Magdeburg Aktionstag gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen

In Magdeburg hat ein Aktionstag gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen stattgefunden. Die Organisatoren und Organisatorinnen fordern die Abschaffung des umstrittenen Paragrafen 218 im Strafgesetzbuch. Dieser erlaubt es schwangeren Personen nur unter bestimmten Bedingungen, straffrei eine Schwangerschaft abzubrechen. In Sachsen-Anhalt bieten derzeit nur wenige Ärztinnen und Ärzte überhaupt Abbrüche an.

In Magdeburg hat am Dienstag ein Aktionstag gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen stattgefunden. Der Pro Familia Bundesverband richtete sich damit gemeinsam mit Partnern gegen den Paragrafen 218 im Strafgesetzbuch.

Dem Paragrafen zufolge ist ein Schwangerschaftsabbruch generell strafbar und nur unter bestimmten Bedingungen, wie einer staatlich anerkannten Beratung, erlaubt. Pro Familia kritisiert, dass die Zahl der Ärzte in Sachsen-Anhalt, die einen entsprechenden Eingriff vornehmen, immer weiter zurückgehen würde. Zudem würden Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen zunehmend aggressiv auftreten und gezielt Falschinformationen streuen. Gleichzeitig dürften Ärzte im Internet nicht umfassend über das Thema informieren.

Mehr Unterstützung für Schwangere gefordert

Laut Pro Familia gibt es einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass die Entscheidung für oder gegen das Austragen einer Schwangerschaft nur die schwangere Person allein treffen kann. Dafür benötige es einen wertfreien Rahmen und Unterstützung.

Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Sachsen-Anhalt gesunken

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche im vergangenen Jahr auf dem Niveau der Vorjahre geblieben. 2020 registrierte das Statistische Landesamt knapp 3.280 Eingriffe nach rund 3.350 im Jahr 2019 und 3.300 im Jahr 2018. Der Blick weiter zurück zeigt einen rückläufigen Trend: 2005 etwa hatte es noch fast 4.780 Abbrüche gegeben. 2010 lag die Zahl bei knapp 4.080.

Viele Frauen, die ihr Kind nicht austragen wollen, haben zuvor schon eines oder mehrere Kinder geboren. Fast 1.000 Frauen, die 2020 ihre Schwangerschaft abbrachen, hatten demnach bereits ein Kind, mehr als 900 schon zwei und über 300 Frauen hatten drei Kinder zur Welt gebracht.

Ultraschallbild, Nuckel und Informationsmaterial zum Schwangerschaftsabbruch
Nur wenige Ärzte und Ärztinnen bieten Schwangerschaftsabbrüche in Sachsen-Anhalt an. Bildrechte: imago/suedraumfoto

Nur wenige Ärztinnen und Ärzte bieten Abbrüche an

Derzeit gibt es laut den Organisatoren und Organisatorinnen nur zwei Einrichtungen in Halle und weniger als zehn Ärzte und Ärztinnen im Umkreis von Magdeburg, die in Sachsen-Anhalt Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Auf einer online veröffentlichten Liste der Bundesärztekammer finden sich für Sachsen-Anhalt knapp zehn Krankenhäuser, Praxen und niedergelassene Ärzte, die einen Abbruch anbieten. Die Aufnahme in die Liste ist freiwillig, diese ist daher nicht vollständig.

"Da ist auch nicht so viel Nachwuchs zu erwarten im Moment", sagte Maria Vinzens von Pro Familia MDR SACHSEN-ANHALT. Deutschlandweit sei der Rückgang sogar noch stärker als in Sachsen-Anhalt.

Ein Frau in grünem T-Shirt
Maria Vinzens möchte den Paragrafen 218 abschaffen. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

Es ginge den Veranstaltern darum, den Paragrafen abzuschaffen, so Vizens. "Wenn ich aber etwas abschaffen will, muss ich auch sagen, was ich stattdessen fordere. Da entsteht sonst eine Lücke. Wir fordern, dass Schwangerschaftsabbrüche Teil der grundlegenden Gesundheitsversorgung für Menschen mit Uterus werden," sagte Vizens. Es solle eine medizinische Dienstleistung wie alle anderen gynäkologischen Dienstleistungen werden.

"Nur rundimentär Thema im Medizinstudium"

Die Medizinstudentin Natalie Faron aus Magdeburg sprach sich auf der Veranstaltung dafür aus, den Schwangerschaftsabbruch in der medizinischen Lehre mehr zu verankern. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die flächendeckende Versorgung ist in Gefahr. Viele Ärztinnen gehen in Rente. Da der Schwangerschaftsabbruch im Studium nur sehr rudimentär eine Rolle spielt, führt das dazu, dass es später für viele Ärzte und Ärtztinnen nicht so naheliegt, einen Abbruch durchzuführen."

Faron und Vizens setzen nach der Bundestagswahl die Hoffnung auf ein politisches Bündnis aus SPD, Grünen und FDP. "Nur dann kann es ganz gut aussehen für eine Streichung des Paragrafen 218", so Vizens.

Auf einem Gehweg ist mit Kreide ein großes Symbol des Paragrafen 218 gemalt.
Mit Kreide machten die Organisatoren und Organisatorinnen auf sich aufmerksam. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

dpa/MDR, Daniel Tautz, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. September 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

ElBuffo vor 3 Wochen

Herrlich, das soll eine ganz selbstverständliche Dienstleistung sein. Wenn das dann geschafft ist, können wir uns ja um einen breiten gesellschaftlichen Konsens kümmern auch in anderen Lagen das Leben abzubrechen, inklusive enrsprechender Dienstleistung.

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