-Lockdown die Zahlen wieder runtergehen. Das hat sich nicht bestätigt, und jetzt müssen wir handeln." Zur Unterstützung gesucht würden Medizinstudierende, Krankenschwestern, ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheitshelfer. Auch Medizinische Fachangestellte mit Röntgenschein würden benötigt, hieß es. Die in Teilträgerschaft des Harzklinikums liegende Lungenklinik in Ballenstedt sucht mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit ebenfalls Pfleger und studentische Helfer.

Klinikum: Deutliche Zunahme bei Covid-Patienten

Im Hinblick auf Intensivbetten und Beatmungsgeräte gebe es im Moment noch Reserven, sagte der Chefarzt für Innere Medizin am Standort Wernigerode, Dr. Tom Schilling, MDR SACHSEN-ANHALT. Das Problem: Drohende Engpässe beim Personal. Das Testen eingelieferter Patienten, die Umsetzung aller Hygieneregeln, das Betreiben der Schleusen, das Behandeln und Isolieren der Covid-Patienten – all das brauche einen "massiv erhöhten Personalbedarf". Schon jetzt habe man reagiert und zwei Pflegestationen geschlossen, um Personal zu bündeln. Die Lage sei noch beherrschbar, aber angespannt, heißt es abschließend.

Helferinnen und Helfer gesucht: Hier können Sie sich melden Wenn Sie daran interessiert sind, dem Harzklinikum zu helfen, wenden Sie sich an Pflegedirektorin Gundula Kopp, telefonisch unter 03946 909 18 00. Wer einspringt, bekommt dem Harzklinikum zufolge eine vertragliche Vergütung von 450 Euro monatlich als Minijobber.

Aktuell 31 Corona-Patienten würden am Harzklinikum behandelt. Das sei eine deutliche Zunahme innerhalb einer Woche, hieß es. Dazu kommt, dass mehr und mehr Beschäftigte sich selbst mit dem Virus infizierten oder als Kontaktpersonen in Quarantäne seien. Letzteres betrifft aktuell 41 Beschäftigte des Harzklinikums.

Nicht notwendige Behandlungen schieben die Kliniken bereits jetzt ins neue Jahr, heißt es. Mit Stand heute sagt Chefarzt Tom Schilling: "Wir werden die Versorgung der akut Erkrankten sicherstellen können." Aller Kranken – seien es Corona-Kranke oder andere Akutfälle.

Chefarzt sitzt am Rechner der Klinik
Bildrechte: Tom Koch/Harzklinikum

Die Frage, ob es Corona gibt, ist keine Frage des Glaubens. Das kann man sich hier anschauen. Wenn wir uns nicht an das halten, was empfohlen wird, werden wir im Januar an allen Kliniken in Deutschland eine Situation erleben, wo vielleicht nicht mehr alle versorgt werden können.

Chefarzt Dr. Tom Schilling in Wernigerode und Ärztlicher Direktor für die Standorte Wernigerode und Blankenburg

Schilling appelliert, sich den Ernst der Lage bewusst zu machen und die Hygieneregeln zu befolgen – auch zu Weihnachten. "Bleiben Sie bitte zuhause. Es ist einfacher, ein Weihnachten ohne Angehörige zu verbringen als ein Leben ohne sie."

Andernfalls könne sich die Lage im Januar zuspitzen und unbeherrschbar werden. "Die Frage, ob es Corona gibt, ist keine Frage des Glaubens. Das kann man sich hier anschauen. Wenn wir uns nicht an das halten, was empfohlen wird, werden wir im Januar an allen Kliniken in Deutschland eine Situation erleben, wo vielleicht nicht mehr alle versorgt werden können."

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Hilfeaufrufe auch in anderen Bundesländern

Ähnliche Aufrufe gab es bereits auch in anderen Bundesländern. So suchte das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg und Lauchhammer in Brandenburg Anfang Dezember händeringend nach Helfern und bekam eine große Resonanz. 90 Helferinnen und Helfer hätten sich gemeldet. Erst vor wenigen Tagen hatte sich auch das größte Krankenhaus im Süden Brandenburgs an die Öffentlichkeit gewandt, das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus.

Quelle: MDR/mg,kl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 16. Dezember 2020 | 17:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 40 Wochen

Da haben Sie sicher etwas recht. Wer aber den medizinischen Betrieb aus der Praxis kennt, weiß auch, dass es kaum ein Land gibt, wo derart oft/viel medizinische Leistung verbraucht oder schlicht vergeudet wird. Ja, da dürfen sich die Konsumenten ruhig am die eigene Nase fassen. Da rennt zum Beispiel gestern und heute wieder die Hochrisikogruppe massenweise in die Arztpraxen und fragt dort, wo sie ihre Coronaimpfung bekommen. Lesen die keine Zeitung oder sehen kein TV? Nein, da muss man in die Praxis rennen und das medizinische
Personal mit derart sinnlosen Fragen von der Arbeit abhalten. Lieber mdr, vielleicht auch das noch mal vor und nach und während der Lieblingssendungen der Zielgruppe kommunizieren. Vielleicht notfalls mit Bildern. Obwohl, das klappt ja schon beim MNS nicht. Dann ist wohl doch Darwin an der Reihe.

Steffen 1978 vor 40 Wochen

Personalmangel gibt es nicht erst seit diesem Jahr das ist alleiniges verschulden unserer Politik die über 30 Jahre durch Versagen glänzte medizinische Berufsausbildungen mussten selbst finanziert werden geschweige denn gewürdigt und jetzt ganz überraschend wird über Personalmangel geklagt lächerlich wie das hier läuft

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