Ausbildung von Feuerwehrleuten Personalprobleme in Sachsen-Anhalts Feuerwehrschule

Das Institut für Brand- und Katastrophenschutz (IBK) in Heyrothsberge ist die zentrale Feuerwehrschule Sachsen-Anhalts. Wegen jahrelangen Personalabbaus hat das Institut nun Probleme, genügend Feuerwehrleute auszubilden.

Eingang des IBK
Feuerwehr-Ausbildung: Das IBK in Heyrothsberge kämpft mit Personalproblemen. Bildrechte: MDR/Max Hensch

Seit der Jahrtausendwende wurden an Sachsen-Anhalts Feuerwehrschule, dem Institut für Brand- und Katastrophenschutz (IBK) in Heyrothsberge, kontinuierlich 58 Stellen in allen Bereichen gestrichen oder an private Firmen vergeben. Aktuell sind noch 68 Stellen übrig. Auch durch Corona stößt die Lehrerschaft schon länger an ihre Grenzen. Das sagen ehemalige und aktuelle Angestellte des Instituts sowie der Chef des Landesfeuerwehrverbands, Kai-Uwe Lohse.

Kai-Uwe Lohse, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands Sachsen-Anhalt e.V.
Kai-Uwe Lohse ist Chef des Landesfeuerwehrverbandes und kritisiert den Personalabbau am IBK. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lohse sitzt im Beirat des IBK. Er sagt, dass besonders bei stark nachgefragten Lehrgängen wie dem "Gruppenführer" oder "Zugführer" der Bedarf im Land kaum gedeckt werden könne, weil das IBK die Zahl der Veranstaltungen mangels fehlender Ausbilder habe reduzieren müssen. "Bei den Feuerwehren ist der Wissensbedarf hoch. Wir haben stetig neue Aufgaben, auf die wir vorbereitet sein müssen", sagt Lohse. "Auch Zivilschutzaufgaben werden bald wieder auf uns zukommen. Es ist schade, dass die Lehrerschaft am IBK immer weiter abgeschmolzen ist."

Die Verschlankung sollte aus Sicht der Landesregierung vor allem Personalkosten sparen. Investiert wurde in Heyrothsberge stattdessen in neue Unterkünfte für die Feuerwehrschüler, eine Übungshalle und neue Technik. Mit rund sieben Millionen Euro kostet das IBK das Land heute noch etwa genau so viel wie 2011. "Auch bei bester baulicher Voraussetzung kann man aber ohne Lehrer nicht unterrichten", sagt Kai-Uwe Lohse.

Das Innenministerium teilt auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit, es schätze die angebotenen Ausbildungen aktuell als bedarfsgerecht ein. 300 verschiedene Lehrveranstaltungen werden angeboten. Fakt ist aber auch, dass die Teilnehmerzahl an den Kursen durch Corona weiterhin nur halb so hoch wie im Normalbetrieb ist. Bedeutet mehr Stress für die Ausbilder. Aus IBK-Kreisen heißt es, Krankheitsfälle bei Ausbilderinnen und Ausbildern seien seit Beginn der Corona-Krise kaum zu kompensieren, man arbeite seit zwei Jahren am Limit.

Sachsen-Anhalt will Rahmenbedingungen für IBK-Angestellte verbessern

Knapp ein Drittel der aktuellen Mitarbeiter des IBK geht bis 2032 in Rente, darunter Ausbilder und Techniker. Zudem verlassen eine Reihe Fachkräfte nach ihrer Ausbildung in Sachsen-Anhalt das Institut. In den letzten zehn Jahren sind nur elf von 26 Ausbildern in Heyrothsberge geblieben. Lohse sagt: "Wir bilden gut aus, aber können die Leute nicht halten." Die Gründe dafür sind vielfältig und sind im Innenministerium lange bekannt. Auf eine Anfrage der Linksfraktion antwortete das Ministerium im Oktober 2020:

Bei den fünf Versetzungen zu anderen Dienstherren wurden neben persönlichen Belangen (…) die im Vergleich zu Berufsfeuerwehren oder anderen vergleichbaren Einrichtungen anderer Länder ungünstigeren Rahmenbedingungen am Institut für Brand- und Katastrophenschutz (IBK) Heyrothsberge als Gründe des Wechsels angegeben.

Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion 2020

Mit einem Gesetzentwurf, der laut Innenministerium bis zum Sommer vorliegt, sollen diese Probleme angegangen werden: Bei Berufsfeuerwehren ist ein Renteneintritt mit 60 möglich, am IBK erst mit 67. Zudem gibt es am IBK keine vergleichbaren Stellenzulagen oder Heilfürsorge. Angestellte am IBK müssen also, anders als die Kollegen bei der Berufsfeuerwehr, ihre Krankenversicherung zur Hälfte mitfinanzieren. Nachteile, die teilweise in Bundesländern wie Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern durch eine Angleichung schon ausgemerzt sind.

Trainingsgelände IBK
Das IBK bietet 300 verschiedene Lehrveranstaltungen für Feuerwehrleute an. Bildrechte: MDR/Max Hensch

Auch der ehemalige Direktor des IBK, Frank Mehr, ist zum Einsatzdienst gewechselt. Er ist heute Chef der Magdeburger Berufsfeuerwehr. Sein Stuhl am IBK ist seit Anfang letzten Jahres nur kommissarisch besetzt. Für Kai-Uwe Lohse nicht akzeptabel: "Ich vergleiche das mit einem Schiff. Der Dampfer muss wieder auf Kurs gebracht werden. Nur ein Team, das von einem Kapitän richtig geleitet wird, arbeitet auch gut und bildet uns Feuerwehrleute richtig aus, damit wir für Sicherheit sorgen."

Einer der Ausbilder leitete das IBK 14 Monate lang neben seinen eigentlichen Aufgaben, steht aber laut Lohse nicht langfristig dafür zu Verfügung. Weitere drei Stellen waren bis vor kurzem unbesetzt, nach MDR-Informationen in der Ausbildung und der Fahrzeugtechnik.

Fraglich ist, ob sie besetzt werden können. Im aktuellen Haushaltsentwurf wird nach MDR-Informationen erneut mit einer Kürzung der durch das Land finanzierten Stellen am IBK kalkuliert.

MDR (Max Hensch, Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 28. März 2022 | 13:00 Uhr

4 Kommentare

Picassa vor 34 Wochen

@hilflos sie haben das Konzept Freiwillige Feuerwehr verstanden? Den Hauptbrandschutz in Dtl leisten Freiwillige Feuerwehrleute! 2019 waren 1Mio Freiwillige gegenüber knapp 35 Tsd Berufsfeuerwehrleuten.
Auf dem Land lebt der Brandschutz von den Ffw, da ist es auf Grund Abstände der Ortschaften schon gar nicht möglich ne BF einzusetzen. Das Konzept ist also in keinster Weise überholt. Zumal auch in Städten mit BF genug Freiwillige zur Unterstützung benötigt werden. Und auch die Bf hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen und findet kaum Personal.

hilflos vor 34 Wochen

Ich denke mal, dass das Prinzip der freiwilligen Feuerwehr schon in die Jahre kam und nicht mehr zeitgemäß ist. Die berufliche Entwicklung der Bevölkerung ist nicht mehr nur vor Ort, wie vor 50 Jahren. Klar der Vereinsfaktor ist toll, aber eine Berufsfeuerwehr muß am Ende der Entwicklung stehen. Andere Länder können das auch leisten

Leachim-21 vor 34 Wochen

egal ob wie hier bei der feuerwehrschule oder bei anderen Staatlichen Stellen über Jahrzehnte abgebaut und das durch eine verfehlte Finanzpolitik der Länder und des Bundes .somit sehen wir einmal mehr was dabei herauskommt. da stellt sich mir die Frage wo sind dann die ganzen Gelder hingekommen.

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