Klasse nur aus vermeintlich arabischsprachigen Kindern gebildet Nach Rassismus-Vorwurf: Grundschule in Burg nimmt umstrittene Klassenbildung zurück

In Burg hat die Aufteilung der Erstklässler an einer Grundschule Empörung ausgelöst. Ohne Wissen der Eltern hatte die Schule eine erste Klasse ausschließlich aus Kindern mit Migrationshintergrund gebildet. Die Aufteilung der Kinder auf die Klassen orientierte sich dabei offenbar an Namen und Äußerlichkeiten. Laut Landesschulamt ist die Klassenbildung wieder verändert worden.

Neben einer Straße steht das Ortseingangsschild von Burg. 3 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Di 07.09.2021 17:10Uhr 02:58 min

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An einer Grundschule in Burg im Jerichower Land ist ohne Wissen der Eltern eine erste Klasse ausschließlich aus Kindern mit vermeintlich arabischer Muttersprache gebildet worden. Das hat das Landesschulamt am Dienstag auf Nachfrage mitgeteilt und eine Entschuldigung ausgesprochen.

Am Vortag hatte das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) auf den Fall aufmerksam gemacht und das Vorgehen kritisiert. Am Montag ist die Klasseneinteilung laut Landesschulamt wieder verändert worden. Bei Eltern der Erstklässler hatte der Vorgang für Empörung gesorgt.

Auch in anderen Klassen Kinder mit Migrationshintergrund

Ein Sprecher des Landesschulamts erklärte: "Der vorgesehene Klassenlehrer spricht selbst Arabisch und verfügt gleichzeitig über große Erfahrung bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache." Und: "Die Schule hat also in der Absicht gehandelt, ihre Möglichkeiten zur Sprachförderung bestmöglich und im Sinne der Kinder auszunutzen."

Sprecher Tobias Kühne sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag weiter: "Da ist Porzellan zerbrochen worden. Und das ist etwas, das wir nicht schönreden wollen. Die Schule ist vielleicht etwas zu vereinfachend davon ausgegangen, dass die Kinder mehrheitlich einen syrischen oder irakischen Nationalitätenhintergrund haben und ist vielleicht dann zu dem Schluss gekommen, die werden alle Arabisch sprechen." Das ist nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT aber nicht der Fall. Einige der Kinder sind demnach kurdischer oder afghanischer Herkunft – und sprechen gut Deutsch.

Lamsa hat der Schule in einer Pressemitteilung zudem vorgeworfen, dass alle Kinder mit Migrationshintergrund in eine Klasse eingeteilt worden waren, während es zwei weitere erste Klassen nur mit deutsch gelesenenen Kindern gegeben hätte. Das sei nicht so gewesen, sagte der Sprecher des Landesschulamts. In den anderen beiden ersten Klassen habe es auch Kinder mit Migrationshintergrund gegeben, jedoch mit anderen Muttersprachen als Arabisch.

Klasseneinteilung mit betroffenen Eltern nicht abgestimmt

Im Landesschulamt sei man davon ausgegangen, dass die geplante Klassenbildung mit den betroffenen Eltern abgestimmt gewesen sei. Das sei bedauerlicherweise nicht geschehen. "Die Schule hat dies als Fehler erkannt und wird die Kommunikation mit den Eltern zukünftig verbessern. Ich bitte stellvertretend für alle Beteiligten um Entschuldigung für die entstandenen Irritationen", so der Sprecher des Landesschulamts.

Schulleitung ist Vorgang "regelrecht peinlich"

Das sei schlecht gelaufen, räumte Kühne ein. Der Schulleitung sei es "regelrecht peinlich". Die Schulleiterin wolle den Fehler, vorab nicht mit den Eltern gesprochen zu haben, in Zukunft vermeiden. "Die Sensibilität des Themas wurde falsch eingeschätzt", sagt Kühne.

Landesnetzwerk kritisiert "rassistische Trennung"

Die Eltern eines betroffenen Kindes hatten die Entscheidung zur Klassenbildung erst bei der Einschulung am Wochenende erfahren und sich beim Landesnetzwerk Migrantenorganisationen (Lamsa) gemeldet. "Hierbei handelt es sich nicht um ein pädagogisches Konzept, sondern um eine rassistische Trennung aufgrund äußerlicher Zuschreibungen", sagte Lamsa-Geschäftsführer Mamad Mohamad.

Vater von betroffener Erstklässlerin: Schock und Traurigkeit sitzen tief

Aras Bader, dessen Tochter in die vermeintliche Migranten-Klasse eingeteilt worden war, sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag, der Schock und die Traurigkeit bei seinem Kind säßen tief. "Das ist einfach lächerlich und hat nichts mit Integration, Inklusion und Bildung zu tun. Das ist reine Isolation." Selbst wenn es an Sprachkenntnissen mangele, gebe es andere pädagogische Methoden, zum Beispiel Förderunterricht, so der Vater.

MDR/Sören Thümler, Gero Hirschelmann, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. September 2021 | 17:00 Uhr

150 Kommentare

Gernot vor 1 Wochen

Hallo Jana, eine Antwort dieser Qualität, ist nur Ihnen zuzutrauen. Das haben Sie hier mehrfach bewiesen. Ihre Defizite habe ich hier schon öfter aufgezählt, aber meist war dann von Ihrer Seite Funkstille
Zum Thema: Kleine Handwerksbetriebe wurde durch die Lockdown der letzten beiden Jahren die Existenzgrundlage genommen, denn versprochene Hilfen kamen nicht an......
Menschen, welche 45 Jahre gearbeitet haben, für ein sehr kleines Geld - konnten nix zurücklegen, müssen zum Amt oder einen Nebenjob nachgehen, um zu überleben.
Kinder von Alleinerziehenden, sind oft gesellschaftlich ausgegrenzt, da es finanziell an allen Ecken fehlt. Weiter geht's mit einem totkranken Gesundheits- und Pflegesystem . Nicht vergessen der öff. Nahverkehr, welcher die ländlichen Gebiete nazu meidet.
Nur ein ganz kleiner Auszug. Von gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten haben wir bis dahin nicht mal gesprochen. Lassen Sie Ihre manische Besserwisserei und kommen Sie endlich mal im wahren Leben an.

-MJ- vor 1 Wochen


@Caramba
Ich habe nie behauptet,
dass alle Kinder mit Mirgrationshintergrund kein Deutsch können!Wieso sollte ich auch? Sie haben nichts verstanden!
Genau diese herablassend,naive Art bringt jede Diskussion zum Platzen! Die Probleme sind nun mal nicht ewig totzuschweigen, und seien Sie sich gewiss,ich kenne mich da durchaus ein wenig aus! (allerdings gebe ich Ihnen recht,dass es hierbei um Sachsen-Anhalt und nicht um Berlin geht!)
Ich bin weder Rassist, Menschenfeind oder sonst irgrndwas "Rechtes", sondern erhoffe mir Lösungen,wie man es gemeinsam bewerkstelligen kann,dass jeder Schüler gut (und auch gerne) im Unterricht mitkommt und auch die Lehrer mehr Unterstützung erfahren!
Das ist alles!

Jana vor 1 Wochen

@Sachkudiger

Ist schon klar, dass Rassisten nicht gerne als Rassiten bezeichnet werden wollen, aber wie soll man solche Leiute sonst nennen?

Nur weil irgendeiner seine fremdenfeidnlichen Vorurteile in angebliche "Sorgen" kleidet wird aus ihm noch lange kein wirklich besorgter Mensch.

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