Sozialministerium widerspricht Landrat Wie es zu verfrühten Corona-Impfungen im Harz kam

In einem Pflegeheim in Halberstadt ist es am Sonnabend zu einem Frühstart gekommen. Deutschlandweit wurde dort die erste Person gegen das Coronavirus geimpft. Die Verantwortlichen rechtfertigen ihren Schritt.

Immo Kramer hält Corona-Impfstoff in den Händen.
Schon einen Tag früher als eigentlich geplant, wurde in Halberstadt geimpft. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Der Landkreis Harz hat sich für seinen verfrühten Impfstart gerechtfertigt. Landrat Thomas Balcerowski (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man sei impfbereit gewesen und habe deshalb am vergangenen Sonnabend die ersten Impfdosen verteilt. "Uns treibt die Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung um. Deswegen haben wir nicht gewartet."

Eigentlich sollte erst am Sonntag deutschlandweit mit den ersten Corona-Impfungen begonnen werden. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatten sich überrascht gezeigt über das Vorpreschen im Harz. Spahn verwies in der "Bild am Sonntag" darauf, dass man eigentlich mit den europäischen Partnerländern und mit den Bundesländern den Sonntag auserkoren hatte.

Missverständnis zwischen Landrat und Sozialministerium?

Thomas Balcerowski
Landrat Thomas Balcerowski Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Landrat Balcerowski erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, dass ihm internationale Absprachen nicht bekannt gewesen seien: "Der Landrat sitzt nicht bei den Absprachen der Staatschefs dabei". Das Ganze sei nicht nach unten weitergegeben worden. Außerdem habe er in einem Telefongespräch mit dem Pandemiestab des Sozialministeriums gefragt, ob – wenn alles bereit stünde – auch schon früher geimpft werden könne. Das Sozialministerium habe dem Vorschlag in dem Gespräch nicht widersprochen. "Es tut mir leid, dass ich Herrn Haseloff nicht vorab informiert habe, das werde ich beim nächsten Mal anders machen", so der Landrat. Es gebe wahrscheinlich eher Kommunikationsknoten in Magdeburg. Diese müssten dort gelöst werden.

Das Ministerium teilte MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage mit, dass im Pandemiestab lediglich von Übungen im Harz gesprochen worden sei. Von einem offiziellen Impfstart mit Medienbegleitung sei nichts bekannt gewesen.

Kühlschrank erst Montag geliefert

Ein Ultra-Tiefkühlschrank
Der neue Kühlschrank wurde erst am Montag geliefert. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Laut Immo Kramer, der Leiter des Impfzentrums im Landkreis Harz, ist ein Ultra-Tiefkühler erst am Montag an das Impfzentrum in Halberstadt geliefert worden. Das war zwei Tage, nachdem der erste Impfstoff im Harz eingetroffen ist. Auch das sei ein Grund für die verfrühten Impfungen gewesen.

Das Sozialministerium bestätigte, dass in die letzten Ultra-Tiefkühler noch bis zum 30. Dezember an die Impfzentren verteilt würden. Bis dahin sei es jedoch möglich, den Impfstoff sachgerecht zu lagern. Angeliefert werde er in Trockeneis. Der Impfstoff halte sich danach bis zu Tage in normalen Kühlgefrierkombinationen.

Kramer wisse um die Haltbarkeit des Impfstoffes, aber von den fünf Tagen wolle keinen Tag verschenken. Deswegen sei es ein gutes Signal an die Bevölkerung vor Ort gewesen, schon früher mit der Impfung zu beginnen.

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101-Jährige als Erste geimpft

Am Sonnabend war in einem Pflegeheim in Halberstadt die erste Person in Deutschland gegen das neuartige Coronavirus geimpft worden. Die 101-jährige Edith Kwoizalla hat den Impstoff verabreicht bekommen.

#MDRklärt Nach diesem Plan wird gegen Corona in Sachsen-Anhalt geimpft

In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben.
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben. Bildrechte: MDRklärt
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Bildrechte: MDRklärt
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter. Bildrechte: MDRklärt
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

21 Kommentare

Micky Maus vor 41 Wochen

Da wird noch darüber diskutiert, ob man einen Tag eher anfängt, da haben die Impfzentren in Berlin schon wieder zu!

"Offenbar gibt es generell nicht nur zu wenig Impfstoff, sondern speziell auch zu wenig Interesse. Es habe nicht so viele Buchungen gegeben, dass der Betrieb hätte weitergehen müssen, berichtet der RBB. "

Quelle: Spiegel

Harzfeuer vor 41 Wochen

Die Aussage ist interessant: Landrat Balcerowski erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, dass ihm internationale Absprachen nicht bekannt gewesen seien: "Der Landrat sitzt nicht bei den Absprachen der Staatschefs dabei". Das Ganze sei nicht nach unten weitergegeben worden.

Diese Absprachen wusste ich sogar als einfacher Bürger und der Landrat will von dem Ganzen nichts gewusst haben? Braucht er eine persönliche Einladung der Kanzlerin, damit man ihm die Abfolge erklärt? Die Nummer kaufe ich ihn nicht ab. Alle anderen Landräte wussten auch Bescheid. Der wahre Grund ist, dass Balcerowski unbedingt der erste sein wollte, um sich zu profilieren. Er hatte ja angekündigt, dass der Harzkreis immer ganz vorne sein will, anscheinend koste es, was es wolle. Es ist zwar gut, so früh wie möglich zu beginnen, aber für Profilierungssüchtige die falsche Zeit. Man sieht in Bayern, dass es nach hinten losgehen kann.

Denkschnecke vor 41 Wochen

Falsch: Die EU hat das Vakzin nicht "verspätet" zugelassen, sondern innerhalb des für alle Arzneimittel vorgeschriebenen Verfahrens sogar viel schneller als das gewöhnlich dauert. Hingegen haben andere Länder, zu allererst Russland, nicht die Phase III-Ergebnisse abgewartet. Wenn man das für besser hält, muss man die Gefahr ernster Nebenwirkungen in Kauf nehmen.

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