Podcast "Digital leben" Die vollkommen unperfekte Podcasterin aus Magdeburg

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Maria Anna Schwarzberg ist 31 Jahre alt, in Salzwedel geboren und wohnt jetzt in Magdeburg. Sie hatte vor ein paar Jahren einen Burnout, hat ihren Beamtenjob an den Nagel gehängt und ist Podcasterin geworden. Im Digitalen hat Schwarzberg ihr Glück gefunden.

Braunhaarige junge Frau in Jeans und Strickjacke steht
Maria Anna Schwarzberg hatte einen Burnout und hat danach ihr Leben komplett umgekrempelt. Bildrechte: Verena Wittmann

Maria Anna Schwarzberg ist nach ihrem Burnout dank digitaler Technologien wieder glücklich geworden. "Das ist zwar sehr cheesy ausgedrückt, aber man könnte es so formulieren", sagt Maria Schwarzberg im Podcast "Digital leben" bei MDR SACHSEN-ANHALT. Sie stört sich ein wenig am großen Wort "glücklich" und spricht lieber von "zufrieden". "Diese Erwartungshaltung, 24 Stunden, sieben Tage die Woche immer völlig ausgeglichen, glücklich und positiv zu sein – das funktioniert ja gar nicht." Jeder hätte auch schlechte Tage oder Stunden, egal wie privilegiert oder reich jemand sei.

Maria Anna Schwarzberg wächst in Salzwedel auf und zieht für ihr Studium nach Hamburg. Sie studiert dort Jura und Public Management und nimmt einen Job bei der Stadt Hamburg an. "Ich habe damals beim Versorgungsamt in Hamburg gearbeitet, im Opferentschädigungsrecht. Da geht es um die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten." Sie wird verbeamtet.

Screenshot einer Videokonferenz mit vier Menschen: den beiden Podcastmachern Marcel Roth und Stephan Schulz und einem Gast 91 min
Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Aber so richtig warm ist sie mit Hamburg wohl nie geworden. "Ich habe immer gedacht, ich müsste mich nur verändern und mehr an mir arbeiten. Und dann würde das schon irgendwann passen." Aber nach drei Jahren im Job hat sie einen Burnout. Damals ist sie 25 Jahre alt und geht in Therapie. Eine Art Notbremse. "Ich habe mein Leben neu zusammen gepuzzelt", sagt Maria Schwarzberg, die heute 31 Jahre alt ist und in Magdeburg wohnt, näher bei ihrer Familie.

Burnout und Hochsensibilität

Während sie in Therapie ist, stolpert sie über einen Artikel zum Thema Hochsensibilität. "Das klang so was von nach mir." Sie glaubt, jeder Mensch hätte in seinem Leben eine Krise, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. "Und bei mir war es der Burnout und ich habe dann damit begonnen, mich mal mit mir selbst zu beschäftigen und zu fragen, wer bin ich eigentlich?"

Von Hochsensibilität spricht man, wenn Menschen äußere Reize nur schlecht filtern können. Es bedeute, dass das Gehirn etwas anders funktioniert. Alle Sinneskanäle seien permanent offen, Reize gingen ungefiltert durch. Es gäbe keinen Spamfilter, sagt sie in einem Interview. Auch wenn Hochsensibilität wohl nicht von allen Wissenschaftlern anerkannt ist, Maria Schwarzberg findet sich darin wieder.

Und weil sie alles zum Thema Hochsensibilität liest, entsteht der Gedanke, daraus einen Podcast zu machen. "Proud to be Sensibelchen" heißt er und hat etwa 40.0000 Abonnenten. "Ich wollte über Hochsensibilität und Sensibilität informieren. Aber nicht aus der Perspektive, dass Sensibilität nur eine Schwäche ist, sondern eben auch positiv besetzt ist. Alles hat Vor- und Nachteile, und so habe ich diesen Podcast gegründet."

Selbstbestimmt mit Podcast, Instagram und Buch

Ein Buchverlag wird auf sie aufmerksam und so erscheint im Sommer 2019 ihr Buch "Proud to be Sensibelchen – wie ich lernte, meine Hochsensibilität zu lieben". Neben ihrem Podcast startet sie auch einen Instagram-Account, der mittlerweile 22.000 Abonnenten hat.

Eine Frau fasst sich ans Haar.
Maria Anna Schwarzberg achtet darauf, was sie im Internet von sich preisgibt. Bildrechte: MDR/ Maria Anna Schwarzberg

Dass Maria Schwarzberg nicht einfach einen Blog zum Thema Sensibilität gestartet hat, liegt daran, dass ein Podcast mehr Nähe vermittelt, sagt sie. "Ich finde es schon sehr beeindruckend, dass die Digitalisierung mir das möglich gemacht hat." Für Schwarzberg heißt das vor allem: zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten. "Ich liebe meine Arbeit sehr. Und diese Freiheit ist der größte Luxus an meinem Job. Und mich macht es sehr glücklich, dass ich meine Kreativität ausleben kann."

Noch immer sei sie zwar verbeamtet und beurlaubt. "Diese acht Jahre lange Beurlaubung war damals mein Sicherheitsschirm, als ich in die Selbständigkeit gesprungen bin, denn ich habe ja kein Arbeitslosengeld und Gründerzuschuss bekommen." Sollte irgendetwas den Bach runtergehen, möchte sie aber trotzdem nicht wieder in einer Behörde arbeiten.

Privatperson und Podcasterin

Im vergangenen Jahr ist Maria Anna Schwarzberg Mutter geworden. Wie geht sie mit der Trennung zwischen Privatleben und dem Leben als Podcasterin und Instgrammerin um? "Ich habe mich viel damit beschäftigt, was ich über mich preisgeben möchte, weil mich das schon immer gegruselt hat, ohne zu überlegen, alles ins Internet zu schreien. Denn da wird ganz oft reingeschrien." Ihre Trennlinie zwischen privatem und öffentlichem Leben sei klar: Würde sie das Bild einer Kassiererin an der Kasse zeigen oder die Geschichte auch einer Bekannten erzählen, die sie im Baumarkt trifft? Verneint sie diese Frage, postet oder sagt Maria dazu auch nichts. "Ich würde meine Tochter nie mit Gesicht zeigen, und ich möchte sie auch nicht zum Mittelpunkt meiner Arbeit machen. Aber es ist für mich okay, dass sie durchaus auch sichtbar ist."

Als Influencerin sieht sie sich im Übrigen nicht. "Ich mag den Begriff nicht. Ich verbinde damit immer so Detox-Tees oder Rabatt-Codes. Ich weiß, dahinter steckt auch Arbeit. Aber ich würde mich selber nie so nennen, dafür genügt meine Reichweite auch nicht." Am nächsten komme man ihr im Podcast, sagt sie, "weil ich dort häufig auch Gedankengänge teile, von denen ich denke, dass sich viele Menschen darin wiederfinden." Aber ihr Publikum wisse nicht, wo sie wohnt, wer ihre Familie und Freunde sind oder wo sie gerne ihren Kaffee trinkt. "Und das ist auch gut so."

Im Gespräch wirkt Maria Anna Schwarzberg entspannt und zufrieden. Dabei ist sie gerade umgezogen, die Umzugskartons sind noch nicht endgültig ausgepackt und eine neue Tagesmutter für ihr Kind muss gefunden werden. Bei der Podcast-Aufnahme für MDR SACHSEN-ANHALT sagt sie: "Ich möchte nicht gern glamourös dargestellt werden. Ich sitze hier schließlich zwar lächelnd und entspannt, aber das in einer dunklen Abstellkammer auf dem Hocker meiner Tochter."

Wann soziale Medien unglücklich machen

Dass sie viel im Digitalen unterwegs ist, macht sie aber nicht automatisch zu einem zufriedeneren Menschen. Denn gerade soziale Medien könnten sehr schnell unglücklich machen, sagt Maria. "Wir kennen das alle, wenn wir geschafft sind: Anstatt uns etwas Gutes zu tun, nehmen wir das Handy und scrollen dann immer weiter." So würden wir andere Leute sehen mit ihren neuen Partnern, ihrem neuen Boot und ihrem Urlaub. "In diesem Moment sind wir aber total roh und verletzlich, wollen eigentlich nur Ablenkung und vergleichen unser rohes Inneres mit diesem aufpolierten Äußeren von anderen." Denn auch all die Influencer und glücklichen Menschen in sozialen Medien zeigten nicht ihr ganzes Leben, sondern das, was sie zeigen wollen. "Und das sind meistens Erfolge und glückliche Dinge. Und dann sitzen wir da, es prasselt einfach auf uns ein, und wir vergleichen uns und werden unglücklich." Das versuche sie zu vermeiden.

Bei sozialen Medien mache es – wie bei vielen anderen Dingen auch – die Balance: "Salz und Zucker machen auch glücklich, aber im Übermaß halt nicht so sehr. Auch ein Glas Wein macht glücklich, aber zu viel davon ist nicht gut." Aber Maria Schwarzberg sagt auch: "Ich möchte keinesfalls den Eindruck erwecken, als hätte ich den Heiligen Gral gefunden."

Die Unperfekte

Wer sein Handy bewusst nutzt, dem könne es auch total viel geben. "Sich inspirieren lassen oder sich mit Bekannten, Freunden oder Fremden über ein Thema austauschen – das kann unfassbar bereichernd sein. Gerade wenn man wie ich introvertierter ist und nicht unbedingt auf Partys und Netzwerkveranstaltungen geht." Der Umgang mit sozialen Medien müsse geübt und gelernt werden – sowohl in der Schule als auch in jeder Familie. "Auch bei den sozialen Medien werden wir Stück für Stück lernen, anders und besser damit umzugehen."

Aber für all das müssten wir uns viel stärker selbst beobachten, wir müssten wissen und spüren, was uns gut und was uns nicht gut tut, ist Maria Anna Schwarzberg überzeugt. Wir müssten achtsamer sein. Und diese Achtsamkeit will sie ihren Hörerinnen und Hörern in ihrem neuen Podcast beibringen. "Darin geht es darum, dass man mit 80 auf sein Leben zurückblicken und sagen kann, es war zwar irgendwie ungeplant, aber echt richtig schön, ich habe achtsam und bewusst gelebt." Maria Anna Schwarzbergs neuer Podcast heißt "Vollkommen Unperfekt".

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

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Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir So 13.12.2020 10:27Uhr 90:46 min

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. Dezember 2020 | 11:40 Uhr

12 Kommentare

wolter108 vor 19 Wochen

...ein/e von Millionen Influencer/Podcaster viel Spaß & viel Erfolg, aber ist dieses
ein Bericht wert? Naja. Fragen wir doch mal in 5 Jahren nach! Wäre Sie lieber Beamtin geblieben, das Leben ist manchmal kein Ponyhof.

Bernd_wb vor 19 Wochen

Sehe ich anders. Sie lebt nicht von Steuergeldern sondern davon dass sich Leute interessieren was die Frau schreibt. Vielleicht weil da welche eine vergleichbare Geschichte haben und gern von anderen Erfahrungen profitieren wollen. Mag sein dass die Frau für Sie und mich nichts zu sagen hat weil zB interessieren mich Leute wo es um echte Nachhaltigkeit geht aber egal die Menschheit ist vielgestaltig. Und ja Verehrer der deutschen Sprache haben bei mir ein Stein im Brett

Lothar Thomas vor 19 Wochen

@ Eulenspiegel

Bitte lesen sie den Bericht noch einmal genau durch, dann werden sie feststellen, dass die junge Frau immer noch (seit 8 Jahren) verbeamtet ist und derzeit nur "beurlaubt".
Diese "Beurlaubung" bedeutet, dass sie immer noch ihren Beamtenstatus besitzt und damit ihr Geld vom Staat bekommt.
Wenn sie somit irgendwelche Gelder aus ihrem Podcast oder ihrem Buch erhält, ist das nur ein "Zubrot", nicht ihr Haupterwerb.

Wenn ich mir den Kommentar von @ jackblack durchlese prangert er an, dass man es sich nur als Beamter leisten kann bereits nach dreijährigem Berufsleben mit einem Burnout zu Enden.

Theoretisch kann sie DAS bis zu ihrer Pensionierung weiter treiben.
BEAMTER = Urlaub auf Lebenszeit

In den alten Bundesländern gibt es einen jungen Mann, der das gleiche Prinzip schon seit über 20 Jahren so macht, ebenso wie noch einige Andere, über die auch schon in den Medien berichtet wurde.

Solch eine Lebensweise sollte man sich einmal als normaler Arbeitnehmer erlauben.?

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