Corona-Protest Tourismusbranche im Harz fordert Perspektiven

Seit einem halben Jahr befindet sich die Tourismusbranche deutschlandweit im Lockdown – für Hoteliers und Gastronomen im Harz eine existenzbedrohende Krise. Mit einem stillen Protest haben sie für eine Öffnungsperspektive demonstriert und weiße Bettlaken und Tischdecken aus den Fenstern gehangen, um so auf ihre Misere aufmerksam zu machen.

Plakat vor weißem Tuch an geschlossener Tür
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Corona-Krise ist für viele Unternehmen existenzbedrohend. Besonders betroffen sind die Tourismuswirtschaft und die Gastronomie, schon seit Monaten konnten sie keine Gäste begrüßen. Deshalb hat nun der Tourismusverband Harz gemeinsam mit den Verbänden in Niedersachsen mit einer Aktion auf die Situation der Branche aufmerksam gemacht. Unter dem Motto "Wir zeigen Flagge" haben sich auch Hoteliers in Wernigerode daran beteiligt und weiße Bettlaken und Tischdecken aus den Fenstern ihrer Hotels und Restaurants hängen lassen.

Hoteliers fordern mehr Vertrauen von der Politik

Aktion "Wir zeigen Flagge", Fahnen hängen aus dem Fenster
Auch das "Hasseröder Burghotel" - eines der größten Hotels in Wernigerode - beteiligte sich an der Aktion. Bildrechte: Elke Kürschner/MDR

Kerstin Nagy ist eine der Initiatorinenn der Aktion und betreibt das Hotel am Anger in Wernigerode. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man wolle ein Zeichen setzen, dass die Branche noch da sei und zurück an die Arbeit wolle. Nagy appelliert aber auch an die Politik, wieder mehr Vertrauen in die Branchen zu haben: "Ich wünsche mir, dass man erkennt, dass wir kompetent und verantwortungsbewusst unsere Unternehmen leiten. Wir haben ausgefeilte Hygienekonzepte erarbeitet. Hygiene ist für uns kein Fremdwort – damit arbeiten wir tagtäglich."

Auch Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) hat sich der Aktion angeschlossen und ließ am Rathaus der Stadt weiße Tücher wehen. Ein Zeichen der Solidaritat mit der Tourismusbranche, erklärt Gaffert: "Wir sind die Tourismusstadt im Harz, im ganzen Land Sachsen-Anhalt. Wir sehnen uns nach den Touristen. Man sieht es ja auch, die Stadt ist sehr still und es ist manchmal ein sehr bedrückender Anblick. Das ist für uns schwierig zu ertragen."

Erste Lockerungen bereits angekündigt

Trotz der Solidarität der Kommunalpolitik findet Kerstin Nagy, dass ein neuer Dialog mit der Politik notwendig sei. Darüber, was und wann wieder geöffnet werden könne. "Denn wir stehen seit fast sieben Monaten auf dem Wartegleis." Es gebe etliche Unternehmen, denen das Wasser bis zum Hals stehe. Einige davon hätten bereits aufgegeben.

Zwar wurden erste Öffnungsschritte für den Tourismus in Sachsen-Anhalt bereits angekündigt. Auch in Thüringen und Niedersachsen werden vergleichbare Regelungen erwartet. Die Branche befürchtet aber auch ein Abwandern der Arbeitskräfte, wenn die Zukunftschancen ausbleiben, berichtet die Hotelbetreiberin Nagy: "Insofern ist es absolut wichtig, dass wir einen optimistischen Perspektivplan bekommen."

Hintergründe und Aktuelles zum Coronavirus – unser Update

In unserem multimedialen Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird.

Das Corona-Daten-Update – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Die Geschäftsführerin vom Harzer Tourismusverband, Carola Schmidt, hält diese Ankündigung für einen ersten Hoffnungsschimmer. Es würden jedoch Detailfragen bleiben. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Tourismus sei eine sehr kleinteilige Branche, der aus vielen Unternehmen bestehe, die unterschiedlich ausgerichtet sind. So müsse zum Beispiel die Hängeseilbrücke an der Rappbodetalsperre anders behandelt werden als eine Pension.

Modellprojekte in Hotels

Am Mittwoch hatte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) neben den schnellen Lockerungen in der Außengastronomie auch die Möglichkeit der Öffnung von Ferienhäusern, Ferienwohnungen und Campingplätze angekündigt. Modellhaft wolle man auch schauen, ob Hotels geöffnet werden können.

Im Harz hatte es bereits im April vereinzelt solche Modellprojekte gegeben, bevor sie wegen der neuen bundeseinheitlichen Corona-Regeln wieder geschlossen werden mussten. Kerstin Nagy bezeichnete die Projekte als eindeutig zu kurz. "Wir hatten auch einige Bedingungen, die nicht ganz optimal waren. Dazu gehörte auch das Wetter, es war recht kalt Anfang April und somit nicht die beste Voraussetzung für Außen-Gastronomie."

Mehr zum Thema

Reiner Haseloff
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff: "Wir wollen den Einstieg in die Normalität herbeiführen." Bildrechte: imago images / Susanne Hübner

MDR/Tanja Ries, Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. Mai 2021 | 13:00 Uhr

3 Kommentare

Torsten W vor 30 Wochen

Was in diesem Fall mit den Gaststätten gemacht wird und wurde ist unverantwortlich. Ich hoffe auf Gerechtigkeit und dass es möglich sein wird, irgendwann, sämtliche Fehlentscheidungen vor ein ordentliches Gericht landen und hart nach Recht und Gesetz bestraft werden…

C.T. vor 30 Wochen

Wir fahren nicht mehr in den Urlaub - wir nehmen an Modellprojekten teil... hrhr

jackblack vor 30 Wochen

Man braucht keine Modellprojekte, man braucht ÖFFNUNGEN.

Mehr aus dem Harz

Ein Mann im Rollstuhl und seine Pflegerin hören eine Schallplatte. mit Video
Auf einer Wellenlänge, auch was die Musik angeht: Gabor Schneider und Jenny Keune sind seit Jahren befreundet. Nach dem Unfall entschied sie sich, den Beruf der Pflege zu erlernen, um ihm ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Mehr aus Sachsen-Anhalt