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Nur Ortskundige kennen ihren Standort

Die Humboldt-Eibe im Bodetal – Der älteste Baum Deutschlands?

von Carsten Reuß, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 25. April 2021, 12:18 Uhr

An einem unbekannten Ort im Bodetal in Sachsen-Anhalt wächst ein besonderer Baum: die Humboldt-Eibe. Ihren genauen Standort kennen nur wenige. Benannt wurde der Baum nach dem Forscher Alexander von Humboldt. Manche behaupten, die Humboldt-Eibe könnte der älteste Baum in Deutschland sein. Ihr genaues Alter ist jedoch nicht bekannt.

Sie ist sehr alt, krumm, hat Narben, tiefe Runzeln und kahle Stellen: die Humboldt-Eibe. Sie trägt diesen Namen, weil vor mehr als 200 Jahren Alexander von Humboldt ihretwegen extra in den Harz kam.

Hans-Christian Schattenberg fasziniert dieser Baum. Als Leiter des Forstbetriebs Ostharz gehört die Humboldt-Eibe zu seinem Zuständigkeitsbereich. Regelmäßig schaut er nach, ob es ihr gut geht.

Ein (fast) geheimer Standort

Der besondere Baum wächst in einem Seitental des Bodetals, irgendwo zwischen Thale, Treseburg und Friedrichsbrunn. Der genaue Standort soll aus Angst vor Touristenscharen geheim bleiben. Viele Ortskundige kennen ihn natürlich trotzdem. Das zeigt ein kleiner Trampelpfad. Doch wer zur Humboldt-Eibe will, braucht Ausdauer und Mut. Es geht durch Gestrüpp und Bäche, über Geröll, rutschige Steilhänge und Unmengen umgeworfener Bäume.

Der Baum selbst ist gerade einmal zwölf Meter hoch und wächst auf einem Felsen neben einem Bach. Irgendwann ist die Spitze abgebrochen. Sein hohler Stamm ist voller Narben, Risse und Löcher. Ein langer Längsriss durchzieht den Stamm und teilt den Baum in zwei Hälften. Wülste und Beulen sind zu erkennen. Der Überlebenswille ist dem Baum regelrecht anzusehen. Seine Wurzeln winden sich in langen Schlangen über den Felsen und krallen sich in den kargen Untergrund. Der Begriff "fest verwurzelt" bekommt hier eine völlig neue Dimension.

Der Weg zur Humboldt-Eibe ist anspruchsvoll. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß


Doch die Eibe ist grün. Mehr als im letzten Jahr, als es trocken war. Und sie blüht. Begeistert zeigt Forstbetriebsleiter Schattenberg die Blüten. Dass sich ein Baum in diesem Alter noch so vital fortpflanzen könne, begeistert ihn.

Rund 900 Eiben wachsen im Harz

Im Mittelalter wurden aus dem beständigen, festen und trotzdem elastischen Holz der Eibe vor allem Bögen und Armbrüste gefertigt. Da der Baum ausgesprochen langsam wächst, war er danach nicht interessant für die Forstwirtschaft. Obendrein sind fast alle Bestandeile giftig. In der Folge verschwand die Eibe fast vollständig aus den heimischen Wäldern. Es gibt nur noch wenige natürliche Eiben-Vorkommen in Deutschland. In den zerklüfteten Tälern des Harzes fand die Eibe einen Rückzugsort, besonders im Bodetal und seinen Seitentälern, wo heute noch rund 900 Eiben wachsen. Das ergab eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Die Eibe, eine Überlebenskünstlerin

In den 1990er Jahren wurden einigen Eiben im Bodetal entnommen und in kleinen Plantagen eingepflanzt. Die Bodetal-Eiben sollten vermehrt und der Bestand somit erhalten werden. Es wurden sogenannte Gen-Erhaltungsplantagen angelegt. Diese befindet sich oberhalb des Bodetals, eingezäunt mitten im Wald. Es sind kleine Bäumchen, denen man nicht ansieht, dass sie schon über 20 Jahre alt sind. Eiben wachsen extrem langsam.

Alt, vernarbt, krumm Ein besonderer Baum im Bodetal

Sie ist sehr alt, krumm, hat Narben, tiefe Runzeln und kahle Stellen: die Humboldt-Eibe. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Der Baum selbst ist gerade einmal zwölf Meter hoch und wächst auf einem Felsen im Bodetal im Harz. Ihren genauen Standort kennen nur Ortskundige wie zum Beispiel Hans-Christian Schattenberg, Leiter des Forstbetriebs Ostharz. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Wie alt die Humboldt-Eibe ist, weiß niemand genau. Mal wird ihr Alter mit 1.800 Jahre beziffert, mal mit 2.000 bis 2.500 Jahren. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Das Alter anhand der Jahresringe festzustellen, geht laut Forstamtsleiter Schattenberg nicht. Der Stamm ist hohl. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Benannt wurde der Baum nach dem Naturforscher Alexander von Humboldt. Er kam vor mehr als 200 Jahren nur ihretwegen in den Harz. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Die Eibe ist aus den heimischen Wälder fast vollständig verschwunden. Im Bodetal und seinen Seitentälern wachsen laut einer aktuellen Bestandsaufnahme heute noch rund 900 Eiben.

MDR, Carsten Reuß, Sarah Peinelt
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Von den 627 damals gepflanzten Exemplaren überlebte nur ein Drittel die ersten zehn Jahre. Eiben heranzuziehen, scheint schwierig zu sein. Doch sie sollen sich wieder ausbreiten. Denn sie seien Überlebenskünstler, sagt Schattenberg. Eiben würden in Felsspalten wachsen und schützen sich so vor Steinschlag. Trockenheit mache ihnen wenig aus. Die Humboldt-Eibe auf ihrem Felsen, der kaum Nährstoffe bietet, ist ein anschauliches Beispiel dafür.

Das genaue Alter kennt niemand

Dass ausgerechnet die Humboldt-Eibe so alt werden konnte, liegt wohl auch an ihrem sehr speziellen und unzugänglichen Standort. Wie alt sie wirklich ist, weiß allerdings niemand genau. In einem Buch ist ihr Alter mit 1.800 Jahre beziffert, in einem anderen mit 2.000 bis 2.500 Jahre. Alexander von Humboldt schätzte einst die Eibe, die heute seinen Namen trägt, auf ein Alter von 4.000 Jahren. Das sei wohl übertrieben, meint Forstbetriebsleiter Schattenberg. Weil der Stamm hohl sei, könne man das genaue Alter über das übliche Zählen der Jahresringe nicht feststellen. Und Proben von solch einem Baum wolle eigentlich niemand entnehmen.

Forstbetriebsleiter Schattenberg wünscht der Humboldt-Eibe noch ein langes Leben. Vor allem sollten alle, die den Weg dorthin finden, diesen altehrwürdigen Baum schützen und nicht durch Beschädigungen zerstören.

MDR, Sarah Peinelt

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. April 2021 | 19:00 Uhr

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