Gegen Baumsterben Tausende Bäume im Harz mit schwerer Technik gepflanzt

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Stürme, Dürre und Borkenkäfer haben dem Harzer Wald zugesetzt. Das Wiederaufforsten wird noch lange dauern. Deshalb rückt der Forstbetrieb Oberharz jetzt mit großen Maschinen an, um schnell viele Bäume setzen zu können.

Das schwere Gerät walzt sich auf Raupenketten durch eine Kahlfläche in der Nähe des Örtchens Tanne. Astholz knirscht und bricht unter der Maschine. Scheinbar mühelos manövriert Guido Ringleben den umfunktionierten Bagger durchs Gelände. Mit Fingerspitzengefühl steuert er die Maschine an Joysticks und hat stets den Baggerarm im Blick. An dessen Ende ist nämlich keine Schaufel montiert, sondern ein raffiniertes Pflanzaggregat.

Darauf sind wie auf eine Perlenkette gezogen 120 Hohlzylinder – in einem jeden steckt ein junger Douglasien-Setzling. "Wenn ich nun das Aggregat aufsetze, rammt sich ein kleiner Hohlspaten in den Boden, durch den dann eines der kleinen Bäumchen gleitet. Hydraulisch betriebene Stahlklötze "drücken es noch an. Fertig", sagt Guido Ringleben und dreht die Baggerkanzel samt Arm und Pflanzaggregat zum nächsten Stammplatz.

Harzer Bäume aus der Börde

EIne Frau beugt sich in einem Gewächshaus über junge Bäume.
In Heidrun Erbs' Gewächshaus wachsen hunderte Douglasien. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Der eigentliche Pflanzvorgang spielt sich im Verborgenen ab, quasi in einen Stahltrichter. Wenn der sich anhebt, steht da – wie von Geisterhand – ein kleines Bäumchen, kerzengerade und ganz unversehrt. "Geht alles ratzfatz. Der reine Pflanzvorgang dauert nur wenige Sekunden", sagt André Wenzel. "So schaffen wir weit über 1.000 Bäume am Tag." Die Pflanztechnik habe sich der Forstdienstleister aus Ballenstedt von den Finnen abgeguckt und schließlich angeschafft.

Seine Maschine braucht Setzlinge in sogenannten Containern. Und diesen Nachschub holt sich Wenzel aus Klein Wanzleben. In Gewächshäusern stehen hunderte, erst wenige Monate alte Douglasien "Im Gegensatz zu Nacktwurzlern stecken hier die Wurzeln in einem Substrat aus nährstoffreicher Erde und Feuchtigkeit", erklärt Heidrun Erbs. "Deshalb sind sie für die maschinelle Pflanzung besonders gut geeignet".

Maschinelles Baumpflanzen ist bodenschonend

Ein Mann und eine Frau an einem Bagger, der Bäume einpflanzen kann.
Die jungen Bäume werden maschinell gesetzt. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Für den Forstbetrieb Oberharz, der zu den Landesforsten Sachsen-Anhalt gehört, liegen die Vorteile einer maschinellen Baumpflanzung klar auf der Hand. "Mit Hacke loslaufen, das ist ein Knochenjob", meint Eberhard Reckleben und spielt gleichzeitig auf die Container an. "Durch die Feuchtigkeit in den Wurzelballen können wir unsere Pflanzperiode verlängern und wir erreichen hohe Anwuchsprozente."

Deshalb habe er den Forstdienstleister mit diesem Pflanzaggregat beauftragt. "Und wir müssen schnell sein. Denn das Tageslicht lässt die Kahlflächen zuwuchern", sagt Reckleben und zeigt auf übermannshohes Gestrüpp aus Brom- und Himbeere. Und das maschinelle Baumpflanzen ließe sich mit GPS-Technologie ergänzen. "Dann könnten wir noch bodenschonender arbeiten."

Douglasien besser geeignet als Fichten

Die Douglasie sei deutlich robuster gegenüber den zu erwartenden Klimaveränderungen, wachse ebenso schnell wie die Fichte und liefere ein gutes Holz, erklärt Forstbetriebsleiter Reckleben. "Außerdem wurzelt sie tiefer und kann Trockenheit und Stürmen besser trotzen." Hier im Tanner Forst entsteht Mischwald. Kleine Buchen sind schon da, ebenso Birke und Fichte. Die Douglasie werde in Ergänzung gepflanzt.

Eberhard Reckleben und André Wenzel sind sicher, das maschinelle Pflanzen von Bäumen werde angesichts riesiger Kahlflächen an Fahrt aufnehmen, sogar aufnehmen müssen. Jedenfalls dort, wo dies die örtliche Beschaffenheit ermöglicht. An Steilhängen werde das Pflanzen von Hand und Hacke weiterhin notwendig sein.

Bis die jetzt gepflanzten Winzlinge zu stattlichen Bäumen heranwachsen, werden Jahrzehnte vergehen. Wenn alles gut läuft, werden nächste Generationen einen Harzer Wald erleben können, wie ihn schon ihre Vorfahren kannten.

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Über den Autor Swen Wudtke arbeitet seit 2020 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Heimat sind die Harzer Berge - und so liegt es auf der Hand, dass er aus dem Studio Wernigerode über alles berichtet, was die Harzer bewegt und für ganz Sachsen-Anhalt wichtig ist.

Seine Erfahrungen sammelte Swen Wudtke in verschiedenen Medienhäusern, etwa bei radio ffn, RPR1., Radio38 oder auch bei Sat.1 und Baden TV. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind seine Heimat rund um Rübeland und die weitläufige Natur des Drömlings.

MDR/Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

geradeaus vor 7 Wochen

Im brazilianischen Amazonasgebiet sind im April diesen Jahres >500 Quadratkilometer Wald gerodet worden. 43% mehr als April 2020.
Besorgniserregend sind ebenfalls die Waldbrände die immer wieder toben.

Es ist schön sowas zu lesen wie von ihrer Schwiegermutter und Eltern.
Optimismus zu finden ist jedoch schwer heutzutage, jedenfalls für mich. Und ihnen wird es nicht anders gehen.

MfG

August vor 7 Wochen

Gesunde Bäume können nur in einer Gesunden Umwelt wachsen. der Klimawandel ist nur eine Belastung. Abgase und eine kaputte Ozonschicht und das noch im Zunehmenden Maße verbunden mit Trockenheit und steigenden Temparaturen werden viele der Pflanzlinge zerstören. Die nähsten Generationen werden die Fazination Wald nur noch simulieren können genau so wie Insekten und Tierarten die unweigerlich verschwinden werden.

Maria A. vor 7 Wochen

Es ist gut, wenn man in einem Land lebt, wo zwar seit Jahrhunderten Holz geschlagen wird, aber auch wieder neu gepflanzt. Wenn man bedenkt, dass die früheren Generationen für das Kochen und Heizen ausschließlich auf Holz und Kohlen angewiesen waren, ist der heutige Waldbestand Deutschlands eigentlich erstaunlich. Es gibt Kontinente, wo die Menschen entweder keinerlei Verantwortungsbewusstsein hatten, vielleicht nur zu bequem fürs Aufforsten waren, oder sich absolut keine Gedanken über die Folgen für ihre Nachkommen machten, als sie die aufgrund ständigem Bedarf flächendeckend abgeholzten Flächen einfach brach liegen ließen.
Übrigens erzählt meine Schwiegermutter oft davon, wie sie und ihre Schulkameraden mehrmals zum Borkenkäferabsammeln in den Wald geschickt wurden, als es einige Jahre lang beängstigende Schäden gab. Ähnliches berichteten auch meine Eltern. Wenn die Natur in Not war, wurde damals weniger herum gejammert. Sondern verfügbare Kräfte zur Schadensbegrenzung mobilisiert.

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