300 Jahre alte Marienkirche Neue Glocken warten auf ihren Turm in Harzgerode

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Für die Harzgeröder Kirchengemeinde sind drei neue Bronzeglocken gegossen worden. Die stehen nun im Kirchenschiff und warten, dass sie in den Turm können. Der wird gerade saniert und bereitet Kopfzerbrechen.

Kirchturm Harzgerode
Noch hängen die alten Glocken im maroden Gebälk. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

Schon von Weitem ist sichtbar: Am Turm der Harzgeröder St.-Marien-Kirche wird gearbeitet. Komplett eingerüstet ist das 37 Meter hohe Bauwerk. Die Kirche wurde vor rund 300 Jahren erbaut. Der Turm ist noch älter. Die schweren Stahlglocken haben den Turm beschädigt. Zum einen dürfen die Glocken deswegen nicht mehr läuten. Zum anderen soll der Turm saniert werden.

Die alten Glocken sind zu schwer und kaputt

Kirchturm Harzgerode
Das Holz ist so marode, dass es zwischen den Fingern zerbröselt. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

Doch nach und nach werden immer mehr morsche Balken entdeckt. Feuchtigkeit ist über viele Jahre in den Dachstuhl des Turms eingedrungen und hat entsprechende Spuren hinterlassen. Pfarrer Cord Exner kann die Balkenreste zwischen seinen Fingern zerreiben, so marode ist teilweise das Holz.

Froh waren im vergangenen Jahr die Mitglieder der Kirchengemeinde, als endlich die neuen Glocken aus Bronze gegossen werden konnten. Die alten und rostigen Stahlglocken sind defekt. Außerdem waren sie zu schwer und hatten den Kirchturm beschädigt. Die neuen Glocken stehen seit der Fertigstellung im Kirchenschiff und warten darauf, hoch hinaus zu dürfen.

Kirchturm Harzgerode
Der Kirchturm in Harzgerode ist eingerüstet. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

Die Kirche ist über 300 Jahre alt, der Turm ist noch älter

Das heutige Kirchenschiff stammt aus dem Jahr 1698. Es wurde 1635 letztmalig bei einem Stadtbrand zerstört. Nur der massive Kirchturm widerstand allen Bränden. Das Kirchenschiff hatte vorher die Breite des Turmes und wurde auf das Doppelte erweitert, dadurch steht der Turm jetzt nicht mehr in der Symmetrieachse des Kirchenschiffes.

Kirchturm Harzgerode
Pfarrer Cord Exner und Jürgen Bentzius, Mitglied im Kirchengemeindevorstand vor dem maroden Glockenturm. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

In Vorbereitung der Wiederherstellung des Geläuts wurden holzschutztechnische und baustatische Untersuchungen durchgeführt, bevor überhaupt der Einbau der drei Bronzeguss-Glocken in Angriff genommen werden konnte. Im Ergebnis dieser aufwendigen Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass der Kirchturm für schätzungsweise 1,6 Millionen Euro saniert werden muss. 

Gegenwärtig läuft die Sanierung der maroden Turmhaube. Bis 2024 ist die Sanierung der Fachwerkwände und Decken über dem Glockengeschoss und in der unteren Geschossdecke, des Mauerwerkes sowie der Tragekonstruktion im Glockenstuhl geplant.

Der lange Kampf ums Geld

Bevor diese Arbeiten überhaupt starten konnten, musste ums Geld gekämpft werden. Jürgen Bentzius, Mitglied im Kirchengemeindevorstand, kümmert sich um den Bau. "Es war ein harter Weg", sagt er. Er berichtet von vielen Anträgen, die gestellt werden mussten, aber auch von Aktionen der Gemeinde, um Geld für die Sanierungsarbeiten zusammenzubekommen. Die DVD vom Glockenguss wurde zum Beispiel viele Male verkauft. Das Motiv für Bentzius Engagement: "Ich bin hier getauft und konfirmiert, habe hier geheiratet. Ich habe seit Jahren eine Verbindung zu dieser Kirche."

Kirchturm Harzgerode
Im Kirchenschiff warten die neuen Glocken auf ihren Einsatz. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

Die St.-Marien-Kirche in Harzgerode gehört zu den ältesten Bauwerken des Ortes und ist heute die am meisten besuchte Einrichtung neben dem Rathaus und dem ehemaligen Residenz-Schloss zu Anhalt. Die Bronzeglocken der Harzgeröder St.-Marien-Kirche wurden im 1. Weltkrieg eingeschmolzen. Seit 1926 hängen stattdessen drei Glocken aus Stahlguss.

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Über den Autor Carsten Reuß wurde in Aschersleben geboren und ist in einem kleinen Ort in der Nähe, nur wenige Kilometer vom Harzrand entfernt aufgewachsen. Nach seinem abgeschlossenen Werkzeugmaschinenbaustudium entdeckte er die Liebe zum Journalismus. Nach ersten Erfahrungen bei einer Tageszeitung und einem Abstecher in ein Maschinenbauunternehmen arbeitet Carsten Reuß seit 1993 für den MDR. Seitdem berichtet er regelmäßig aus dem Harz. Den erkundet er außer zu Fuß auch gern auf dem Motorrad, mit dem Fahrrad oder auf Skiern.

MDR/Carsten Reuß, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. August 2021 | 19:00 Uhr

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