Kritik an Polizei und Behörden Demonstration nach Abschiebung von armenischer Familie in Magdeburg

Etwa 150 Menschen haben am Donnerstag auf dem Magdeburger Domplatz gegen die Abschiebung einer armenischen Familie demonstriert. Ein Teil der Familie ist in der vergangenen Woche nach mehr als 20 Jahren in Deutschland nach Armenien abgeschoben worden.

Mehrere Menschen stehen mit Abstand auf einem Platz, einige halten ein Mikrofon in der Hand
Etwa 150 Menschen haben am Donnerstag auf dem Domplatz in Magdeburg demonstriert. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Sören Thümler

Etwa 150 Menschen haben am Donnerstag auf dem Magdeburger Domplatz gegen die Abschiebung einer armenischen Familie demonstriert.

Zu der Kundgebung hatte der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt aufgerufen. Er fordert, dass die Familie in Deutschland wieder zusammengeführt wird und hat dazu auch eine Petition gestartet.

Das soll bei der Abschiebung passiert sein

Die Familie mit vier Kindern, die seit mehr als 20 Jahren in Deutschland lebt, sollte vor zwei Wochen abgeschoben werden. Dabei waren laut Polizei Magdeburg zwei Verantwortliche der Ausländerbehörde und zehn Polizistinnen und Polizisten der Polizei Magdeburg im Einsatz. Nach Aussage der Polizei gab es bei der Abschiebung Störungen durch andere Armenierinnen und Armenier, die die Abschiebung verhindern wollten. Im Kontrast dazu schreibt der Flüchtlingsrat, dass Menschen aus dem Umfeld der Familie friedlich demonstrierten.

Währenddessen gelang es offenbar zwei Kindern der Familie, einem 13-jährigen Mädchen und einem 12-jährigen Jungen, sich aus dem Kleinbus der Polizei zu befreien und wegzurennen. Die beiden Kinder waren daraufhin nicht auffindbar. Der Vater der Familie darf deswegen vorerst in Deutschland bleiben, um die Kinder zu finden. Nach Angaben des Flüchtlingsrates wurde er in eine Asylunterkunft einquartiert, die Tochter ist wieder aufgetaucht. Sie befinde sich in einem kritischen Zustand und sei in Behandlung.

Abschiebung in ein Krisengebiet

Die Mutter und die anderen beiden Kinder wurden jedoch nach Armenien abgeschoben. Das Land befindet sich nach dem Krieg mit Aserbaidschan um Bergkarabach gerade in einer angespannten Lage. Laut Flüchtlingsrat sprechen weder die Mutter noch die Kinder armenisch.

Die Evangelische Landeskirche kritisierte, dass die Familie bei der Abschiebung getrennt wurde. Vorfälle wie in der vergangenen Woche in Magdeburg dürften sich nicht wiederholen, sagte die Migrationsbeauftragte der Landeskirche Petra Albert. Bisher habe in Sachsen-Anhalt Konsens darüber bestanden, dass Familien während der Abschiebung nicht getrennt werden.

Magdeburgs Oberbügermeister Lutz Trümper wies die Kritik zurück und sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wenn eine Familie zehn Jahre lang die Behörden immer wieder belügt und nie dazu beiträgt, dass die Sache aufgeklärt wird, dann gibt es ein Gesetz und das setzt die Ausländerbehörde um. Das ist keine politische Entscheidung." Aus seiner Sicht sei die Aktion nicht zu kritisieren.

Quelle: MDR/as

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

13 Kommentare

ralf meier vor 43 Wochen

Was für ein Irrsinn, ganze Familien, die hier seit Jahrzehnten friedlich leben, werden abgeschoben, während brutalste Gefährder hier weiterhin ihr Unwesen treiben dürfen. Letzteres haben wir u.a. einigen sich selbst als Zivilgesellschaft bezeichnenden Lobbyistenverbänden zu verdanken, die gerne warnend darauf hinweisen, das solche Gefährder nicht abgeschiben werden dürfen, weil sie in ihren Heimatländern mit weniger Entgegenkommen rechnen müssten.

Harka2 vor 43 Wochen

Hier wurde über das Ziel hinausgeschossen. Wenn die Kinder in Deutschland geboren wurden, deutsche Schulen besuchten und hier integriert sind, dann sollten sie und ihre Eltern bleiben dürfen, so lange sie sich nicht in kriminelle Machenschaften verstricken. Die Kinder dürfen dann aber auch nicht für die Taten ihrer Eltern bestraft werden, so diese überhaupt welche begangen haben. Nach so langer Zeit sind wir gar lange aus den Fristen für Asyl raus.

faultier vor 43 Wochen

Habe noch nie gehört das Armenier in Terroristische Aktionen verwickelt waren aber die schiebt man ab ,Tschetschenen lässt gewährt man Asyl ,diese Logik muss mir mal einer erklären.

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