Kulturdenkmal Magdeburg Investor bleibt stumm, trotzdem Zuversicht für den Kristallpalast in Magdeburg

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Der Magdeburger Kristallpalast hat seit Anfang des Jahres einen neuen Besitzer. Dieser hält sich bislang bedeckt, was seine Pläne angeht. Trotzdem ist der Verein Kristallpalast Magdeburg zuversichtlich, dass das ruinenhafte Kulturdenkmal gerettet wird. Der Verein hofft, dass möglichst viel vom Gebäude und seiner Geschichte bewahrt werden können. Auch ein Museum ist dafür im Gespräch.

Wenn man am Kristallpalast an der Leipziger Straße in Magdeburg vorbeigeht, erkennt auch der Laie sofort: Das Gebäude hat schon mal bessere Tage gesehen. Bäume wachsen aus den Fensteröffnungen zur Straßenseite, der Putz bröckelt von der Fassade, das Dach liegt im Innenhof und hält wohl keinen Tropfen Regen mehr ab. Über dreißig Jahre Leerstand und Verfall haben das Bauwerk schwer gezeichnet.

Anfang des Jahres hat der Kristallpalast, der einst als größter und prächtigster Veranstaltungsort der Region galt, einen neuen Besitzer gefunden. Die regionalen Medien zeigten sich hoffnungsfroh, beinahe euphorisch. Von einer "Rettung des Kristallpalastes" wurde gesprochen. Seitdem warten alle gespannt auf die Pläne des Investors. Der hält sich bislang allerdings bedeckt und trat auch namentlich nicht in Erscheinung. Dem Verein Kristallpalast Magdeburg und der Stadt Magdeburg ist der Name des Käufers bekannt. Die Stadt veröffentlicht den Namen nicht, da es sich um einen Privatkäufer handelt. So bleibt die Lage etwas diffus.

Zuversicht trotz der Unklarheit

Auch, wenn es keine neuen Informationen gibt: Adrian Chrupalla, der sich mit seinem Verein Kristallpalast Magdeburg e.V. zusammen mit vielen anderen Menschen schon seit Jahren für den Erhalt des Kristallpalastes und seiner Geschichte einsetzt, ist trotzdem zuversichtlich. Es sei gut, dass der Kristallpalast endlich einen geeigneten Investor gefunden habe, der das nötige Kleingeld habe, um was aus dem Palast zu machen, erzählt er. Er hofft, dass der neue Besitzer die Wünsche des Vereins berücksichtigt.

Der Bau sollte von der Struktur schon erhalten bleiben. Am allerwichtigsten wäre für uns und die Stadt, dass die Infotafel erhalten bleibt, damit die Leute auch sehen, was hier war.

Adrian Chrupalla, Kristallpalast Magdeburg e.V.

Außerdem sei für den Verein auch ein Museum sehr wichtig. Laut Chrupalla will der Verein dieses vorbereiten und eröffnen, um ein Stück Kristallpalast und seine Geschichte zu bewahren. Ob das Museum dann im Palast selber einen Platz findet oder in unmittelbarer Nähe eröffnet wird, sei nicht sicher, sagt Chrupalla. Grundsätzlich habe sich der Investor aber offen gezeigt und habe Erfahrung mit der Sanierung alter Gebäude. Es sei gut, dass es überhaupt schon einen Investor gebe. Jetzt müsse man ihm Zeit lassen, sagt Chrupalla.

Kulturdenkmal soll nach Möglichkeit geschützt werden

Bei der Umgestaltung des Kristallpalastes hat auch die Stadt Magdeburg ein Wort mitzureden. Alle Maßnahmen würden vorher sorgfältig geprüft und müssten erst genehmigt werden.

Der neue Eigentümer ist im Rahmen der wirtschaftlichen Zumutbarkeit dazu verpflichtet, das Kulturdenkmal nach denkmalpflegerischen Grundsätzen zu erhalten, zu pflegen, instand zu setzen und vor Gefahren zu schützen, um den zunehmenden Verfall der Gebäudesubstanz aufzuhalten.

Kerstin Kinszorra, Sprecherin der Stadt Magdeburg

Die Chancen stehen also gut, dass viel vom Palast erhalten bleibt – auch wenn noch nicht genau feststeht, wie.

Geschichte und Erinnerung bewahren – Magdeburger helfen

Die Menschen, denen der Kristallpalast am Herzen liegt, dürfte das freuen. Das Interesse ist jedenfalls nach wie vor hoch. Beinahe wie ein Callcenter hätten sie sich manchmal gefühlt, so viele Menschen hätten bei Ihnen angerufen, um Infos zu schicken, Hilfe anzubieten und von ihren vielfältigen Erinnerungen zum Kristallpalast zu erzählen, berichtet Andy Fischer, ebenfalls vom Verein Kristallpalast Magdeburg.

Ursprünglich hätten sie das Gebäude am liebsten wieder als Veranstaltungsort aufbauen und genau wie früher nutzen wollen. Es sei aber wegen der Uneinigkeit der Erbengemeinschaft und der hohen Summe schon sehr schwer gewesen, einen Käufer zu finden, erzählt Adrian Chrupalla. Da müsse man kompromissbereit sein, um überhaupt etwas zu erhalten.

Chrupalla glaubt daran, dass sich weiterhin viele Menschen beteiligen und bei der Bewahrung des Kulturguts mithelfen werden: "Der Kristallpalast ist eben ein bedeutender Teil der Magdeburger Geschichte."

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Leonard Schubert arbeitet seit Februar 2020 in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Interessensschwerpunkte sind Politik, Umwelt und Gesellschaft. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er beim Charles Coleman Verlag, für das Outdoormagazin Walden und beim ZDF.

Nebenher arbeitet er an seinem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung. Über den Umweg Leipzig kam der gebürtige Kölner 2016 nach Magdeburg, wo er besonders gern im Stadtpark unterwegs ist. In seiner Freizeit steht er mit großer Leidenschaft auf den Poetryslambühnen Sachsen-Anhalts oder sitzt mit einem Eisbärbier am Lagerfeuer, irgendwo in Skandinavien.

Quelle: MDR/ls

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. Mai 2020 | 09:30 Uhr

3 Kommentare

MDR-Team am 23.05.2020

Uns wurde diese Information nicht bestätigt.

Ditmar am 23.05.2020

Der Investor ist doch bekannt. Laut Dates heißt er Bernd Weiler und sein Projektingenieur Ulli Lorenz.

wer auch immer am 22.05.2020

Ein "Coronamuseum" - wäre doch aktuell.

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