Viele offene Fragen Handwerkskammer Magdeburg beklagt Durcheinander bei 3G-Regel

Die 3G-Regel am Arbeitsplatz stellt das Handwerk offenbar vor Probleme. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, beklagt ein Durcheinander. Es gebe eine Vielzahl ungeklärter Fragen, etwa für Lehrlinge oder Außendienstler. Auch die Höhe möglicher Strafen kritisiert Grupe.

Ein Mitarbeiter zeigt vor Dienstbeginn in der Lobby seinen 2G Nachweis
Die 3G-Regelung am Arbeitsplatz bringt für die Arbeitge Bildrechte: dpa

Die seit 24. November geltende 3G-Regel am Arbeitsplatz stellt das Handwerk vor Probleme. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, beklagte ein Durcheinander. Grupe sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es gebe eine Vielzahl ungeklärter Fragen: "Die Fragen können Sie sich gar nicht in ihrer Fantasie vorstellen, die alle kommen, gerade weil die ganzen Details ungeklärt sind."

Grupe: "Arbeitgeber kann nicht immer mitfahren"

Grupe nannte als Beispiel den Umgang mit ungeimpften Lehrlingen, die noch nicht 18 Jahre alt sind, oder mit Solo-Selbstständigen: "Also es gibt eine Bandbreite an Fragen, das ist der bunte Blumenstrauß." Ein besonderes Problem haben nach den Worten des Hauptgeschäftsführers Gebäudereiniger oder Handwerksbetriebe, die auf Baustellen fahren.

Hier bemängelte Grupe fehlende klare juristische Anweisungen: "Es ist tatsächlich so, ein Gebäudereiniger, der morgens ganz früh los muss, um fünf irgendwo, da kann ein Arbeitgeber nicht überall dabei sein, gerade wenn der verschiedene Trupps hat. Testen die sich gegenseitig? Machen die einen Foto-  oder Videobeweis, den sie dann hinschicken? Das ist nach wie vor offen." Grupe verwies darauf, dass der Arbeitgeber nicht immer mitfahren könne.

Weniger Strafen, mehr Planbarkeit gefordert

Die Geldstrafen bei Nichteinhaltung der 3G-Regel in Höhe von bis zu 25.000 Euro nannte Grupe zu hart: "Stellen Sie sich den kleinen Goldschmied-Betrieb vor, den kleinen Friseur, sowieso gebeutelt durch die Pandemielage. Und dann diese saftigen Strafen, diese Kriminalisierung, und das zum Teil mit Dingen, wo man selber nicht genau weiß, was richtig und falsch ist. Datenschutz und all diese Dinge spielen ja auch noch eine Rolle. Das ist nicht ganz ohne."

Außerdem kritisierte der Geschäftsführer die Geschwindigkeit, mit der das Gesetz beschlossen und in Kraft gesetzt worden ist: "Es war wieder so: Dienstag im Gesetzesblatt verkündet, und ab Mittwoch gilt es. Das geht natürlich nicht nach anderthalb Jahren Pandemie. Hier muss einfach mehr Planbarkeit her." Grupe verwies darauf, dass die Handwerksbetriebe ohnehin für Gesundheitsschutz seien und dafür bereits alles täten. Niemand wolle, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krank würden.

Für Dienstagvormittag hatte die Magdeburger Handwerkskammer Betriebe zu einem Online-Seminar eingeladen, wozu es laut Grupe Anmeldungen im dreistelligen Bereich gab. Nach den Worten des Geschäftsführers denkt die Kammer bereits über Folgetermine nach.

3G-Pflicht als Reaktion auf hohe Inzidenzen

In Sachsen-Anhalt liegt die Corona-Inzidenz bei 717,2. Das geht aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag hervor. Am Montag waren es 698,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, nach 719,7 am Sonntag. Am Dienstag voriger Woche hatte das RKI den Wert mit 591,7 angegeben. Binnen eines Tages wurden den Angaben zufolge in Sachsen-Anhalt 2.509 neue Corona-Fälle gemeldet. Fünf weitere Menschen starben an oder mit dem Virus, seit Beginn der Pandemie waren es landesweit 3.788.

Wegen der bundesweit hohen Coronazahlen wurde die 3G-Pflicht am Arbeitsplatz eingeführt. In Unternehmen sollen dann also nur noch möglichst wenige Mitarbeiter aufeinandertreffen können – und dies auch nur noch, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind.

MDR (Hagen Tober, Christoph Dziedo, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. November 2021 | 05:00 Uhr

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