Schul- und Sprachunterricht Digitale Klassenzimmer für Unterricht aus der Ukraine

Fast 17.000 Geflüchtete aus der Ukraine sind bislang nach Sachsen-Anhalt gekommen, darunter mehr als 5.500 Kinder. Um ihnen ein Stück Normalität zu geben, sollen sie schnellstmöglich in Kindergärten und Schulen integriert werden. Die Stadt Möckern im Landkreis Jerichower Land will das mit digitalen Klassenzimmern möglich machen.

Kinder aus der Ukraine sitzen in einem Klassenraum. Vor ihnen stehen Tablets auf den Schreibtischen.
Möckern im Jerichower Land: Schulkinder aus der Ukraine sollen hier im digitalen Klassenzimmer lernen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadt Möckern im Jerichower Land geht in Sachen ukrainische Geflüchtete teils eigene Wege. Bislang hat die Stadt etwa 200 Flüchtlinge aufgenommen, darunter rund 130 Kinder. Damit diese bald am Unterricht teilnehmen können, wurden in Loburg, einem Stadtteil von Möckern, jetzt digitale Klassenzimmer eingerichtet.

Die Idee dazu hatte Möckerns Bürgermeister Frank von Holly (CDU). Zusammen mit seinen Mitarbeitenden sowie freiwilligen Helferinnen und Helfern hat er kurzerhand den "Arbeitskreis Kulturzentrum Ukraine" gegründet. "Mir ist klar gewesen, das Land Sachsen-Anhalt wird längere Zeit brauchen, um sich zu entscheiden. Deswegen habe ich gesagt, wir müssen schnell handeln", erzählt von Holly.

In Absprache mit dem Leiter der Grundschule in Loburg wurde in der vergangenen Woche eine alte Sporthalle zum Klassenzimmer umfunktioniert. Aus der benachbarten Grundschule wurden Tische und Stühle herübergetragen, dazu gab es noch eine ausrangierte elektronische Tafel. Seit Montag werden in zwei Gruppen insgesamt 20 ukrainische Kinder unterrichtet. Sie lernen einerseits Deutsch und können andererseits – via Tablet – am Unterricht in der Heimat teilnehmen.

Bürgermeister stellt Hilfe vor Finanzfrage

Neben dem Unterricht will von Holly den Kindern so auch eine tägliche Struktur geben: "Tages-Strukturen, damit sie wissen, warum sie früh aufstehen. Die Sprache lernen – nichts geht ohne Sprache. Die häufigsten Fragen von Eltern sind zu: Schule, Arbeit, Sprache." Auch für die Eltern wird in einem Nachbar-Raum Deutschunterricht angeboten.

Ein älterer Mann im grauen Anzug gibt in einem Klassenzimmer ein Interview.
Für Möckerns Bürgermeister Frank von Holly steht helfen an erster Stelle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass er helfen will, war von Holly schon klar, als der erste Bus mit Geflüchteten aus der Ukraine in Möckern ankam. Die Frage der Finanzierung hat er dabei zunächst hinten angestellt: "Beim Hochwasser kann man auch nicht lange diskutieren, was der Sack kostet. Wir brauchen ihn. Und so ist es hier: Wir werden hinterher klären, wie wir das alles im Detail finanzieren. Aber heute müssen wir arbeiten." Von Holly fügt hinzu, dass Möckern sich aktuell in einer guten finanziellen Lage befinde und sich die unkomplizierte Hilfe leisten könne.

Ziel: Kinder in Klassen integrieren

So können die Kinder nun am Unterricht teilnehmen. Eine der beiden Lehrerinnen ist Natalia Ksonzyk. Sie hat schon in der Ukraine unterrichtet, unter anderem Deutsch. Nach Ausbruch des Krieges im Februar ist auch sie zusammen mit ihrem neunjährigen Sohn geflohen und lebt seit Ende März in Gerwisch. Über einen Bekannten hat Bürgermeister von Holly Kontakt zu der Lehrerin aufgenommen.

Eine junge Frau aus der Urkaine mit langen braunen Haaren gibt in einem Klassenzimmer ein Interview.
Natalia Ksonzyk ist selbst im Februar aus der Ukraine nach Sachsen-Anhalt gekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nun freut Ksonzyk sich, dass sie ihren Beruf auch in Deutschland ausüben kann und ihr Unterricht bislang gut angenommen wird: "Die Kinder sind begeistert, lernen so gern Deutsch. Das habe ich nicht erwartet. Sie lernen schnell. Gestern konnten sie noch kein Deutsch und heute können sie sich schon vorstellen."

Da die ukrainischen Kinder zunächst Deutsch lernen müssen, werden sie noch in einem eigenen Klassenraum unterrichtet. Ziel ist es, sie später in die bestehenden Schulklassen zu integrieren

Mehr zum Thema: Geflüchtete aus der Ukraine

MDR (Fabienne von der Eltz, Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. April 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

wolter109 vor 18 Wochen

Welch ein Glück...Schüler mit Tablets und digitaler Unterricht...leider kein alltägliches Bild in unserer maroden Schullandschaft, dass sonst geprägt ist
von Schulausfall etc...Nur traurig, für unsere Zukunft
von morgen!!!

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