Wahl am 3. April Diese Kandidaten bewerben sich zur OB-Wahl in Wernigerode

Am Sonntag wählt Wernigerode einen neuen Oberbürgermeister. Acht Männer bewerben sich um die Nachfolge von Peter Gaffert. Der MDR stellt die Kandidaten und ihre Ziele vor.

Das Rathaus von Wernigerode
Oberbürgermeisterwahl in Wernigerode: Acht Kandidaten bewerben sich um den Einzug ins Rathaus. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Gleich ein ganzes Oktett schickt sich an, die Geschicke Wernigerodes in den kommenden sieben Jahren in die Hand zu nehmen. Nach 14 Jahren an der Verwaltungsspitze gibt der parteilose Peter Gaffert sein Amt ab – und er zeigt damit, wie begehrt der Posten des Oberbürgermeisters von Wernigerode ist. Gleich acht Kandidaten möchten ihn beerben und buhlen am 3. April um die Gunst der Wähler.

Wegen der hohen Zahl an Kandidaten gilt es als unwahrscheinlich, dass schon am Sonntag im ersten Wahlgang eine Entscheidung fällt, weil niemand 50 Prozent der Stimmen bekommen dürfte. Eine Stichwahl würde am 24. April abgehalten werden.

Fest steht schon, dass der neue Oberbürgermeister ein waschechter Wernigeröder sein wird. Und fest steht auch schon, dass wieder keine Frau das Amt bekommt. Wer also sind die Kandidaten? (In alphabetischer Reihenfolge)

Norman Abel (parteilos) will Vermittler zwischen Bürgern und Stadtrat sein

Über Monate waren sieben Kandidaten bekannt. Erst kurz vor Bewerbungsschluss warf auch Norman Abel seinen Hut in den Ring. Diese Entscheidung sei über Jahre gereift, weil sich der 43-Jährige als Bürger Wernigerodes "von der Stadt nicht mehr mitgenommen fühlt." Als Beispiel führt er die Schierke-Arena an und spricht von "Fehlinvestition und ewigem Zuschussgeschäft". Er wolle sich "insofern für eine verstärkte Mitbestimmung einsetzen", und das ganz bewusst parteilos. Ein Oberbürgermeister sei Moderator zwischen den Bürgern und dem Stadtrat.

Norman Abel arbeitet als Rangiermeister bei der Salzgitter AG in Ilsenburg. Wenn nun die Gleise ins Wernigeröder Rathaus führten, stünde etwa ein leistungsstarker ÖPNV ziemlich weit oben auf seiner To-Do-Liste: "Mehr Haltestellen und eine bessere Taktung." Mit Blick auf Schierke wolle er sich künftig für eine Gleichbehandlung aller Ortsteile einsetzen, ebenso für bezahlbaren Wohnraum oder dafür, Bildungsangebote zukunftssicher zu erhalten.

Seit seiner Kandidatur sieht sich der parteilose Abel immer wieder damit konfrontiert, in die rechte Ecke geschoben zu werden. Dem entgegnet er bei MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich stehe weder der AfD, noch der rechten Szene oder rechtsradikalen Ansichten nahe."

Tino Böttger (AfD) will etwas gegen Lehrermangel tun

Tino Böttger verkauft in einem Halberstädter Fachmarkt Elektronikartikel und betreut Geschäftskunden, zu Hause ist er der Papa zweier Kinder, gemeinsam mit seiner Partnerin unterhält er vier Ferienhäuser mitten in Wernigerode, als DJ tingelt er durch ganz Deutschland.

Nun soll es aber der Chefposten der Wernigeröder Verwaltung werden: "Weil in der Stadt einiges nicht stimmt", beschreibt der 43-Jährige seinen Ansporn. Die Stadt lebe über ihre Verhältnisse, da "brauchen Sie nur auf das Zuschussgeschäft für die Schierke-Arena schauen." Tino Böttger treibt auch die Frage um, warum Angestellte der Stadt doppelt so häufig krank seien wie es der Bundesdurchschnitt ausweise. Als Oberbürgermeister würde er das "untersuchen und überhaupt den ganzen Stadt-Apparat unter die Lupe nehmen."

Bei einer Wahl zum Oberbürgermeister wolle Tino Böttger dem Lehrermangel begegnen, der auch in Wernigerode zu spüren sei. "Kostenlosen Nachhilfeunterricht für Schüler" könnte sich der gelernte Tischler vorstellen, gegeben etwa von ehrenamtlichen Lehrern im Ruhestand. Die Wiederaufforstung des geschundenen Stadtwaldes käme "Bürgern und Touristen gleichermaßen zugute".

Jörg Büchting (Grüne) will auf die Bürger zugehen

Wenn das Lastenfahrrad vor der Tür steht, sitzt Jörg Büchting in seinem Wahlkampf-Büro. Diese Präsenz "soll zeigen, dass ich da bin." Bürgernähe sei ihm wichtig, was aus seiner Sicht "in den letzten Jahren nicht optimal gelaufen ist. Die Stadt muss wieder mehr auf die Bürger zugehen."

Bei einer Wahl zum Oberbürgermeister wolle sich der 44-Jährige etwa für "Chancengleichheit durch Bildung" einsetzen. Hierbei sehe er einen erfolgreichen Schlüssel in der "Digitalisierung, egal ob es um Kinder und Jugendliche geht oder um Berufsausbildung und Weiterbildung." Mit Blick auf die Hochschule Harz "müssen wir uns fragen, wie Absolventen in der Region gehalten werden können." In puncto Wirtschaft möchte Jörg Büchting bei einem Wahlerfolg den "Fachkräftemangel zur Chefsache erklären." Er wolle die regionale Wirtschaft stärken und auf nachhaltigen Tourismus setzen.

"Traditionen bewahren, statt Skilifte", sagt Büchting selbstbewusst und spielt damit auf seine 400-jährige Familientradition in Wernigerode an. "Diese Tradition gibt mir Antrieb, meine Heimatstadt in eine moderne Zukunft zu führen." Infrastrukturell soll eine "durchdachte Energiewende" zünden – bezahlbar, Neuausrichtung des innerstädtischen Verkehrs mit Fußgängerzone XXL und Radwegen, mehr Ladestationen für mehr Elektromobilität.

Tobias Kascha (SPD) will sich für bezahlbares Wohnen einsetzen

Keiner der Kandidaten kennt die Ecken der Amtsstube des Oberbürgermeisters wohl so genau wie Tobias Kascha, war er doch einige Jahre Büroleiter unter dem derzeitigen Verwaltungschef Peter Gaffert (parteilos). Ein einfaches 'Weiter so' schüttelt der 41-Jährige von sich: "Allein durch mein Alter habe ich doch einen anderen Blick auf Dinge, die ich folglich auch anders anpacke." Die "Nähe zu den Bürgern und zum Stadtrat muss deutlich verbessert werden", erklärt Kascha eines seiner vorrangigsten Ziele, sollte er OB werden.

"Wer eine Wohnung in Wernigerode sucht, kennt das Problem", sagt Kascha. "Wohnraum ist Mangelware, insbesondere wenn es um bezahlbare Mieten und Grundstücke geht." Hier will Kascha ebenso für Entspannung sorgen wie für die regionale Wirtschaft. Seiner Ansicht nach muss das Fachkräftekonzept von Handwerk über Automobilzulieferer bis hin zum Tourismus weiter ausgebaut und ein Einzelhandelskonzept nach Corona entwickelt werden.

Tobias Kascha baut auf seine Erfahrungen in der Verwaltung. Er war bereits Stadtratsmitglied, sitzt im Kreistag und leitet das Stadtbetriebsamt mit mehr als 100 Mitarbeitern.

Thomas Schatz (Linke) will sich für einen soliden Haushalt einsetzen

Wenn es um die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters für die bunte Stadt am Harz geht, ist Thomas Schatz ein altbekannter Kandidat. Dass sein Name nun zum dritten Mal auf dem Stimmzettel steht, kommentiert der 48-Jährige mit: "Wer jetzt weit springen will, muss einen langen Anlauf nehmen."

Bei einer Nachfolge von Peter Gaffert (parteilos) will Schatz "solide Finanzen in einer sozialen Stadt" in den Fokus rücken und unterstreicht damit einmal mehr, dass er mit der städtischen Finanzpolitik der letzten Jahre nicht einverstanden sei. Die Ursachen für eine von ihm diagnostizierten Ebbe im Stadtsäckl meint er zu kennen: "Der Betrieb des Eisstadions in Schierke erweist sich als defizitär. Und die Personalkosten der Verwaltung sind zu hoch."

Als Oberbürgermeister würde Schatz schauen, "was eine Investition langfristig tatsächlich kostet." Zudem müsse die gesamte Stadtverwaltung auf moderne Füße gestellt werden, sagt Thomas Schatz, der an der Hochschule Harz beruflich an Digitalisierungsprojekten arbeitet.

Ralf Schult (parteilos) will neue Wohnungen schaffen

Wer sich in Wernigerode für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) interessiert, kommt am Namen Ralf Schult nicht vorbei. Anfang der 1990er Jahre gründet er die Ortsgruppe, die er seither lebt. "Die DLRG ist mein Hobby, genauso wie die Kinder- und Jugendarbeit in unserer Stadt", sagt Schult mit einem Lächeln auf den Lippen.

Ralf Schult ist bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Als Leiter der städtischen Bäderbetriebe habe er so manchem Spross die ersten Schwimmzüge beigebracht: "Und heute springen deren Sprösslinge bei uns ins Wasser. Das gibt mir ein gutes Gefühl." Oberbürgermeister werden zu wollen, "da hätte ich nie im Leben dran gedacht", räumt der 54-Jährige ein.

Themen, die er als gewählter OB anpacken würde, gebe es in seiner Heimatstadt genug: "Wir müssen aufpassen, dass sich die Stadt nicht in eine elitäre Richtung entwickelt", sagt Schult und spielt damit auf die angespannte Wohnraumsituation an. Ein wachsames Auge will der gelernte Ofensetzer auf die regionale Wirtschaft werfen. Zudem würden Corona und der Krieg in der Ukraine den Unternehmen einiges abverlangen.

André Weber, ehemaliger Christdemokrat tritt für Freie Wähler an

Mit seinen 34 Jahren ist André Weber der Jüngste unter den Bewerbern um den Oberbürgermeisterposten. An Erfahrung mangele es ihm aber nicht, gibt er ganz selbstbewusst zu verstehen. Als Finanzbuchhalter bei der Abfallwirtschaft Nordharz trage er Personalverantwortung: "Dinge, die ein Oberbürgermeister braucht und die ich einbringen kann." Auch in der Kommunalpolitik Wernigerodes habe er in der Vergangenheit aktiv mitgewirkt. Bis 2019 gehörte André Weber zehn Jahre lang dem Stadtrat an und habe in Ordnungs-, Finanz-, Wirtschafts- und Schierke-Ausschüssen gesessen – als Christdemokrat.

Doch es kam, wie er sagt aus zweierlei Gründen, zum Bruch mit der CDU. Einerseits soll er den Abbruch seines BWL-Studiums parteiintern vorenthalten haben. Weber selbst sehe dies als "Privatsache". Andererseits spricht er mit Blick auf die Bundes- und Landes-CDU von einer gewissen "Entfremdung": "Die Annäherung an die AfD auf Landesebene konnte ich nicht mittragen.“ Auf kommunaler Ebene habe er mit den Ansichten der CDU-Fraktion im Stadtrat gehadert. Bei leerer Kasse sei aus seiner Sicht die verfolgte Haushaltspolitik in Bezug auf die Schierke-Arena oder das Konzerthaus nicht verantwortbar gewesen.

Nach einer kurzen politischen Pause fühle sich André Weber nun bei den Freien Wählern zu Hause. Bei einer eher kleinen Partei wie die der Freien Wähler glaubt André Weber nicht an den Einzug in eine mögliche Stichwahl. Seinen Beweggrund, sich der OB-Wahl dennoch zu stellen, sieht er in der Tatsache, dass andere Kandidaten inhaltlich gleiche Programm anböten.

Matthias Winkelmann sitzt für die CDU im Stadtrat

Mit einem "Dosenöffner" möchte Matthias Winkelmann das Rathaus erobern. Denn die Tatsache, dass sein 19-jähriger Sohn in seine Fußstapfen treten und den Traditionsbetrieb der Goldschmiede in die vierte Familiengeneration führen wolle, "war Grundvoraussetzung für meine Kandidatur", sagt Winkelmann. Die gesicherte Fortführung der Goldschmiede bezeichnet Winkelmann, der sein gelerntes Handwerk auch als Hobby versteht, als Dosenöffner.

Mit der Kommunalpolitik Wernigerodes beschäftigt sich Matthias Winkelmann schon seit vielen Jahren. Das habe er seinem Vater zu verdanken, der seit Mitte der 1990er Jahre im Stadtrat aktiv war. "Zu Hause haben wir damals viel über politische Entscheidungen gesprochen", erinnert sich der 51-jährige Vater von zwei Kindern. Heute nun sitzt er als CDU-Fraktionschef selbst im Stadtrat und leitet den Bauausschuss.

Winkelmann prognostiziert, dass bereits im nächsten Jahr alle Rücklagen aufgebraucht sein werden. "Wir haben kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabeproblem", resümiert Winkelmann eine verfehlte Finanzpolitik der Stadt. Als Verwaltungschef würde er umgehend einen "Kassensturz herbeiführen, um die Finanzen auf solide Füße zu stellen. Die sind doch die Grundlage all dessen, was wir machen."

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. März 2022 | 17:30 Uhr

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