Stichwahl am Sonntag Entscheidung in Burg: Wer wird neuer Bürgermeister?

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

In Burg im Jerichower Land entscheiden die Menschen am Sonntag bei einer Stichwahl, wer ihr neuer Bürgermeister wird: der von SPD, Grünen und Linken unterstützte Philipp Sievert oder der parteiunabhängige Bernhard Ruth. Die Kandidaten erwarten ein offenes Rennen – auch weil die Bedingungen dieses Mal andere sind als bei der ersten Wahl vor knapp zwei Wochen.

Neben einer Straße steht das Ortseingangsschild von Burg.
Rund 19.000 Wahlberechtigte sind in Burg zur Stichwahl aufgerufen. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Die Menschen in Burg im Landkreis Jerichower Land entscheiden am Sonntag bei einer Stichwahl, wer neuer Bürgermeister ihrer Stadt wird. Im Rennen sind noch zwei Kandidaten: Der von SPD, Linken und Grünen unterstützte Bewerber Philipp Sievert und der parteiunabhängige Bernhard Ruth. Die Stichwahl ist nötig, weil bei der Bürgermeisterwahl am 6. Juni keiner der fünf ursprünglichen Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hatte.

Sievert bekam 38 Prozent und damit die meisten Wählerstimmen, auf Platz zwei folgte Ruth mit 26,7 Prozent der Stimmen. Nicht in die Stichwahl geschafft haben es René Kellner von der CDU sowie die beiden Einzelbewerber Christian Werner und Gerald Lichtenberg.

Offenes Rennen am Sonntag

"Ich war sehr positiv überrascht und bin sehr glücklich über das Wahlergebnis", sagt Sievert zu MDR SACHSEN-ANHALT. Auch Bernhard Ruth äußert sich im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT zufrieden. "Ich bin dankbar, dass mir mehr als 2.700 Menschen bei der Wahl ihr Vertrauen gegeben haben", sagt er.

Trotz seines Vorsprungs von mehr als elf Prozent im ersten Wahlgang sieht sich Sievert nicht in der Rolle des Favoriten für die Stichwahl. "Das Rennen ist komplett offen", sagt er – vor allem, da er mit einer niedrigeren Wahlbeteiligung als am 6. Juni rechnet, als zeitgleich die Wahlen für den Landtag und Landrat stattfanden. Damals hatten 54,8 Prozent der rund 19.000 Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Unklar sei zudem, für wen die Wählerinnen und Wähler der drei bereits ausgeschiedenen Kandidaten nun stimmen werden.

Zwischen Sievert, 34, und Ruth, 56, liegen zwar 22 Jahre Altersunterschied, inhaltlich sind die Differenzen bei vielen Themen jedoch gering. Sievert, der im Burger Ortsteil Reesen lebt und als Regional- und Projektmanager bei der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt arbeitet, ist parteilos. Seine Kandidatur wird von SPD, Linken und Grünen unterstützt. Das Ziel, eines Tages Bürgermeister in Burg zu werden, habe er schon länger im Hinterkopf.

Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, hier mit anderen Menschen gemeinsam etwas zu gestalten.

Philipp Sievert, von SPD, Grünen und Linken unterstützter Bürgermeisterkandidat

Sollte es mit der Wahl klappen, will er die Burger Innenstadt barrierefreier und attraktiver machen, etwa durch Pop-up-Stores und Showräume für Vereine in leer stehenden Geschäften. Er befürwortet den Ausbau fahrradfreundlicher Infrastruktur sowie den Bau der Ortsumgehung B1n. Außerdem plant er die Einführung sogenannter Bürgerbudgets, bei denen ausgewählte, von Vereinen oder Einzelpersonen eingereichte Projekte durch die Stadt finanziell unterstützt werden sollen. Auch die Einführung eines Kinder- und Jugendstadtrats steht auf Sieverts Agenda.

Vorteil Parteiunabhängigkeit?

Ruth, der in Magdeburg lebt, will bei den Wählerinnen und Wählern mit seiner Erfahrung punkten. Er arbeitet seit 25 Jahren in der Stadtverwaltung Burg, aktuell als Büro- und Sachgebietsleiter. Dadurch habe er in den vergangenen Jahren die Politik in der Stadt Burg als kleines Rädchen bereits mitgeprägt und sich ein Netzwerk aufbauen können, so Ruth. Seine Parteiunabhängigkeit sieht er im Wahlkampf als Vorteil.

Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen von den Parteien ein Stück weit enttäuscht sind.

Bernhard Ruth, parteiunabhängiger Bürgermeisterkandidat

Sollte er gewählt werden, will er sich für eine klimafreundliche Kommunalpolitik einsetzen, ein Konzept für den innerstädtischen Radverkehr in Burg erarbeiten lassen und Bildungseinrichtungen sowie Sportstätten erhalten und sanieren. Außerdem möchte er – wie auch Sievert – den Sachsen-Anhalt-Tag, der bereits im Jahr 2003 in Burg stattfand, ein weiteres Mal in die Stadt holen. Den Bau der Ortsumgehung B1n befürwortet er ebenfalls.

Zunächst stünden für ihn jedoch aktuelle politische Herausforderungen ganz oben auf der Agenda. „Eine der ersten Aufgaben wäre es, den Haushalt 2022 aufzustellen. Auch andere Themen müssen dringend zeitnah gelöst werden. Derzeit werden etwa viele Bauprojekte wegen steigernder Baustoffpreise immer teurer“, sagt Ruth.

Sievert oder Ruth – der Sieger der Stichwahl folgt auf den langjährigen Burger Bürgermeister Jörg Rehbaum von der SPD, der zum 1. Mai als Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr in die Landeshauptstadt Magdeburg gewechselt war. Die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters hat seitdem vorübergehend Jens Vogler übernommen. Er steht in der Kritik, weil er im Internet Verschwörungstheorien verbreitet. Die Amtseinführung des neuen Bürgermeisters ist für den 15. Juli geplant.

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Über den Autor Lucas Riemer arbeitet seit Juni 2021 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Der gebürtige Wittenberger hat Medien- und Kommunikationswissenschaft in Ilmenau sowie Journalismus in Mainz studiert und anschließend mehrere Jahre als Redakteur in Hamburg gearbeitet, unter anderem für das Magazin GEOlino.

Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er vor allem über kleine und große Geschichten aus den Regionen des Landes.

MDR/Lucas Riemer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Juni 2021 | 09:30 Uhr

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