Cold Case im Landkreis Harz Zehn Jahre nach Tötung in Wegeleben: 1.000 Männer zu Speicheltest eingeladen

Vor nun zehn Jahren wurde eine alleinstehende Rentnerin in ihrer Wohnung in Wegeleben bei Halberstadt getötet. Die Obduktion ergab seinerzeit, dass die Frau durch massive Gewalt gegen den Oberkörper umgebracht worden ist. Die Hintergründe der Tat sind rätselhaft. Nun will die Polizei mit einem Massen-Speicheltest dem Täter auf die Spur kommen. Doch das ist aufwendig.

Ein altes Haus mit zwei Bäumen davor.
In Wegeleben wurde 2021 eine 77-jährige Frau tot in ihrer Wohnung gefunden. Bildrechte: MDR/Nadine Hampel

Die wieder aufgenommenen Ermittlungen zu einem zehn Jahre alten Tötungsverbrechen in Wegeleben im Landkreis Harz gestalten sich aufwendig. Wie die Polizeiinspektion Magdeburg MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, sind zu einem Massen-Speicheltest rund 1.000 Männer schriftlich eingeladen worden.

Wer nun von der Polizei angeschrieben wurde, hat 2012 in Wegeleben oder der Umgebung gewohnt und passt nach Einschätzung der Ermittler grundsätzlich ins Täterprofil. Polizeisprecherin Anika Schwabe sagte MDR SACHSEN-ANHALT, momentan betreffe das Männer im Alter zwischen 25 und 95 Jahren. Zur Tatzeit seien sie also zwischen 15 und 85 Jahre alt gewesen.

Einwohner von Wegeleben äußerten sich auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT skeptisch zu den Aussichten des Speicheltests. Einige argumentierten, der Täter komme möglicherweise gar nicht aus Wegeleben oder Umgebung.

Neue Untersuchungsmethoden sollen helfen

2012 war die Frau in Wegeleben tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Danach wurde als Todesursache massive Gewalt festgestellt. Obwohl es Spuren am Tatort gab, konnte bislang kein Täter ermittelt werden.

Inzwischen hat sich die Kriminaltechnik so weiterentwickelt, dass die Ermittler wieder Hoffnung haben. Mittlerweile ist es möglich, per Reihenuntersuchung DNA-Material zu sammeln und dann zu vergleichen. Im Frühjahr hatte das Amtsgericht Halberstadt angeordnet, die Ermittlungen wieder aufzunehmen.

DNA-Test freiwillig

Die Teilnahme an dem jetzigen DNA-Test ist grundsätzlich freiwillig.

Diejenigen, die sich haben testen lassen, fallen sozusagen raus und entlasten sich somit. Es bleibt dann eine gewisse Anzahl über. Über das weitere Vorgehen wird dann noch entschieden.

Anika Schwabe Polizeisprecherin

Dabei könnte geschaut werden, wer vor zehn Jahren überhaupt wirklich in der Lage gewesen wäre, eine solche Bluttat zu begehen. Hierbei würden Alibis, die körperliche Verfassung und andere Aspekte eine Rolle spielen.

Polizei hofft auf weitere Hinweise

Der Speicheltest ist nach den Worten Schwabes in zwei bis drei Minuten erledigt. Sie sagte: "Das ist nicht so schlimm wie ein Coronatest, sondern wir nehmen nur Speichel aus den Wangen-Taschen ab. Daran befindet sich dann schon die DNA, und das war es." Es würden Personalausweise kontrolliert und zwei Abstriche gemacht.

Die Polizeisprecherin äußerte auch die Hoffnung, dass sich Menschen dadurch, dass die Tat wieder Thema ist, möglicherweise doch noch an Details erinnern und es neue Hinweise geben könnte.

Anmerkung der Redaktion: Nach einem Hinweis hat MDR SACHSEN-ANHALT Aussagen über die mögliche berufliche Vergangenheit des Mordopfers entfernt.

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MDR (Nadine Hampel, Christoph Dziedo, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Juni 2022 | 07:10 Uhr

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