Naturschutz Arbeit eines Rangers: Nationalpark Harz als Wohnzimmer

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Dieses Wochenende wird der internationale "World Ranger Day" begangen – auch in Sachsen-Anhalt sind Ranger unterwegs, etwa im Nationalpark Harz. Ein Portrait von Freddy Müller, der seine Arbeit als "Traumjob" bezeichnet.

Ein Ranger steht vor einem Haus
Das ist seine Ranger-Station: Freddy Müller steht vor dem Hohnehof. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Der Wind lässt die Bäume rauschen, im Wind wiegen sich die Halme auf einer Wiese. Am Löwenzahn-Entdeckerpfad trifft Ranger Freddy Müller auf eine Gruppe Wanderer, die entlang der Hohneklippen den Weg zum Brocken sucht. Trotz tarnfarbener Kleidung komme man schnell ins Gespräch, sagt Müller.

Der typisch braune Hut gibt uns als Ranger zu erkennen. Und ich trage ihn wirklich gern.

Ranger Freddy Müller über seine Arbeitskleidung

Von Kindesbeinen an begeistert sich der gebürtige Wernigeröder für Pflanzen, Tiere, Steine. "Wir haben früher lieber draußen im Wald als drinnen gespielt", erinnert sich Freddy Müller. Heute nun sei der Nationalpark Harz sein großes Wohnzimmer.

"Jeder Tag sieht anders aus, das gefällt mir", erklärt er die Vielfältigkeit an seinem Job als Ranger. "Mal führe ich Besuchergruppen um das Brockenplateau, mal Schulklassen durch den Löwenzahn-Entdeckerpfad." Und zwischendurch sei er sich nicht zu schade, "auch den Müll am Wegesrand aufzusammeln".

Freddy Müller: ein wandelndes Lexikon

Heute redet er über die Natur in seiner Heimat wie ein wandelndes Lexikon. Sie sei in einem permanenten Wandel. Und wenn er mit Leuten unterwegs ist, sei das "wie eine sich ständig ändernde Powerpoint-Präsentation". Da sei er manchmal von sich selber überrascht, was er beispielsweise über Totholz, Borkenkäfer-Fraß und Waldwandel zu erzählen hat.

Ein Mann steht neben einer großen Holzplastik eines Uhus
Zwei gute Freunde: Freddy Müller neben einer riesigen Holzplastik am Löwenzahn-Entdeckerpfad Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Aber das war nicht immer so. "Vor Leuten zu reden, war einfach nicht mein Ding." Musste er ja auch nicht, denn zum damaligen Nationalpark Hochharz kam Freddy Müller Anfang der 1990er Jahre als Forstwirt. Nach seiner Ausbildung zum staatlich geprüften Natur- und Landschaftspfleger gehört er seit 2007 zur Nationalpark-Wacht.

"Eigentlich bin ich Großschutzgebietsbetreuer, ein unmögliches Wort", wie er kopfschüttelnd findet. "Wir sind Ranger – und für mich ist es mein Traumjob!" Und heute vor interessierten Menschen sein Wissen weiterzugeben, mache ihm nichts mehr aus. Ganz im Gegenteil: "Gerade das allgegenwärtige Totholz, der Waldumbau oder Mono- und Mischkulturen werfen Fragen auf, die ich fundiert beantworten kann."

Ein Mann zeigt ein Stück Holz mit Borkenkäferfraß
Freddy Müller erklärt einer Besucherin das Borkenkäfer-Fraßbild an einem Stück Fichtenrinde. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Auf Kahlflächen explodiert geradezu die Artenvielfalt. Neuer, gesunder Wald in Mischkultur.

Freddy Müller über das angebliche Waldsterben

So apokalyptisch die kranken und abgestorbenen Bäume auch wirken mögen: Seiner Ansicht nach "geht es im Harz nicht um Waldsterben. Lediglich die Fichte als großflächige Monokultur fällt dem Borkenkäfer zum Opfer." Leuten, die das kritischer sehen, erklärt er seine Sicht der Dinge.

Während im gesamten Nationalpark Harz 35 Ranger unterwegs sind, ist Freddy Müller mit sechs weiteren Kollegen am Hohnehof stationiert. Dieser Tage geht es in diesem Natur-Erlebniszentrum auch um den World Ranger Day. Freddy Müller ist froh, in seiner Harzer Heimat keinen gefährlichen Job zu haben. Dass andernorts Kollegen diese Arbeit mit dem Leben bezahlen, bleibt ihm unbegreiflich. "Umso wichtiger ist der World Ranger Day, um ihrer zu gedenken und auf die weltweite Lage aufmerksam zu machen."

Freddy Müller: Der Ton wird rauer

Auch die Ranger im Harz hätten immer wieder mit Konflikten zu tun, etwa mit uneinsichtigen Wildcampern oder jenen, die verbotenerweise gesperrte Waldwege befahren. "Der Ton wird mitunter rauer. Doch ich selbst hatte bislang immer das Glück, solche Konflikte mit Worten schlichten zu können." Für Freddy Müller sei der Ranger-Job etwa in Afrika ungleich gefährlicher. Immer wieder zu lesen, "dass Ranger durch Wilderer sterben, macht mich sehr betroffen."

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Abgestorbene Bäume 1 min
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Do 18.07.2019 15:34Uhr 00:48 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/video-320446.html

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Video

MDR/Swen Wudtke, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. Juli 2021 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

Anhaltiner vor 8 Wochen

Arbeit eines Rangers .Ein typisch deutsches Wort ?

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