Experten klären auf 87 Mal gegen Corona geimpft: Mann aus Magdeburg droht Gefängnis

Wer sich häufiger als empfohlen impfen lässt, verliert irgendwann den Schutz vor dem Coronavirus. So hat es jetzt ein Infektions-Experte erklärt. Anlass ist die dutzendfache Impfung eines Mannes aus Magdeburg. Gesundheitliche Schäden muss er wegen der fast 90 erhaltenen Impfdosen wohl nicht erwarten. Aber ihm droht nun eine Gefängnisstrafe.

Impfausweis mit Impfspritzen und Impfstofffläschchen von Biontech und Moderna.
Impfausweis mit Impfspritzen und Impfstofffläschchen von Biontech und Moderna Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Einem 61-jährigen Mann droht eine Verurteilung wegen Betruges, meint Henning Lorenz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medizinrecht der Uni Halle. Der Magdeburger Impf-Tourist soll sich seit dem Sommer 2021 insgesamt 87 Mal gegen das Corona-Virus impfen lassen und die Nachweise im Anschluss verkauft haben. Dabei habe er die Impfärzte über seinen Anspruch auf eine Corona-Impfung getäuscht, sagte Lorenz im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT: "Ganz mild wird das für ihn nicht ausgehen."

Eine Geldstrafe ist unwahrscheinlich

Man müsse davon ausgehen, dass der Mann sehr geplant vorgegangen sei und mit dem Verkauf der Impfausweise auch eine beträchtliche kriminelle Energie an den Tag gelegt habe, so Lorenz weiter. Und da der Magdeburger die Impfnachweise im Anschluss verkauft haben soll, komme auch "gewerbsmäßiger Betrug in Betracht". Der Fall sei juristisch schwerwiegend, da es sich um knapp 90 einzelne Betrugstaten handele. "Für jede einzelne Tat wird eine Einzelstrafe gefunden, dann wird daraus eine Gesamtstrafe gebildet", erklärt Lorenz.

Sollte das Gericht zur Überzeugung gelangen, dass eine Gewerbsmäßigkeit vorliegt, dann ist eine Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren zu erwarten. Eine Geldstrafe würde dann ausscheiden.

Henning Lorenz Medizinrechtler

Kein besserer Schutz vor Ansteckung

Gesundheitliche Konsequenzen muss der Mann dagegen wohl nicht befürchten. Einen höheren Schutz vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus hat er aber auch nicht. Im Gegenteil, sagt der Chemnitzer Infektions-Experte Dietmar Beier: "Es nützt nichts und es schadet nichts."

Immunsystem "reagiert am Ende gar nicht mehr"

Zu impfen in kurzen Abschnitten, bringe keinesfalls einen besseren Schutz, denn der Stoff werde schnell wieder abgebaut. Das Immunsystem aber passe sich der andauernden Auffrischung an "und reagiert am Ende gar nicht mehr". Der 61-Jährige aus Magdeburg war seit Sommer 2021 in verschiedenen Impfzentren in Sachsen offenbar 87 Mal gegen Corona geimpft worden. Er steht unter dem Verdacht, die Zertifikate an Dritte weitergegeben zu haben. Gegen den Mann wird wegen unbefugten Ausstellungen von Impfausweisen und Urkundenfälschung ermittelt.

Mitarbeiter hatten den Mann wiedererkannt

Er war Anfang März im Impfzentrum Eilenburg erkannt und gestoppt worden. Aufgefallen war er zuvor in einer Dresdner Einrichtung. Das DRK hatte daraufhin eine Warnung mit der Aufforderung herausgegeben, die Polizei zu rufen, wenn er nochmals in einem Impfzentrum auftauchen sollte.

MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. April 2022 | 09:00 Uhr

43 Kommentare

Denkschnecke vor 12 Wochen

Na ja, vielfache Urkundenfälschung, dazu mit der Absicht der Gewinnerzielung, dürften juristisch keine Lappalie sein. Nicht anders als wenn er 87 TÜV-Plaketten an Halter nicht untersuchter Autos verkauft hätte.

Ittling 36 vor 12 Wochen

dudzendfache Imbfong von a Moes aus Magdeburg. Xondheidliche Schäda muss er wega der faschd 90 erhaldena Imbfdosa wohl ned erwarda. Abr ihm drohd nun oi Gefängnissdrafe.

Steffen1978 vor 12 Wochen

hoffe die Deppen die monatelang nervten informieren sich wie harmlos unsere Impfungen sind
Gefängnis halte ich für den Betrüger zu krass, er hat ja niemand gehauen oder
der sollte die Dosen außer den 3 die jedem zustehen, mit doppeltem Preis bezahlen und seinen ergaunerten Gewinn aus den Betrügereien sollte eingezogen werden

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