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Der Verein "Akzente" will bald Führungen über den Friedhof von Ballenstedt anbieten. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Fremdenführung mit Schaudern

Wie Blättern im Geschichtsbuch: Führungen über den Friedhof in Ballenstedt geplant

von Carsten Reuß, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 03. April 2021, 12:10 Uhr

Das werden Führungen, die mal ganz anders sind: In Ballenstedt will ein Verein Gäste über den Friedhof schicken – und nebenbei allerlei Wissenswertes über Geschichte und Grabmäler mitgeben. Davon gibt es nämlich einiges, weiß Bettina Fügemann vom Verein "Akzente" zu berichten.

Fremdenführungen mal ganz anders sind in Ballenstedt geplant: Ein Verein will dort den städtischen Friedhof für Gäste erschließen. Führungen über den Friedhof sollen Geschichte vermitteln und Gäste anlocken. Bettina Fügemann, die Vorsitzende des Ballenstedter Kulturvereins Akzente, schrieb von einem "Liebesanfall an den Friedhof gegenüber". Sie und ihre Mitstreiter vom Akzente-Verein wollen den städtischen Friedhof von Ballenstedt künftig erlebbar machen und Friedhofsführungen anbieten, dem Tod sozusagen auf die Spur kommen. Geschichtsinteressierte sollen mit architektonisch interessanten Grabmälern und bekannten Persönlichkeiten vertraut gemacht werden.

Viel Idylle, viel Geschichte

Der Ballenstedter Friedhof ist wie ein Park. Viel Grün gibt es hier, viel Idylle, aber auch viel Geschichte. Es gäbe viel zu entdecken, sagt Bettina Fügemann, und zeigt als erstes das wohl bekannteste Grab, das der Familie von Kügelgen. Wilhelm von Kügelgen war herzöglich anhaltinischer Kammerherr, vor allem aber Dichter und Schriftsteller. Er starb in Ballenstedt im Mai 1867. Daneben liegt eine Hofdame begraben, daneben der Gründer der damaligen Ballenstedter Knabenschule. Ein Gang über den Friedhof sei wie das Blättern in einem Geschichtsbuch, sagt Fügemann, die auch Schriftstellerin ist.

Fremdenführung mit Schaudern Ballenstedter Verein plant touristische Friedhofsführungen

Fremdenführungen mal ganz anders sind in Ballenstedt geplant. Bettina Fügemann, die Vorsitzende des Ballenstedter Kulturvereins Akzente, und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter wollen den städtischen Friedhof von Ballenstedt künftig mit Friedhofsführungen erlebbar machen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Der Ballenstedter Friedhof ist wie ein Park. Viel Grün gibt es hier, viel Idylle, aber auch viel Geschichte. Der Verein will Geschichtsinteressierte mit architektonisch interessanten Grabmälern und bekannten Persönlichkeiten vertraut machen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Es gibt viel zu entdecken, sagt Bettina Fügemann, und zeigt als Erstes das wohl bekannteste Grab, das Grab der Familie von Kügelgen. Wilhelm von Kügelgen war herzöglich anhaltinischer Kammerherr, vor allem aber Dichter und Schriftsteller. Er starb in Ballenstedt im Mai 1867. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Neben ihm liegt eine Hofdame begraben, daneben der Gründer der damaligen Ballenstedter Knabenschule. Ein Gang über den Friedhof sei wie das Blättern in einem Geschichtsbuch, sagt Fügemann, die auch Schriftstellerin ist. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Mit den Führungen will sich der Verein auf eine geschichtliche Spurensuche begeben – zu Gräbern von Dichtern und Prinzessinnen wie dieses hier der Prinzessin von Anhalt. Auf dem Ballenstedter Friedhof gibt es allerdings auch Gräber im Biedermeier- oder sogar Bauhausstil zu entdecken. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Vereinsvorsitzende Bettina Fügemann erzählt außerdem von einer alten Begräbnis-Tradition: Mütter, die bei der Geburt starben, deren Kinder aber überlebten, seien mit einem besonderen Ritual begraben worden. Dabei wurde der Weg mit dem Sarg zum Friedhof über Umwege zurückgelegt, damit die Seele der toten Mutter nicht den Weg zurück findet und ihr Kind holen kommt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Wenn die Pandemie-Bestimmungen es erlauben, soll Ende April die erste Führung stattfinden. Je nach Bedarf soll es dann weitere geben, mindestens zwei pro Jahr, so Bettina Fügemann vom Kulturverein Akzente in Ballenstedt.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01.04.2021 | 17:30

Quelle: Carsten Reuß/Alisa Sonntag
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Mit den Führungen will sich der Verein auf eine geschichtliche Spurensuche begeben – zu Gräbern von Dichtern und Prinzessinnen und solchen im Biedermeier – oder sogar Bauhausstil. Und ein wenig gruseln könne dabei auch nicht schaden, findet die Vereinsvorsitzende, und erzählt vom ältesten Kindergrab, davon dass Mütter, die bei der Geburt starben, deren Kinder aber überlebten, nach einem besonderen Ritual begraben wurden. Der Weg mit dem Sarg zum Friedhof wurde über Umwege zurückgelegt – damit die Seele der toten Mutter nicht den Weg zurück findet und ihr Kind holen kommt.

Wenn die Pandemie-Bestimmungen es erlauben, soll Ende April die erste Führung stattfinden. Je nach Bedarf soll es dann weitere geben, mindestens zwei pro Jahr, so Bettina Fügemann vom Kulturverein Akzente in Ballenstedt.

MDR/Carsten Reuß, Alisa Sonntag, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. April 2021 | 17:30 Uhr

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