Reaktion der Synagogen-Gemeinde Antisemitischer Angriff in Magdeburg: "Es darf kein Gefühl von Straflosigkeit entstehen"

Nach dem Angriff auf einen 22-jährigen Mann jüdischen Glaubens, der in Magdeburg am Allee-Center unterwegs war, fordert der Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde konkrete Strafmaßnahmen für antisemitische Taten. Die Angreifer hatten es laut Polizei klar die Kippa, eine religiöse Kopfbedeckung, des Mannes abgesehen. Auch die katholische Kirche verurteilte den Angriff.

Kippa Träger
Die Gruppe der Angreifer hatte es laut Polizei auf die Kippa des Mannes abgesehen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/NurPhoto

Nach dem Angriff auf einen jüdischen Mann in Magdeburg hat die Synagogen-Gemeinde der Stadt konkrete Strafmaßnahmen auf antisemitische Taten gefordert. Der Vorsitzende der Gemeinde, Wadim Laiter, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es dürfe kein Gefühl von Straflosigkeit entstehen.

Polizei geht von antisemitischem Motiv aus

Laut Laiter war der Angriff auf den Mann, der mit Kippa auf der Ernst-Reuter-Allee unterwegs war, der erste dieser Art in Magdeburg. Er bot dem Opfer des Angriffs seine Hilfe an und zeigte sich solidarisch.

Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Eine Polizeisprecherin sagte der Katholischen Nachrichtenagentur: "Wir gehen nach jetzigem Kenntnisstand davon aus, dass der Angriff antisemitisch motiviert war." Die Gruppe, die den Mann angegriffen hatte, habe es klar aus dessen Kippa abgesehen. Um die religiöse Kopfbedeckung sei es auch im weiteren Wortwechsel gegangen.

Antisemitismusstelle: "Extrem aufgeladene Stimmung"

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) in Sachsen-Anhalt sagte nach dem Angriff, sie stelle derzeit eine "extrem aufgeladene Stimmung" im Land fest, die sich auch in israelfeindlichem Aktivismus widerspiegele. Anfeindungen kämen vor allem aus dem links-antiimperialistischen, aus dem rechtsextremen und dem islamistischen Bereich.

Der Rias-Bundesverband zählte im vergangenen Jahr 43 antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt, darunter körperliche Angriffe, Sachbeschädigungen, Bedrohungen und verletzendes Verhalten. Die meisten Fälle seien in Halle gemeldet worden. Zehn Fälle sind nach Angaben von Rias dem rechtsextremen oder rechtspopulistischen Milieu zugeordnet, bei einem Vorfall habe es sich um israelfeindlichen Aktivismus gehandelt. Sechs Vorfälle hätten einen verschwörungsideologischen Hintergrund gehabt.

Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige sagte, er verurteile den gewaltsamen Angriff und sei entsetzt. "Wie weit sind wir gekommen, dass Juden in Deutschland nicht mehr in Frieden leben können?", sagte Feige. Dass eine Zeugin eingeschritten ist, bezeichnete er als mutig – und als "couragiertes Zeichen, dass unsere Zivilgesellschaft wachsam ist."

MDR/Moritz Lünenborg,Julia Heundorf,kna

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. Mai 2021 | 13:30 Uhr

61 Kommentare

Dietmar vor 2 Wochen

Ralf Meier mal aus Wikipedia : „ Die Grundsatzerklärung der JAfD nennt als Hauptmotive für die Gründung die „unkontrollierte Masseneinwanderung“ junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis mit „einer antisemitischen Sozialisation“ und die „Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie“ durch Gender-Mainstreaming und Frühsexualisierung. Israel wird dabei nur in Verbindung mit einer Bedrohung durch den radikalen Islam genannt.“
Gründungs- und Vorstandsmitglieder haben teilweise auch einen Migrationshintergrund.

Fakt vor 2 Wochen

@ralf meier:

Von was für einer "Bundesvereinigung" fabulieren Sie denn hier?
Es gibt eine Handvoll jüdischer Mitbürger in der afd - richtig. Nennen sich"Juden in der afd". Es sind allerdings sehr wenige. Sämtliche jüdischen Verbände hingegen wenden sich strikt gegen die afd und warnen immer wieder vor dem Erstarken der rechten Truppe. Was glauben Sie wohl, warum das so ist?

Dietmar vor 2 Wochen

Britta W. Ich empfehle Ihnen die Rede von Höcke in DD nachzulesen. Höcke ist Faschist und hat es auch nicht anders gemeint.
Wir sollten aber zurück zum Thema kommen. Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit dürfen in der Gesellschaft keinen Platz haben.

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