Müll als Bedrohung für Tiere "Uns wächst der Müll über den Kopf": Wandernadel soll Nationalpark Harz sauber halten

Mitarbeiter des Nationalparks Harz finden immer öfter Müll im Wald, den rücksichtslose Wanderer zurücklassen. Um dagegen vorzugehen, wird ein bereits im vergangenen Jahr gestartetes Müllsammel-Projekt ausgeweitet. Dabei helfen soll auch die Harzer Wandernadel. Mitmachen kann jeder.

"No Trash!" steht auf dem Stempel, den man am Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus ins neue Sonderheft der Harzer Wandernadel drücken kann. Dieses Sonderheft ist als Begleitheft für den Besuch im Nationalpark Harz gedacht. Auf seinen Seiten ist Platz für die 40 regulären Stempel der Harzer Wandernadel, die sich im Nationalparkgebiet befinden – und für Aktions-Stempel und Sonderstempel wie den "No Trash!"-Stempel. Außerdem kann man hier zahlreiche Zusammenhänge und Hintergründe zum aktuellen Waldwandel erfahren. Wer 33 Stempel zusammen hat, bekommt die "Wildnis-Entdecker-Nadel", eine Plakette zum Anstecken. Das soll einen Anreiz bieten, Müll im Nationalpark zu sammeln.

Chipstüten, Flaschen und Tüten mit Hundekot

Der Grund ist klar: Der Nationalpark hat ein Müllproblem. "Uns wächst der Müll über den Kopf", sagt Nationalparksprecher Friedhart Knolle. Vor allem entlang der Hauptwanderouten wie denen zum Brocken sei das ein großes Problem – und überall dort, wo eine Straße durchs Nationalparkgebiet verläuft.  

Vorher und nachher: Ein Sonderstempel als Dankeschön

Blick auf die Hände einer Frau, die eine Karte mit schwarzer Aufschrift hält
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Blick auf die Hände einer Frau, die eine Karte mit schwarzer Aufschrift hält
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Ein Stempel mit der Aufschrift "No Trash" auf einem weißen Blatt Papier
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Alle (2) Bilder anzeigen

Getränkeverpackungen, Chipstüten, Einweggrills, Flaschen sogar jede Menge benutze Hundekottüten sammeln sich an den Wanderwegen. Müll töte Tiere, sagt Knolle. Leere Flaschen zum Beispiel würden zu tödlichen Fallen von Käfern, die von Bier- oder Cola-Resten angezogen werden, dann an der glatten Glasoberfläche nicht wieder herauskommen und schließlich ertrinken. Über hundert tote Käfer seien manchmal in einer Bierflasche, so Knolle.

Aktion "No Trash!" wird ausgeweitet

Blick auf das Torfhaus im Nationalpark Harz, im Vordergrund mehrere tierische Holzfiguren
Das nötige Equipment zum Müll-Sammeln gibt es unter anderem im Besucherzentrum Torfhaus. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Wer helfen will, den Müll einzusammeln, kann sich jetzt in fünf der acht Besucherzentren des Nationalparks Hilfsmittel zum Müllsammeln ausleihen – im Hohnehof bei Drei-Annen-Hohne, im Ilsetal, in Schierke, im Brockenhaus auf dem Brocken und im Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus. Die Aktion sollte eigentlich schon Ende April starten. Wegen Corona hat sie jetzt erst begonnen.

Zum Beispiel auf Torfhaus. "Die Besucher melden sich einfach bei uns", sagt Maret Heydenreich, stellvertretende Leiterin des Nationalpark-Besucherzentrums Torfhaus. Dann bekämen sie eine Greifzange und eine recycelbare Mülltüte aus kompostierbarer Maisstärke, sowie einen Zahlencode für das Schloss der Müllkiste draußen. In der können auch nach Dienstschluss Müll und Greifzange abgegeben werden. Ein Stempelkissen samt Sonderstempel ist dort auch drin. Denn als Belohnung gibt es den schon beschriebenen Sonderstempel.

Eine Frau mit Mundschutz hält einen Müllsack und eine Müllzange in den Händen
Maret Heydenreich vom Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus hofft, dass viele Wanderer sich an der Aktion beteiligen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Die "No Trash!"-Aktion hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben. Allerdings gab es Mülltüten und Greifzangen damals nur in zwei Besucherzentren. Nun wurde die Aktion erheblich ausgeweitet. Neu ist auch das Engagement des Vereins "Gesund älter werden im Harz" aus Blankenburg, dem Träger des Wandernadelprojekts, der das Sonderheft herausgibt.

Den eigenen Müll auch wieder aus dem Wald herausnehmen

All das soll das Bewusstsein für das Müllproblem schärfen, die Nationalpark-Ranger entlasten, vor allem aber mehr Müll aus dem Nationalpark-Wald schaffen. Er wünsche sich, so Nationalparksprecher Friedhart Knolle, dass so die alte Philosophie der Harzklubwanderer umgesetzt wird: Jeder nehme den Müll, den er im Wald verursacht, auch wieder mit aus dem Wald heraus. Die ganz Umweltbewussten, so Knolle, hätten immer schon etwas mehr Müll mit rausgetragen, als sie selbst verursacht haben. Genau das soll mit der Aktion "No Trash!" passieren.

Blick auf eine Holztafel, die darauf hinweist, wie lange Müll verrottet - im Hintergrund ein Wanderweg im Wald
Informationstafeln im Nationalpark Harz weisen daraufhin, wie lange es dauert, bis weggeworferner Müll in der Natur abgebaut ist. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Juni 2020 | 08:10 Uhr

11 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 46 Wochen

Habe ich mit einem Wort die FFF-Bewegung angesprochen? Es gibt inzwischen alle möglichen Gruppen von Demonstranten. Sie unterstellen mir "politische Feindbildpflege par excellence". Wenn sie schon mal von mir Beiträge gelesen haben, müßten sie merken wie oft ich um Toleranz und menschlichen Umgang geschrieben habe an alle möglichen Meinungen. Ich kann sie nicht für ernst nehmen.

Der Matthias vor 46 Wochen

@ HL leistner

"Ich habe aber auch Naturfreunde erlebt, die achtlos ihren Dreck inklusive Zigarettenkippe wegwarfen."

Solche rücksichtlosen Leute mag es wohl (leider!) geben! Allerdings bezweifele ich, dass es sich tatsächlich um ernsthafte "Naturfreunde" gehandelt hat, denn Leute, die so etwas machen, sind eben alles andere als Naturfreunde!
Und Ihr erster Satz (bezogen auf die FFF-Bewegung) bestätigt meine Vermutung, die ich schon nach dem Lesen Ihres ersten Kommentars hatte: Ihnen ging es vor allem darum, die FFF-Bewegung zu diffamieren und ihr absurderweise die Umweltproblematik im Harz anzulasten. Insofern verbuche ich Ihre undifferenzierte Pauschalunterstellung mal unter 'politischer Feindbildpflege' par excellence. Wie gesagt: Die Hauptverursacher für die Müllproblematik im Harz ist eher bei anderen Personengruppen zu suche, aber mit Sicherheit nicht ausgerechnet der FFF-Bewegung anzulasten. Einfach nur absurd, so etwas zu behaupten!

Hans Frieder leistner vor 46 Wochen

@Der Matthias. Haben sie mal Bilder gesehen wie es häufig nach den Freitagsdemos aussieht. Warum muß den dann überall die städtische Reinigung den Müll beseitigen.
Dann habe ich über 50 Jahre meinen Sommerurlaub im Hochgebirge verbracht. Mir war es selbstverständlich, daß ich meinen Abfall wieder vom Berg mit runterbringeund in der Mülltonne auf dem Parkplatz entsorge. Ich habe aber auch Naturfreunde erlebt, die achtlos ihren Dreck inklusive Zigarettenkippe wegwarfen.

Mehr aus dem Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt