Kita-Beiträge Im Jerichower Land: "Als Familie noch in Ordnung, für Alleinerziehende schon heftig"

Geografisch sind Magdeburg und der Kreis Jerichower Land Nachbarn, doch bei den Gebühren für Kinderbetreuung liegen sie weit auseinander. Magdeburg hat die niedrigsten Kita-Beiträge des Landes, das Jerichower Land gehört zu den teuersten Kreisen. Woran liegt das – und was sagen Familien dazu?

Spielende Kinder in der Kita Mimmelitt
Im landesweiten Vergleich sind die Kita-Gebühren in Magdeburg am niedrigsten. Bildrechte: MDR

Die Stimmung ist ausgelassen im Außenbereich der Magdeburger Kindertagesstätte Mimmelitt: Im Sandkasten der nach dem Stadtkaninchen aus dem bekannten Hörspiel von Reinhard Lakomy und Monika Ehrhardt benannten Kita füllen Kinder im Sandkasten mit bunten Plastikschippen ihre kleinen Eimer, ein paar Meter entfernt läuft die Schaukel auf Hochbetrieb. Mehr als 140 kommunale Kindertagesstätten wie diese gibt es in Magdeburg, dazu kommen rund 80 private Betreuungseinrichtungen in der Landeshauptstadt. Familien, deren Kinder hier betreut werden, sind verglichen mit Eltern aus anderen Städten und Gemeinden in Sachsen-Anhalt finanziell im Vorteil, denn nirgendwo im Land sind die Kita-Gebühren im Durchschnitt günstiger als in der Landeshauptstadt. Das zeigen Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT.

Große Gebührenunterschiede

Ein Krippenplatz mit täglich acht Stunden Betreuungszeit kostet in Magdeburg für Eltern durchschnittlich nur 120 Euro im Monat, landesweit sind es im Schnitt rund 175 Euro. Ähnlich sieht es bei der Betreuung für Kinder über drei Jahre im Kindergarten aus: Hier kostet ein Platz mit acht Stunden Betreuungszeit am Tag in Magdeburg für Eltern durchschnittlich 64 Euro im Monat, landesweit dagegen im Schnitt 137 Euro.

Unmittelbar östlich der Stadtgrenze von Magdeburg sieht die Situation anders aus: Im Landkreis Jerichower Land sind die Kita-Gebühren im landesweiten Vergleich mit am höchsten. So kostet ein Krippenplatz für acht Stunden am Tag Eltern im Jerichower Land durchschnittlich 186 Euro im Monat, bei einem Kindergartenplatz sind es für acht Stunden rund 148 Euro. "Dass es innerhalb von Sachsen-Anhalt so große Unterschiede gibt, hätte ich nicht erwartet. Ich finde das erstaunlich", sagt Fabian Wilke angesprochen auf die MDR-Recherchen, als er in Genthin gerade seine Tochter von der Kita abholt.

Fabian Wilke
Bildrechte: MDR

Für uns als Familie sind die Kita-Gebühren hier noch in Ordnung, aber für Alleinerziehende ist das schon heftig.

Fabian Wilke, Familienvater aus Genthin

152 Euro pro Monat zahlen Eltern in Genthin etwa für einen Kindergartenplatz mit acht Stunden Betreuungszeit am Tag, nochmal vier Euro mehr als im Schnitt des ohnehin vergleichsweise teuren Landkreises Jerichower Land. Zu den Gründen für die hohen Kita-Gebühren hat sich die Stadt Genthin gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT nicht geäußert. Fabian Wilke vermutet, dass die leeren Kassen der Stadt ein Grund sein könnten.

Gemeinden bestimmen selbst

Tatsächlich kann jede Gemeinde selbst festlegen, wie viel der Kita-Kosten sie übernehmen will. Darüber hinaus zahlen Land und die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe einen festen Zuschuss für jedes betreute Kind. (Wie sich die Kita-Gebühren genau errechnen, haben wir in diesem Artikel aufgeschlüsselt.) So ergibt sich, dass trotz vergleichbarer Betreuungsleistung die Kita-Gebühren in wohlhabenderen Städten und Gemeinden oft niedriger ausfallen als in ärmeren Gemeinden.

"Grundsätzlich sind Kitagebühren eine Einnahmequelle für Städte und Gemeinden", sagt Simone Borris, die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit der Landeshauptstadt Magdeburg.

Simone Borris
Bildrechte: MDR

Wir wollen Kindern den Zugang zur frühkindlichen Bildung ermöglichen. Uns ist es wichtig, dass Kinder die Kita besuchen können, und dass das nicht vom Geld der Eltern abhängt.

Simone Borris, Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit in Magdeburg

Magdeburg habe deshalb als familienfreundliche Maßnahme eine günstige Ermäßigungsregelung für Eltern eingeführt, so Borris. Die Stadt Magdeburg zahlt einen Extra-Zuschuss, so dass Eltern nur die Hälfte des eigentlich fälligen Beitrages aus eigener Tasche zahlen müssen.

Nur das älteste Kita-Kind kostet

Immerhin: Nicht nur in Magdeburg, sondern in ganz Sachsen-Anhalt müssen Eltern seit 2019 nur für das älteste Kind Kita-Gebühren entrichten, alle weiteren Kinder werden dann kostenlos betreut. Finanziert wird das durch Mittel des Bundes aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz, das nach aktuellem Stand bis Ende 2022 befristet ist.

CDU, SPD und FDP, die aktuell Koalitionsgespräche zur Bildung einer neuen Landesregierung führen, haben sich allerdings bereits darauf geeinigt, diese Unterstützung für Familien auch dann weiterzuführen, wenn der Bund die Finanzierung nicht mehr übernehmen sollte. Ob es künftig weitere Entlastungen bei den Kita-Gebühren geben wird, ist derzeit noch offen und hängt unter anderem davon ab, ob der Bund weitere Finanzmittel zur Verfügung stellt.

Eltern, die von dem Extra-Zuschuss in Magdeburg profitieren möchten, müssen dafür übrigens in Magdeburg wohnen. Die Sonderregelung gilt nur für Kinder, die ihren Wohnsitz in Magdeburg haben und in Kindertagesstätten in der Landeshauptstadt betreut werden. Wenn Familien etwa aus dem Kreis Jerichower Land ihre Kinder in einer Magdeburger Kita betreuen lassen wollen, würden sie nicht davon profitieren.

MDR/Hagen Tober, Lucas Riemer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. Juli 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Erichs Rache vor 8 Wochen

Fazit des Gutachten der Wissenschaftler Prof. Dr. C. Katharina Spieß,
Prof. Dr. Holger Bonin, Dr. Holger Stichnoth, Prof. Dr. Stefan Bauernschuster, Anita Fichtl und Prof. Dr. Martin Werding

„Effektiv betreibt der deutsche Staat neben der offiziellen Familienpolitik in großem Maße Familienpolitik mit negativen Vorzeichen.“

Vgl. Spieß, C. Katharina et al. (2014): Was ist von der Familienpolitik der Großen Koalition zu erwarten?, Wirtschaftsdienst, ISSN 1613-978X, Springer, Heidelberg, Vol.94, Iss. 2, pp. 87-102

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