Arbeiten in Melbourne, leben in Magdeburg Magdeburger Studentin absolviert Auslandspraktikum im Homeoffice

Michelle Schneider absolviert derzeit ein Praktikum bei einem australischen Unternehmen. Doch ihre Wohnung in Deutschland musste die Studentin dafür nicht verlassen. Denn die 21-Jährige arbeitet im Homeoffice. Wie gut klappt das bei zehn Stunden Zeitverschiebung? Und: Ist das ein Zukunftsmodell auch für die Zeit nach der Pandemie?

Eine junge Frau sitzt an einem Schreibtisch und spricht über ein Tablet und ihren Laptop mit Menschen
Michelle Schneiders Arbeitstag im Homeoffice fängt um neun Uhr mit einem Zoom-Meeting an. Bildrechte: MDR/Niko Nowak

Eigentlich wollte sich Michelle Schneider im vergangenen Jahr ihren Lebenstraum erfüllen: endlich durch Australien reisen. "Seit ich klein bin, wollte ich schon immer dort hin", sagt die 21 Jahre alte Studentin. Lange im Voraus plante sie deshalb die Reise in das Land ihrer Träume. Bis nach Australien kam sie zwar, doch dann brachte die Corona-Pandemie ihre Pläne zu Fall.

Kurz vor Grenzschließung in Australien angekommen

Michelle Schneider studiert Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Ein mehrmonatiges Praktikum in einem Unternehmen im Ausland oder ein Studium an einer ausländischen Hochschule sind verpflichtend für ihren Bachelor-Abschluss. Die junge Frau organisierte sich einen Praktikumsplatz bei einem deutschsprachigen Radiosender in Australien. Dort wollte sie zunächst Arbeitserfahrung sammeln und im Anschluss an das Praktikum durch "Down Under" reisen – das machen, was sie seit ihrer Kindheit wollte.

Mitte März 2020 machte sie sich auf den Weg von Magdeburg nach Melbourne – genau eine Woche nachdem die Weltgesundheitsorganisation den Covid-19-Ausbruch zur Pandemie erklärt hatte.

Im Video erzählt Michelle Schneider, wie ihr ursprünglicher Plan scheiterte und wie sie dann an ihren digitalen Praktikumsplatz in Australien gelangt ist:

Eine junge Frau in ihrem Arbeitszimmer. 2 min
Bildrechte: MDR/Niko Nowak

Studentin Michelle Schneider aus Magdeburg wollte eigentlich ihr Auslandspraktikum in Australien absolvieren. Doch dann kam Corona. Jetzt sitzt sie wieder Zuhause im Home Office und absolviert ihr Praktikum digital.

Do 04.03.2021 09:19Uhr 01:58 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/auslandspraktikum-homeoffice-australien-interview100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Michelle Schneider durfte gerade noch so nach Australien einreisen, zwei Stunden später wurden die Grenzen dicht gemacht. Ihr Praktikum fiel aber aus. Auch das Reisen im Land war nur stark eingeschränkt möglich. Sie blieb trotzdem erst mal in Australien, verbrachte viel Zeit mit der Gastfamilie, bei der sie unterkam und unternahm kleinere Tagesausflüge.

Gleichzeitig schrieb sie sich online für Seminare an ihrer Hochschule in Magdeburg ein. Für so manchen Kurs blieb sie wegen der zehn Stunden Zeitunterschied auch mal bis spät in die Nacht wach. Mitten im australischen Winter, im Juli, kehrte sie zurück nach Deutschland. Knapp ein halbes Jahr später wagte sie einen neuen Versuch, ein Praktikum in Australien zu machen. Diesmal allerdings im Homeoffice.

"Wenn ich früh aufstehen muss, lege ich mich danach auch nochmal schlafen"

Seit kurzem arbeitet die Nachwuchsjournalistin bei "Deutsche in Melbourne", einem Online-, Lifestyle- und News-Magazin für deutschsprachige Ausgewanderte. Doch weil Australien pandemiebedingt noch immer seine Grenzen geschlossen hält, blieb Schneider in Deutschland und arbeitet nun von ihrem Magdeburger Homeoffice aus für das australische Magazin. Ihre Arbeitswoche beginnt montags um 8 Uhr mit einer Online-Konferenz mit ihrer Chefin in Melbourne. Dort ist es dann gerade 18 Uhr.

Im folgenden Video erklärt Michelle Schneider, wie gut ihr Praktikumsalltag mit zehn Stunden Zeitverschiebung funktioniert:

Ein Laptopbildschirm, auf dem eine Videokonferenz mit zwei Frauen läuft. 1 min
Bildrechte: MDR/Niko Nowak

Studentin Michelle Schneider aus Magdeburg absolviert derzeit ihr Auslandspraktikum bei einer australischen Redaktion – aber im deutschen Home Office. So klappt der Alltag mit zehn Stunden Zeitverschiebung.

Do 04.03.2021 09:19Uhr 01:28 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/auslandspraktikum-homeoffice-australien-alltag-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Bei ihrem digitalen Praktikum ist Schneider in erster Linie für den Instagram-Kanal von "Deutsche in Melbourne" zuständig und schreibt zudem Artikel für die Internetseite. Dass sie nicht vor Ort sein kann, schränkt sie bei ihrer Arbeit ein. Zwar kann sie für die Leserinnen und Leser in Australien etwa beschreiben, wie sich der schneereiche Winter in Deutschland anfühlt. Doch Reportagen aus Melbourne im 16.000 Kilometer entfernten Magdeburg zu verfassen, ist natürlich nicht möglich. Ihr kleiner Vorteil: "Dadurch, dass ich schon da war, kann ich trotzdem auf Erfahrungen zurückgreifen", sagt Schneider. So schreibt sie zum Beispiel Texte über Orte, die sie im vergangenen Jahr selbst besucht hat. Interviews führt sie online, von ihrer Chefin erhält sie zusätzliche Infos und aktuelles Bildmaterial.

Ein Modell für die Zeit nach Corona?

In Zeiten einer Pandemie ist das Internet-Praktikum für Michelle Schneider die einzige Alternative, um trotz Reisebeschränkungen wertvolle Arbeitserfahrung in ihrem Lieblingsland zu sammeln. Anfragen von MDR SACHSEN-ANHALT an die Hochschulen und Universitäten in Sachsen-Anhalt haben ergeben: Die Zahl der Rücktritte vom Auslandssemester auf Grund von Unsicherheit wegen Corona ist hoch. Einige Erasmus-Studierende sollen in den vergangenen Monaten ihr Auslandssemester komplett oder zumindest zeitweise zu Hause in Deutschland verbracht und online an Vorlesungen und Seminaren teilgenommen haben.

Eine junge Frau betrachtet eine Weltkarte an ihrer Wand. Sie steht in ihrem zimmer vor einer Kommode und einem Regal
In Australien kann Michelle Schneider derzeit nur auf ihrer Weltkarte unterwegs sein. Bildrechte: MDR/Niko Nowak

Doch ist das Modell eines virtuellen Auslandsaufenthaltes auch zukunftsfähig für die Zeit nach Corona? Schneider meint, das komme ganz auf das Praktikum an. Dadurch, dass sie ihre Aufgaben auch gut von zu Hause aus erledigen könne, komme sie gut klar. "Das kann ich schon empfehlen, gerade Leuten, die finanziell gerade nicht so aufgestellt sind, dass sie mal eben um die halbe Welt fliegen können", sagt Schneider. Die teuren Flüge und Unterkünfte, den bürokratischen Aufwand beim Beantragen von Visa und die Suche nach einer Untermieterin oder einem Untermieter für ihr WG-Zimmer in Magdeburg konnte sich Michelle Schneider zumindest bei ihrem zweiten Praktikumsanlauf sparen.

Auf neue Menschen, Orte und Kulturen müssen Studierende verzichten

"Der Nachteil ist, dass wir nicht ganz so viel mitnehmen können", sagt die 21-Jährige und meint damit, dass eigentlich mehr zu einem Auslandsaufenthalt während des Studiums gehört als das bloße Lernen oder Arbeiten. Andere Menschen, Orte, Kulturen und Sprachen kennenlernen – auf all das müssen Studierende zurzeit verzichten. Michelle Schneider aber bleibt optimistisch und ist glücklich, dass sie das Praktikum trotz allem irgendwie absolvieren kann. "Für den Lebenslauf ist es auch gut, wenn man zwar im Homeoffice, aber immerhin für ein ausländisches Medium gearbeitet hat", sagt sie. Nachteile auf dem Arbeitsmarkt für Studierende der Generation Corona befürchtet sie nicht.

"Im Endeffekt war alles nicht so wie erwartet, aber durch dieses Praktikum fühle ich mich dem Land viel näher", blickt Michelle Schneider auf die vergangenen Monate zurück. Ihre Rundreise durch Australien möchte sie trotzdem unbedingt nachholen, sobald es wieder möglich ist. Nach Sydney reisen und Surfen lernen stehen noch immer ganz weit oben auf ihrer Liste.

MDR/Niko Nowak, Cornelia Winkler

1 Kommentar

jackblack vor 5 Wochen

Homeschooling, Homeoffice, Homeshopping, Homeworkout, Lieferdienste, Wohnung NIE MEHR verlassen, Corona Null aber KEIN LEBEN mehr- TOLLE Zukunft.

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