Ina Theuerkauf Zurück in die Heimat: "Wir haben Osterwieck zu unserer kleinen Oase gemacht"

Fabian Frenzel
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Ina Theuerkauf hing zwar schon immer an ihrer Heimat Osterwieck, aber erst zwei Zufälle sorgten dafür, dass sie dorthin zurückgekommen ist. Eine Geschichte über die Liebe zu einer Region, einem Mann und einem Sport.

Ina Theuerkauf 4 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mi 12.05.2021 16:40Uhr 03:47 min

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Die Augen von Ina Theuerkauf strahlen, als sie sagt: "Wir Theuerkaufs sind mutige Menschen. Wir packen gerne auch verrückte Sachen an." Das neueste Projekt der Familie ist eine baufällige Ruine. Die steht mitten in Osterwieck im Landkreis Harz. Das verfallene Fachwerkhaus soll denkmalgerecht umgebaut werden, um dann darin Campingwagen unterzubringen. So verrückt ist die Idee eigentlich gar nicht. Denn ganz ähnlich haben die Theuerkaufs das auch schon mit ihrem eigenen Haus gemacht.

Ina Theuerkauf ist in Osterwieck aufgewachsen – zwischen Fallstein und Brocken. In der Fachwerk-Stadt voller Historie ist immer was los. Und die kleine Ina Theuerkauf war immer mittendrin: Als Kind fängt sie an, Basketball zu spielen, trifft dort ihre Freundinnen und Freunde. Großeltern und Eltern wohnen nah beieinander. Die Wege zu Schule und Sportplatz sind kurz. "Damals war das mein Kern. Aber es war nie klar, dass ich später mal wieder zurückkomme."

Ina Theuerkauf zieht es immer wieder in die Heimat

Theuerkauf verlässt Osterwieck, macht eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, studiert berufsbildendes Lehramt und lebt in Osnabrück. Sie erweitert ihren Horizont. Doch auch in der Ferne lässt sie die alte Heimat einfach nicht los. "Ich war trotzdem immer wieder viel hier." Die Rückkehr hat sie vielleicht noch nicht bewusst geplant, aber die Idee ist zumindest im Hinterkopf immer da.

Gelbe Rapsfelder im Vordergrund. Im Hintergrund ist der Brocken zu sehen.
Den Brocken immer im Blick: Ina Theuerkauf wächst in der Region zwischen dem Fallstein und der höchsten Erhebung im Harz auf. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Am Ende sind es die Liebe und der Sport, die Theuerkauf letztlich wieder nach Sachsen-Anhalt ziehen. Aus purem Zufall: Denn fern der Heimat erfährt die 37-Jährige, dass ihr ehemaliger Basketballtrainer Klaus aus Osterwiecker Jugendzeiten jetzt in Osnabrück eine Mannschaft trainiert. "Da dachte ich: 'Cool, gehe ich doch wieder zu Klaus.' Da hat sich ein Kreis geschlossen." Die Basketballhalle war dadurch immer da. Ob in Osnabrück oder beim Heimatbesuch, wenn sie ihre ehemaligen Mitspielerinnen anfeuert.

Freund aus Kindertagen wird die große Liebe

Auf den Heimatbesuchen kommt es dann auch zu mehreren Wiedersehen mit einem flüchtigen Bekannten aus Kindertagen. Malte kommt aus einem Nachbardorf und ist immer wieder auf den gleichen Partys wie Ina Theuerkauf. "Wir haben uns dabei quasi nochmal neu kennengelernt", erzählt sie. Sie ist Basketballerin, er Fußballer. Beide Mannschaften trainieren und feiern neben- und miteinander. Beide sind wegen des Berufs aus Osterwieck weggezogen. "Und beide fanden wir uns ganz nett", erzählt Ina Theuerkauf mit einem großen Lächeln. "Und dann haben wir festgestellt, dass unsere neuen Wohnorte Gelsenkirchen und Osnabrück nicht so weit auseinanderliegen. Dann bin ich mal zu ihm gefahren." Der Rest ist Geschichte.

Eine Geschichte, die an dieser Stelle aber noch nicht zu Ende ist. Die beiden wollen zurück nach Osterwieck. Dort verlieben sie sich ein zweites Mal. Diesmal aber nicht ineinander, sondern in ein verfallenes Fachwerkhaus am Fallstein-Gymnasium. "Das kenne ich schon so lange. Da habe ich früher als Kind heimlich drin gespielt. Wir sind da immer in den Keller geklettert."

Ruine wird zum Schmuckstück

Ein Fachwerkhaus in Osterwieck
Früher ein Schandfleck, heute ein Hingucker: Das Haus der Theuerkaufs in Osterwieck. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Heute ist die Ruine eine kleine Oase, wie sie Ina Theuerkauf nennt. Das verfallene Haus in der Altstadt ist kernsaniert, mit seinen dicken Holzbalken und Backsteinen ist es ein Schmuckstück geworden. Und die beiden Kinder von Ina und Malte Theuerkauf müssen zum Spielen auch nicht heimlich in den Keller klettern: Dafür ist jetzt eine selbstgebaute Kletterwand im Garten da.

Auch die Basketballhalle ist weiterhin ein wichtiger Ort für Ina Theuerkauf. Sie bringt sich ein: erst im Hintergrund, nun in vorderster Reihe. Mittlerweile ist sie die Vorsitzende des SC Osterwieck und trainiert den Nachwuchs. "Ich würde mich freuen, wenn ich den Kindern ein positives Lebensgefühl mitgeben kann." Wenn man Ina Theuerkauf das sagen hört, sie dauerlächeln sieht und den Nachdruck in ihrer Stimme hört, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass ihr das gelingen wird.

Wenn Wurzeln stärker als Flügel sind

Ob ihre Kinder und die Nachwuchstalente im Basketballverein am Ende auch in Osterwieck bleiben, ist für die 37-Jährige nicht entscheidend. "Wurzeln und Flügel sind wichtig. Die Kinder sollen sich entwickeln, sollen mutig sein, sollen verrückt sein."

Wenn am Schluss die Wurzeln wie bei ihr stärker als die Flügel sind, wäre sie nicht traurig. Denn die Stadt im Norden des Landkreises Harz habe so viele aktive Menschen, so viele Macher, sei so tolerant. "Es ist ein Lebensgefühl, hier zu sein. Ich stehe jeden Tag auf und weiß, dass ich ein so tolles Leben habe." Da ist er wieder, dieser Nachdruck in der Stimme.

Ein Garten mit einem Basketballkorb
Der Basketballkorb im eigenen Garten darf bei Ina Theuerkauf natürlich nicht fehlen. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Fabian Frenzel
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Über den Autor Fabian Frenzel arbeitet seit November 2014 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Online-Redaktion. Dabei liegt sein Schwerpunkt vor allem im Bereich Social-Media. Er würde gerne mehr Texte über sein Hobby "Männerballett" schreiben, hat aber noch nicht die richtige Rubrik dafür gefunden. Sein Journalismus-Studium hat der gebürtige Brandenburger in Berlin und Eichstätt/Ingolstadt absolviert. Die ersten journalistischen Schritte machte er bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung und RADIO ENERGY Berlin.

Sein Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist Calbe (Saale), wo ein Teil seiner Verwandtschaft lebt. Hätte er dort nicht für ein paar Monate Unterschlupf gefunden, wäre er heute vermutlich nicht beim MDR. Und: Er ist gern da, wo man geocachen kann. Also im Prinzip überall draußen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. Mai 2021 | 16:40 Uhr

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