Versäumte Organisation Corona-Schnelltests für alle verzögern sich – auch in Sachsen-Anhalt

Ohne umfangreiche Tests wird kein Weg aus der Corona-Pandemie führen, da sind sich die Experten einig. Deshalb hat Bundeskanzlerin Merkel ab dieser Woche kostenlose Schnelltest versprochen. Doch die Ankündigung der Kanzlerin können mehrere Länder nicht einhalten – auch Sachsen-Anhalt nicht.

Ein COVID-19 Antigen-Testkit (Schnelltest) zum Eigentest im Privat-Einsatz.
Eigentlich sollte ab heute jeder Bürger mindestens einen kostenlosen Schnelltest pro Woche machen können. Tatsächlich sind die Tests aber noch nicht überall verfügbar. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / MiS

Kostenlose Corona-Tests für alle. Das war das Versprechen, das die Kanzlerin vorige Woche nach ihren Beratungen mit den Ländern zur Corona-Pandemie gegeben hatten. Doch inzwischen ist klar, bis sich wirklich jeder testen lassen kann, werden wohl noch einige Wochen vergehen – auch in Sachsen-Anhalt.

So könnten wohl erst in der kommenden Woche in den Apotheken in Sachsen-Anhalt flächendeckend die ersten Laien-Selbsttests angeboten werden, meint der Magdeburger Apotheker Boris Ossmann: "Momentan sind die Tests noch nicht lieferbar. Da haben sich die Discounter große Mengen gesichert."

Erste Schnelltests im Einzelhandel

Die Discounter Aldi und Lidl boten erste Selbsttest schon am Samstag an, Lidl allerdings nur online. Bei Aldi waren die Tests innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, obwohl der Verkauf nur auf eine Packung pro Kunde begrenzt gewesen sei. Bei Lidl brach zwischenzeitlich die Internetseite zusammen. Auch die Supermärkte von Rewe und Edeka wollen bald mit dem Verkauf beginnen. Die Drogeriemarkt-Ketten Rossmann und dm planen den Start für Dienstag.

Der Vorteil dieser Tests: Die Probe wird nicht ganz so tief aus der Nase entnommen und man kann es selbst machen.

Aber auch der Start der angekündigten Schnelltests in Apotheken verzögert sich, weil nicht alle Apotheken auf die erst vergangene Woche angekündigte Teststrategie vorbereitet sind. Bei diesen Schnelltests führt geschultes Personal Wattestäbchen tief in die Nase oder den Rachen ein.

Apotheken fehlt Personal für Schnelltests

Allerdings werde es nicht möglich sein, diese Schnelltests sofort überall umzusetzen, sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Gabriele Regina Overwiening. Denn ein Kontakt der Kunden untereinander soll möglichst verhindert werden um Ansteckungen zu vermeiden. So müsse die Wegeführung für Testkunden zumeist eine andere sein als für andere Kunden, meint Overwiening.

Die Mitarbeiter bräuchten zudem für den eigenen Schutz eine entsprechende Ausrüstung. Das reiche aber nicht aus, erklärte hingegen die Hallenser Apothekerin Margit Hensel. MDR SACHSEN-ANHALT sagte sie, dass derjenige, der die Schnelltests durchführt, auch nicht weiter mit dem Apotheken-Team zusammen arbeiten könne: "Ich müsste den dann separieren und dafür freistellen. Und das kann ich mir nicht leisten."

Nicht genug Schnelltests bestellt

Hinzu kommt, dass auch keine ausreichend hohe Anzahl an Schnelltests beschafft wurde. Das machte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Abend im Ersten bei "Anne Will" deutlich. Er erklärte, dass die Verhandlungen mit "den einzelnen Partnern" liefen. Erst im Laufe des März bis in den April hinein werde all das, was zuletzt beschlossen wurde, funktionieren. Einen kostenlosen Schnelltest für jeden wird es in dieser Woche also noch nicht geben.

Der Grund für den späteren Anlauf der kostenlosen und flächendeckenden Testungen: Es sei in den vergangenen Monaten schlicht zu wenige Tests bestellt worden. "Wir brauchen bestimmte Mengen, um das flächendeckend zu machen", so Ministerpräsident Haseloff.

Für die Bereitstellung der Schnelltests sind zwar die Bundesländer verantwortlich. Aus der Opposition im Bundestag, aber auch aus der Koalition war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) deshalb mangelhafte Vorbereitung vorgeworfen worden. Der wies die Kritik zurück und betonte am Wochenende, es sei nie vereinbart worden, dass der Bund die Tests beschaffe.

ens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit, Lothar Wieler (M), Präsident Robert Koch-Institut (RKI), und Klaus Cichutek, Präsident Paul-Ehrlich-Institut (PEI), geben eine Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie in der Bundespressekonferenz.
Jens Spahn Bildrechte: dpa

Was vereinbart war, ist, dass wir mithelfen, dass die Schnelltests zugänglich sind, dass sie verfügbar sind.

Jens Spahn Bundesgesundheitsminister

Offen ist derzeit auch noch, wer die Bestätigung für negative Tests ausstellen soll. Denn nach Planung der Landesregierung soll diese Bestätigung künftig eine Art Eintrittskarte für etwa Museen oder Restaurants sein. Wie das organisiert werden soll, müsse noch auf Bundesebene besprochen werden, sagte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm Benne am Donnerstag und ergänzte: "Künftige Möglichkeiten – etwa Museumsbesuche, oder Restaurantbesuche – wollen wir ja an eine Bestätigung knüpfen. Hier im Land werden wir die Apotheken bitten, ob sie die Tests durchführen und auch die Bestätigung ausstellen."

Die Apothekenkammer listet Apotheken auf, die bereits Schnelltests anbieten:

MDR/dpa/Simon Köppl/Maria Hendrischke/Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 08. März 2021 | 11:00 Uhr

27 Kommentare

Mediator vor 9 Wochen

Spitzen Idee als medizinischer Laie einen Schnelltest zu machen, der nur von Fachpersonal durchgeführt werden darf und sich dann in Sicherheit zu wiegen.

Schlaue Menschen gehen zum Arzt, melden brav, dass sie Erkältungssymptome haben und bekommen kostenlos einen PCR Test. Aber wahrscheinlich hat ihr Sohn da die Prioritäten anders gesetzt. Muss ja jeder selber wissen ob lieber andere schützt, oder mit einem mulmigen Gefühl herumläuft und andere möglicherweise ansteckt.

Mediator vor 9 Wochen

@Nordharzer:
Worte von Politikern sollte man immer genau abwägen.
Es ist ja nicht neu, dass Erfolge immer auf persönlichen Fleiß der jeweiligen Politiker gründen und Probleme gerne von Anderen verursacht werden, die sich kaum wehren werden. Von daher kann ein Politiker aus der Dritten Reihe wie Söder in Bayern durch Schuldzuweisungen an die EU von eigenen Problemen gut ablenken.

Weiterhin haben wir Wahlkampf und die ungeliebten Ehepartner CDU/CSU und SPD ringen massiv um ein wahrnehmbares eigenes Profil und schimpfen kräftig aufeinander, was alles falsch gemacht wurde.

In unserem KatSchutzStab habe ich sie übrigens nicht gesehen. Mag daran liegen, dass Wohnzimmerstrategen in den seltensten Fällen konkrete Probleme in einer Pandemie lösen oder gar informiert sind. Ansonsten müssten sie auch nicht in jedem Dritten Beitrag danach fragen, warum mehr Impfungen in Sachsen-Anhalt verabreicht wurden als es Hochbetagte gibt und immer noch einige Hochbetagte warten.

Nordharzer vor 9 Wochen

Sie sind wie immer ein wortgewaltiger Verteidiger der Regierungspolitik, aber viel Text bedeutet nicht viel Inhalt. Sie sollten sich mal die Meinung vieler Fachleute und Politiker anhören, das Wort Chaos fällt da oft, ebenso, wie Staatsversagen. Selbst CSU-Chef Markus Söder attackiert in dem Streit die EU. Es sei zu spät Impfstoff bestellt und zudem nur auf wenige Hersteller gesetzt worden. Ebenso die Impfstrategie, da erwarte ich von den Verantwortlichen, dass man nicht erst im Februar sagt, dass man eine Teststrategie machen muss. Da geht es nicht um hinterher alles besser zu wissen, sondern darum, dass man Politik mit Plan erwarten kann.

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