Beratung im Aufsichtsrat Uniklinikum Magdeburg: Viele Fragen, noch keine Antworten

Sowohl bei den Fusionsgesprächen mit Olvenstedt als auch bei der Diskussion um ein Maskengeschäft und die wirtschaftliche Konsolidierung des Uniklinikums: Der Aufsichtsrat konnte am Donnerstag keine abschließenden Entscheidungen treffen. Die soll nun zeitnah eine Sondersitzung bringen.

Der Schriftzug "Universitätsmedizin Magdeburg" steht an der Fassade der Universitätsklinik in Magdeburg.
Zuletzt nicht nur wegen der Corona-Pandemie im öffentlichen Fokus: das Uniklinikum Magdeburg Bildrechte: dpa

Der Aufsichtsrat des Uniklinikums Magdeburg ist am Donnerstag ohne Ergebnis auseinandergegangen. Das Gremium hatte mehrere Stunden lang getagt und will nun noch im Mai erneut zu einer Sondersitzung zusammen kommen. Das teilte das Ministerium von Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) am Freitag auf Anfrage mit.

Entscheidung über weitere Fusionsgespräche vertagt

Thema der Beratungen waren unter anderem die Fusionsgespräche mit dem städtischen Klinikum in Olvenstedt. Klinikum und Uniklinikum haben einen ersten Grundlagenvertrag erarbeitet, auf dessen Basis weitere Verhandlungen geführt werden sollen. Der Prozess hatte sich zuletzt verzögert, auch weil geklärt werden musste, wie die medizinische Fakultät der Universität einbezogen wird.

Am kommenden Donnerstag soll sich der Aufsichtsrat des städtischen Klinikums mit dem Papier befassen. Über den Vertragsprozess hatte es zuletzt widersprüchliche Angaben der Beteiligten gegeben. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper geht derzeit nicht mehr davon aus, dass der ursprüngliche Zeitplan von zwei Jahren für die Gespräche zu halten ist.

Mitte April hatte sich zudem ein "Freundeskreis Klinikum Magdeburg" gegen die Verhandlungen ausgesprochen. Eine Fusion diene einzig dem Zweck, "das angeschlagene Uniklinikum" auf Kosten des städtischen Partners zu sanieren, hieß es aus dem Kreis ehemaliger lokaler Politiker und Leitungspersonen beider Häuser.

Konsolidierung "zwingend erforderlich"

Tatsächlich sind die Kooperations- und Fusionsbemühungen aufseiten des Uniklinikums Teil eines umfassenden Konsolidierungsprozesses. Dieser sei es Sicht des Aufsichtsrats "zwingend erforderlich", hieß es vom Wissenschaftsministerium. Allerdings seien weitere Beratungen notwendig. Ein entsprechender Wirtschaftsplan musste zuletzt vom Klinikumsvorstand überarbeitet werden.

Für das Uniklinikum bedeuten die Pläne einen großen Umbruch, zur Diskussion steht auch ein Bettenabbau. MDR-Recherchen hatten Mitte März gezeigt, dass es innerhalb der Leitungsebene des Klinikums teils erhebliche Kritik am Führungsstil des Ärztlichen Direktors und der Kaufmännischen Direktorin gibt. Schon im vergangenen Jahr waren mehrere anonyme Beschwerdebriefe bekannt geworden. Auch das Verhältnis zwischen den beiden Vorständen und der medizinischen Fakultät gilt als belastet.

Der Aufsichtsrat hatte in der Vergangenheit dem Vorstand mehrere Auflagen gemacht. Bis Herbst dieses Jahres steht nun eine wichtige Personalentscheidung an: Der Aufsichtsrat muss entscheiden, ob er den Vertrag mit der Kaufmännischen Direktorin um weitere acht Jahre verlängern will. Nach den jüngsten Berichten hatte die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Eva von Angern, personelle Konsequenzen vom Vorstand gefordert.

So setzt sich der Aufsichtsrat zusammen Neben dem Vorsitzenden, Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD), gehören zwei weitere Kabinettsmitglieder dem Gremium an: Finanzminister Michael Richter (CDU) und Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Die weiteren Aufsichtsräte sind drei externe Vertreterinnen und Vertreter mit Fachexpertise, ein Vertreter des Personalrats sowie der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan.

Container-Bettenhaus nach Verzögerungen vor Inbetriebnahme

Zuletzt hatte das Land beide Uniklinika entschuldet und weiteres Geld für Investitionen zur Verfügung gestellt. Das Uniklinikum Magdeburg erhielt 247 Millionen Euro, rund 60 Millionen mehr als das Uniklinikum Halle. Dort ist die wirtschaftliche Lage auch aufgrund besserer Baustruktur weniger angespannt. In Magdeburg sind derzeit Baumaßnahmen für rund eine halbe Milliarde Euro geplant oder in Arbeit.

Wie das Uniklinikum im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung mitteilte, soll ein neues temporäres Bettenhaus nun zeitnah in Betrieb genommen werden. Gemäß Planung ermöglicht der Container-Bau zukünftig weitere Umbaumaßnahmen auf dem Campus. Seine Fertigstellung hatte sich allerdings mehrfach um Monate verzögert und wird zunächst mit einer geringeren Kapazität als zunächst geplant an den Start gehen.

Auch Diskussion zu Masken-Geschäft nicht abgeschlossen

Ebenfalls nicht abgeschlossen ist die Diskussion um einen umstrittenen Großeinkauf von Atemschutzmasken. Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt Ermittlungen gegen Mitarbeitende des Uniklinikums und einer betroffenen Firma eingestellt, nachdem Gerichte zuvor erfolgte Durchsuchungen für nicht rechtmäßig erklärt hatte. Miteigentümer der Firma ist ein Sohn des Ärztlichen Direktors. Der Landesrechnungshof hatte die fragliche Vergabe nach Prüfung scharf kritisiert. Laut Wissenschaftsministerium lag dem Aufsichtsrat am Donnerstag aber noch kein abschließender Bericht des Rechnungshofes vor.

MDR (Thomas Vorreyer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. April 2022 | 16:30 Uhr

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