Maßnahmen geplant Corona in Magdeburg: Amtsarzt spricht von bedrohlicher Lage

Wegen der hohen Zahl der Corona-Infektionen schafft es das Gesundheitsamt Magdeburg nicht mehr, alle Fälle zu ermitteln. Vor allem in Pflegeheimen will die Stadt nun Maßnahmen ergreifen und unter anderem die Testpflicht für Besucherinnen und Besucher wieder einführen. Amtsarzt Eike Hennig mahnt zudem mehr Impfungen unter anderem bei Pflegekräften an.

Messehalle 1 (l) und 2 (r) sowie Messehalle 3 (vorne) der Messe Magdeburg. In der Messehalle 3 befindet sich das Impfzentrum der Stadt.
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Der Magdeburger Amtsarzt Eike Hennig spricht von einer bedrohlichen Corona-Infektionslage in seiner Stadt. Hennig sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montag, die Situation sei praktisch nicht mehr unter Kontrolle. Das Gesundheitsamt schaffe es nicht mehr, alle Fälle zu bearbeiten. Man schiebe 100 bis 150 Fälle vor sich her, die nicht ermittelbar seien.

Hennig nannte es ein Problem, dass die Akzeptanz für die Corona-Situation in großen Teilen der Bevölkerung verloren gegangen ist.

Wir haben gesehen, und wir hören es am Telefon, dass viele Menschen sagen, wir können nicht mehr. Ich unterstelle keinen bösen Willen. Aber sie sagen, wir wollen dieses Corona nicht mehr so, wie es ist. Und wir begeben uns damit natürlich auf ganz dünnes Eis.

Eike Hennig Amtsarzt, Stadt Magdeburg

Maßnahmen zuerst bei älteren Menschen

Hennig kündigte an, sich bei der Kontaktnachverfolgung zunächst auf alte Menschen zu konzentrieren. In dem Zusammenhang nannte er auch "die vielen ungeimpften alten Menschen". Der Amtsarzt betonte aber, dass der Impfungsgrad der Pflegeheim-Bewohner in Magdeburg mit Blick auf die dritte Impfung gut sei. Anders sehe das bei Pflegekräften aus, wo der Impfstand nicht ausreiche: "Man kann das sehen, wie man möchte. Ich bin dafür, dass sich alle impfen lassen, weil das nicht nur solidarisch ist. Man schützt auch seine eigene Gesundheit."

Bereits am Freitag hatte die Stadt Magdeburg angekündigt, dass sich wieder alle Pflegeheim-Besucher vorab testen lassen müssen, unabhängig davon, ob sie geimpft sind oder nicht. Wie Hennig jetzt ergänzte, möchte er auch, dass sich künftig alle Pflegekräfte jeden Tag testen. Man könne sich keine ungeimpften und ungetesteten Pflegekräfte in den Heimen leisten. Und leider könne man es sich auch nicht leisten, die vollständig Geimpften nicht zu testen: "Von 100 positiv Getesteten bei uns, die wir ja bekommen, sind um die 20 vollständig geimpft. Und dieses Risiko können wir im Pflegeheim auch nicht eingehen."

Keine Kontakt-Nachverfolgung in Schulen

Bei Corona-Fällen in den Schulen sollen nach den Worten Hennigs künftig nur noch positiv getestete Kinder isoliert werden. Auf eine weitere Kontaktpersonen-Nachverfolgung in der Klasse werde verzichtet: "Das setzt voraus, dass die Eltern mitmachen, dass die Lehrerinnen und Lehrer mitmachen und immer wieder darauf achten, dass jemand, der krank ist, nicht zum Unterricht kommt und sich schnell testen lässt."

Zur Begründung verwies der Amtsarzt auf die gesundheitlichen Nachwirkungen von Lockdowns bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: "Die sind so immens. Die schätzen wir noch gar nicht richtig ab." Hennig betonte, es gebe dazu bereits enge Gespräche und eine Einigung mit dem Land. Außerdem stellte sich Hennig hinter Forderungen, die Corona-Schnelltests wieder kostenlos anzubieten: "Wir haben ja durch die kostenpflichtigen Schnelltests insgesamt weniger Tests in der Bevölkerung, und obwohl wir weniger Tests haben, eine höhere Zahl von positiven!"

Amtsarzt fordert 2G für Veranstaltungen

Außerdem forderte der Magdeburger Amtsarzt, bei Veranstaltungen und in der Gastronomie die 2G-Regel anzuwenden: "Dass das Auswirkungen hat, ist uns klar. Aber in der jetzigen Situation muss man doch auch sagen, dass eine 2G-Regel natürlich Infektionen verhindert." Hennig räumte jedoch ein, dass auch Geimpfte das Virus weitertragen können. Abschließend betonte der Amtsarzt, dass keine Impfung zu spät komme. Jede Impfung zähle. Und je eher sich die unentschlossenen Menschen entschließen, sich impfen zu lassen, desto besser sei es.

Aus der Magdeburger Fieberambulanz berichtete die Kardiologin Gabriela Onode-Winzerling von einer Vielzahl positiver PCR-Tests am Wochenende. So sei am Samstag fast die Hälfte der 112 getesteten Menschen corona-positiv gewesen. Dabei habe die Mehrheit Erkältungssymptome gezeigt, die allerdings nicht schwerwiegend gewesen seien.

MDR/Heiko Kunzmann, Christoph Dziedo, Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. November 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Kritische vor 11 Wochen

Zum Thema Schule: Bisher wurden ja alle in Sippenhaft genommen und ohne Test die ganze Klasse in Quarantäne geschickt, auch wenn ein Lehrer betroffen war, der mit Maske in gehörigem Abstand zur Klasse stand. Das führte dazu, dass ALLE Kinder die wir kennen, einschließlich unserem eigenen bereits mehrfach 14 Tage ans Haus gefesselt waren. JETZT ist das genaue Gegenteil der Fall: Ein positives Kind gestern in der Schule, KEINE INFORMATION von der Schule oder vom Gesundheitsamt. Meine Tochter erzählte es. Alle anderen Kinder waren negativ oder geimpft und nicht getestet (ich habe unsere geimpfte Tochter sofort zu Hause getestet, aber ob das alle machen?). Die Eltern der Jungs, die um diesen Jungen herumsitzen, wissen es unter Umständen nicht, da ein Kind nicht alles erzählt und viel vergisst. So kann es doch auch nicht laufen...

Altmagdeburger vor 11 Wochen

Was soll man dazu sagen? So lange es Menschen gibt, die meinen sie sind gegen alles Immun, wird sich an diese Situation sich nichts ändern, weder dieses Jahr noch nächste Jahr nicht. Vielleicht, was sehr traurig wäre, müssen erst einmal wieder 100 Menschen an und mir Corona sterben und alles wegen einen kleinen Piks im Arm.

eeee vor 11 Wochen

Die Impfung macht nicht immun

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