Steht eine große Acht im Wald Bäume als Klimaschützer: Waldbesitzer wollen Anerkennung für ihre Arbeit

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Seit einigen Jahren sind auf Feldern grüne Holzkreuze zu sehen, mit denen Landwirte auf das Höfesterben aufmerksam machen. Der stille Protest richtet sich gegen neue Regulierungen seitens der Politik und soll mehr Respekt der Gesellschaft für die landwirtschaftliche Arbeit einfordern. Etwas Ähnliches ist nun auch in Wäldern der Region zu beobachten – wenn auch nicht mit grünen Kreuzen, sondern orangenen Achten.

Am Halberstädter Berg, oberhalb von Ilsenburg im Landkreis Harz, bewirtschaftet Cornelius Meyer-Stork 260 Hektar Wald – oder eher das, was davon übrig geblieben ist. "Fast die Hälfte haben Dürre, Stürme und Borkenkäfer dahingerafft", beschreibt er ein Wechselbad der Gefühle, wenn er mit seinem Jeep die Serpentinen hinauffährt. "Auf diesen Kahlflächen hier oben standen vor ein paar Jahren gesunde Fichten. Für den jahrzehntealten Wald reichte ein Wimpernschlag, um zu sterben. Das ging alles unvorstellbar schnell."

Ein Mann schaut durch eine große Acht in die Kamera
Waldbesitzer Cornelius Meyer-Stork steht hinter der großen Holz-Acht in seinem Wald. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Wald: Wirtschaftsgut – und noch viel mehr

Ein Mann beobachtet Arbeiten im Wald
Meyer-Stork beobachtet sogenannte Rückearbeiten in seinem Waldstück. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

An einem Steilhang heulen Kettensägen. Graubraune Bäume krachen zu Boden, das Totholz wird aus dem unwegsamen Gelände gerückt. Aufzuforsten sei wichtig, damit der Wald sich wandeln könne, meint Meyer-Stork. "Immerhin lässt sich das Holz seit einigen Wochen etwas besser verkaufen", spielt er auf die Preise an, die ganz tief im Keller waren und sich langsam erholt haben.

Doch für den diplomierten Forstwirt ist Holz mehr als ein Wirtschaftsgut. "Wald ist ein Ökosystem, solange er gesund ist. Wald tut unserer Seele gut, hier schöpfen wir Kraft", unterstreicht er den gesellschaftlichen Wert. Die Bedeutung für und die Auswirkungen auf Umwelt und Klima seien immens, fügt Cornelius Meyer-Stork hinzu und zeigt auf eine Acht in seinem Wald.

Orangefarbene Acht: zwei Meter hoch und nicht zu übersehen

Ein Mann steht vor einer großen, orangen Holz-Acht
Norbert Rosenberg weiß (noch) nicht, was es mit der Acht auf sich hat. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Wie ein Stern gabeln sich an der sogenannten "Schweineeiche", einem bei Wanderern beliebten Rastplatz, die Waldwege in alle Himmelsrichtungen. Am Wegesrand ist die Acht nicht zu übersehen, etwa zwei Meter hoch. Sie lacht förmlich in knalligem Orange. Auch Wanderer Norbert Rosenberg fällt sie ins Auge. "Doch was sie zu bedeuten hat? Keine Ahnung", zuckt er mit den Schultern und kommt mit Meyer-Stork ins Gespräch.

Wofür die orangenen Achten stehen

Die orangene Acht steht für die Informationskampagne "Wald ist Klimaschützer" der Familienbetriebe Land und Forst sowie der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Wald sei Klimaschützer Nummer eins. Ein Hektar binde jedes Jahr acht Tonnen CO2 – genau so viel, wie jeder Mensch jährlich ausstoße. Die Initiative verfolgt das Ziel einer gerechten CO2-Bepreisung für die Klimaschutzleistungen des Waldes, die den Waldbauern und -besitzern für ihre Arbeit zugutekommen soll. Im übertragenen Sinne stehe die Acht für ACHTsamkeit.

Eine orangene Acht im Wald: Ein Gag? Kunst? Ein stummes Symbol wofür? Wanderer Norbert Rosenberg hat Glück, auf einen Kenner zu treffen. Wer wie er im Wald kein Smartphone bei sich trägt, wird nicht klug, wenn er vor der Acht steht. Mit Hightech in der Tasche klärt ein QR-Code auf, der an der Acht angebracht wurde.

Forstwirt sorgt sich um den Wald – wegen kommender Generationen

Für die Acht in seinem Wald hat Cornelius Meyer-Stork einen exponierten Platz gefunden. Nicht etwa auf Kahlflächen oder inmitten toter Fichten. Nein, ein paar Hundert Meter vom Drübecker Schützenhaus entfernt, an der sogenannten "Schweineeiche", wacht sie dort, wo der Waldwandel bereits Konturen annimmt. Grüner Mischwald – verschiedene Nussbäume, Elsbeere, Douglasie, Buche.

Eine Acht mitten Wald
An der sogenannten "Schweineeiche" hat Waldbesitzer Meyer-Stork seine Acht platziert. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Junge Bäume, aber schon an die zehn Meter hoch. "Kommenden Generationen müssen wir einen intakten, gesunden Wald hinterlassen", wünscht sich der leidenschaftliche Forstwirt: "Wald, der dem Namen Harz als Bergwald wieder gerecht wird."

Zweite Acht im Wernigeröder Stadtwald aufgestellt

Übrigens: Das achtsame Auge findet am Nordharz bereits eine zweite Acht. Im Wernigeröder Stadtwald thront sie am "Armeleuteberg". Nicht zu übersehen, etwa zwei Meter hoch: Auch hier lacht die Acht in knalligem Orange.

Ein orange Acht aus Holz steht an einer Steintreppe
Auch am Waldrestaurant "Armeleuteberg" in Wernigerode wirbt eine große Acht aus Holz für die Aktion. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Das MDR Klima-Update – hier anmelden

Wie der Mensch das Klima verändert, muss mehr Aufmerksamkeit bekommen – finden wir beim MDR. Deshalb gibt es zur Klimakrise jetzt das MDR-Klima-Update. Immer freitags wird darin die Klimakrise beleuchtet. Dabei geht es um Themen wie Erderwärmung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Ihnen gefällt dieses Update? Empfehlen Sie es gern weiter. Wenn Sie in Zukunft das Klima-Update bequem und regelmäßig in Ihrem Mailpostfach erhalten wollen, können Sie sich hier kostenlos dafür anmelden. 

MDR/Swen Wudtke, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. August 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus dem Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt