Urteil am Amtsgericht Quedlinburg Klinikbesuch trotz Corona-Symptomen: Mutter freigesprochen

Weil eine Frau trotz Corona-Symptomen ihre Tochter im Harzklinikum Quedlinburg besucht hat, musste sie sich vor Gericht verantworten. Dieses hat sie nun vom Vorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs freigesprochen.

Zum Prozessauftakt gegen eine Frau, die trotz Corona-Symptomen und Quarantäne ihre Tochter im Krankenhaus in Quedlinburg besucht haben soll, betritt die Angeklagte den Verhandlungssaal. Links neben ihr steht Rechtsanwalt Ulrich Hasselmann.
Die Frau war vor dem Amtsgericht Quedlinburg angeklagt. Links neben ihr steht Rechtsanwalt Ulrich Hasselmann. Bildrechte: dpa

Das Amtsgericht Quedlinburg hat am Dienstag eine Frau freigesprochen, die trotz Corona-Symptomen und Quarantäne ihre Tochter im Krankenhaus besucht haben soll. Angeklagt war sie wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruchs.

Das Gericht folgte mit seiner Entscheidung dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte für die heute 72-Jährige eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung gefordert.

Klinik hatte Anzeige erstattet

Der Frau wurde vorgeworfen, im Oktober 2020 ihre Tochter im Harzklinikum besucht zu haben, trotz des Verdachts auf eine Corona-Infektion. Die Klinik hatte den Fall öffentlich gemacht und Anzeige erstattet. Das Gericht begründete sein Urteil damit, etwaige Symptome der Frau hätten von einer vorherigen Grippe-Impfung stammen können.

Demnach soll die Frau auf der Erklärung, die alle Klinik-Patienten und –Besucher ausfüllen müssen, angegeben haben, symptomfrei zu sein. Dabei habe sie kurz zuvor wegen mutmaßlicher Corona-Symptome eine Fieberambulanz aufgesucht und sich testen lassen. Bis zum Vorliegen des Ergebnisses hätte sie den Angaben zufolge zu Hause bleiben müssen.

Geplante Operation wurde abgesagt

Einen Tag nach dem Krankenbesuch hatte das Gesundheitsamt dem Klinikum mitgeteilt, dass bei der Frau das Coronavirus nachgewiesen wurde. In der Folge war laut Klinikum eine lange geplante Operation einer Patientin, die sich das Zimmer mit der Tochter der Besucherin geteilt hatte, abgesagt worden.

MDR/Cornelia Winkler, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. August 2021 | 19:00 Uhr

23 Kommentare

Steffen1978 vor 10 Wochen

300 EUR ? O.K. wenn sie 3000 EUR Pension bekommt, bei den ostdeutsch üblichen 1100 sind 300 EUR überzogen, den Miete 479 + fixe Kosten von 420 EUR erlauben sowas nicht.

Steffen1978 vor 10 Wochen

SIEG DER VERNUNFT ...

die Selbstjustiz andersdenkender ist erschreckend, unwissend-selbstgerechte maßten sich tagelang klugscheißernd an diktatorisch (gelernt is gelernt) nach 30 Jahren Demokratie, leerdenkend verblendet zu urteilen

emlo vor 10 Wochen

Nicht alles was rechtlich möglich ist (z.B. wegen Gesetzeslücken), ist auch moralisch vertretbar. Aber es gibt leider immer wieder Menschen, die das einen Dreck interessiert.

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