Landgericht Prozessbeginn: Mutmaßlicher Drogenhändler aus Schönebeck über "WhatsApp der Verbrecher" enttarnt

Vor dem Landgericht Magdeburg ist der Prozess gegen einen mutmaßlichen Drogenhändler aus Schönebeck gestartet. Das Besondere: Er wickelte seine Geschäfte über einen verschlüsselten Messengerdienst ab. Problem für ihn: Die Polizei hat mitgelesen. Das Landeskriminalamt verweist auf den Vorteil neuer Abhörtechniken.

Vor dem Landgericht in Magdeburg hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Drogenhändler begonnen. Der 31 Jahre alte Mann aus Schönebeck im Salzlandkreis muss sich wegen acht Straftaten verantworten; darunter wegen Verstoßes gegen das Waffen- und das Betäubungsmittelgesetz.

Gemeinsam mit einem anderen Mann soll er im Magdeburger Stadtteil Ottersleben ein Lager für Betäubungsmittel unterhalten haben. Die beiden Männer haben laut Anklage unter anderem mit Marihuana bis hin zu 35 Kilogramm gehandelt.

Polizei liest im "WhatsApp der Verbrecher" mit

Die Kommunikation zwischen den Angeklagten und anderen Beteiligten soll im Wesentlichen über den verschlüsselten Messengerdienst Encrochat gelaufen sein. Der Sprecher des Magdeburger Landgerichtes, Christian Löffler, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Encrochat werde auch als das "WhatsApp der Verbrecher" bezeichnet. Die potentiellen Straftäter hätten gedacht, dass sie nicht abgehört werden könnten. Der Polizei sei es jedoch – vor allem in Frankreich – gelungen, Server zu knacken und die Chats mitzuhören. Dadurch waren zahlreiche Kriminelle aufgeflogen.

Michael Klocke vom Landeskriminalamt sagte MDR SACHSEN-ANHALT, diese Erfolge seien nur mit gutem Personal und technischer Aufrüstung möglich. Heutzutage seien für die Polizei Ermittlungstechniken vorhanden, die vor vielen Jahren undenkbar gewesen seien. "Die Techniken haben uns aber auch gezeigt, wovon wir vorher noch gar nicht wussten und welchen Straftaten sich im Dunkeln abspielen." Früher hätten Täter aus Telefonzellen Häuser ausgekundschaftet, heute stünden sie einfach mit dem Handy vor der Tür.

Was ist Encrochat?

Smartphone mit dem Logo des Providers Encrochat
Encrochat galt eigentlich als abhörsicher. Bildrechte: MDR/David Kopp

Encrochat war ein Dienstleister, der sogenannte Kryptohandys und einen Nachrichtendienst angeboten hatte, die beide abhörsicher sein sollten. Genutzt wurden die Geräte vor allem von der organisierten Kriminalität. Mit den Telefonen konnten beispielsweise keine Mails versendet werden und sie verfügten über kein GPS, um nicht geortet werden zu können.

Durch die Infiltration von Schadsoftware konnten französische Ermittlungsbehören 2020 die Geräte hacken und so die Kommunikation mitverfolgen.

Über neun Jahre Haft in ähnlichem Fall

In einem ersten Encrochat-Prozess vor dem Landgericht wurden am 2. Juli dieses Jahres wegen Drogenhandels und Waffenbesitzes zwei Männer zu Haftstrafen von neun Jahre beziehungsweise sieben Jahren und zwei Monaten verurteilt.

MDR/Annette Schneider-Solis, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Juli 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

DanielSBK vor 8 Wochen

Ich ebenfalls!

Es ist immer gut, wenn solche Berufsverbrecher Dingfest gemacht werden und im Endeffekt auf ihre Strafe für ihre Taten bekommen!

Allerdings finde ich die Bezeichnung "Whatsapp für Kriminelle" auch wieder sehr naiv und unpassend... das zeugt eigentlich nur wieder von der ganzen IT-Ahnungslosigkeit die hinter solchen Aussagen steckt. Ist das eigentlich Absicht oder schon Vorsatz?! Oder doch alles "Neuland" - so wie bei der Zerbster Statdverwaltung? Und wie geschrieben, waren es nicht die deutschen Ermittler, die den Cryptochat mittels Schadsoftware erfolgreich infiltriert haben...

Internethashtags kann jeder 12-jährige posten und eine Internet Aktivistengruppe auf den "Sozialen Netzwerken" für irgend ein belangloses Thema XY eröffnen - aber ernsthafte Technik und IT .... wenn Europol nicht gewesen wäre, würden diese Kriminellen noch heute fröhlich weitermachen.

Kein Ruhmesblatt für die dt. Justiz!

DanielSBK vor 8 Wochen

EncroChat wurde von Europol entschlüsselt - nicht von der deutschen Polizei.

Hier war mal wieder "Kommissar Zufall" der entscheidende Faktor und Europol hat die Nutzerdaten an die deutsche Polizei lediglich weitergereicht.

"Erfolg" für das deutsche LKA, BKA oder "Cyberwache" = Null.

Denkschnecke vor 8 Wochen

Jedenfalls bin ich froh, dass die beiden Angeklagten so gefunden und der Justiz zugeführt wurden.

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