Gestiegene Preise Energieeffizienz: Nachfrage nach Beratung hoch

Die Energiekosten steigen – viele Menschen in Sachsen-Anhalt fragen sich daher, wie sie Geld einsparen können. Das bemerkt auch die Landesenergieagentur. Hier haben sich die Anfragen seit Ende 2021 vervierfacht.

Eine Frau öffnet ein Fenster zum Lüften.
Im Sommer sollte man möglichst abends lüften – oder nachts. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Wie kann man bei sich zu Hause Energie einsparen – bei dieser Frage holen sich die Sachsen-Anhalt vermehrt Hilfe bei der Landesenergieagentur. Angesichts der steigenden Energiepreise haben sich die Anfragen dort seit Ende vergangenen Jahres ungefähr vervierfacht. Geschäftsführer Marko Mühlstein sagte, dabei gehe es vor allem ums richtige Heizen und Lüften. Aber auch das Interesse an sogenannten Balkonkraftwerken sei groß.

Das ist ein Balkonkraftwerk

Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Solaranlage. Sie speist den Strom über die heimische Steckdose direkt ein. Der Strom wird dann direkt verbraucht, speichern kann man ihn nicht.

Elektrogeräte teils 50 Jahre alt

Aus Sicht von Mühlstein lohnt es sich bereits, wenn man die Heizung leicht herunterregelt – oder alte und ineffiziente Haushaltsgeräte austauscht. "Wir haben festgestellt, dass teilweise noch Geräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke in Sachsen-Anhalt in Betrieb sind, die über 50 Jahre alt sind. Das haben wir nachgemessen und einen Einspareffekt von über 80 Prozent nachweisen können", sagte Mühlstein. Es müsse auch nicht das "absolute High-End-Produkt" sein, das viel Geld koste. Es reicht auch ein technisch vernünftiges Gerät mit einer guten Energieeffizienzklasse.

Tipps zum Energiesparen: Heizen, Lüften

– Mehrfach täglich für jeweils 5 bis 10 Minuten mit Durchzug lüften, kein Dauerlüften auf Kippstellung in der kalten Jahreszeit
– Thermostatventile am Heizkörper während des Lüftens schließen
– Heizkörper möglichst frei halten
– Temperaturempfehlungen für die einzelnen Räume: Wohn- und Arbeitsräume: 20 Grad, Küche: 18 Grad, Toilette: 16 Grad, Schlafzimmer: 17 Grad. Bei längerer Abwesenheit wie dem Winterurlaub sind 12 bis 15 Grad ausreichend
– Heizkörper entlüften
– Im Winter gerade nachts Gardinen, Roll- und Fensterläden schließen
– Fenster und Türen gut abdichten
– Im Sommer Fenster tagsüber möglichst schließen, Außenjalousien nutzen, abends und nachts lüften
– Klimaanlagen vermeiden – Nutzung nur über 26 Grad Raumtemperatur

Quelle: Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt

Tipps zum Energiesparen: Beleuchtung

– Indirekte Beleuchtungen vermeiden, natürliches Sonnenlicht nutzen
– Licht ausschalten, wenn man den Raum verlässt
– Klassische Glühlampen möglichst durch LED-Lampen ersetzen

Quelle: Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt

Tipps zum Energiesparen: Waschen, Trocknen, Hygiene

– Bei normal verschmutzter Wäsche reicht eine Wassertemperatur von 30° aus. Im Vergleich zu einer 60°C-Wäsche werden bei 30 Grad zirka 30 Prozent Energie eingespart
– Fassungsvermögen der Waschmaschine voll ausnutzen, kein Vorwaschgang
– Wäsche am besten auf der Leine trocknen. Falls doch mit Wäschetrockner getrocknet wird, Wäsche vorher gut schleudern
– Zum Händewaschen so oft wie möglich kaltes Wasser nutzen, das ist laut Landesenergieagentur nicht weniger hygienisch
– Durchlauferhitzer nachts und an Ruhetagen abschalten. Maximale Warmwassertemperatur am Durchlauferhitzer auf 40 Grad Celsius begrenzen
– Duschen statt Baden, Sparbrausen nutzen

Quelle: Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt

Tipps zum Energiesparen: Küche

– Geschirrspüler spart Wasser, Gerät möglichst voll beladen, Geschirr nicht vorspülen
– Viele Geschirrspüler lassen sich direkt an den Warmwasserhahn anschließen, so muss das kalte Wasser nicht noch erst elektrisch erhitzt werden
– Kühlschrank nicht lang offenhalten, keine warmen Speisen hineinstellen
– Kühschrank möglichst nicht neben Heizung oder Ofen stellen, Rückwand freilassen – zudem regelmäßig abtauen
– Bei langem Urlaub Kühlschrank ausschalten oder auf kleinster Stufe laufen lassen
– Beim Kochen nur so viel Wasser erhitzen, wie man braucht. Im Wasserkocher lässt sich Wasser günstiger erwärmen als auf dem Herd.
– Töpfe der Größe der Kochplatten anpassen, Deckel nutzen
– Auf das vorgegebene Vorheizen des Ofens kann heutzutage verzichtet werden

Quelle: Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt

Tipps zum Energiesparen: Fahrzeuge

– Bei möglichst geringer Drehzahl und vorausschauend fahren
– Reifendruck regelmäßig kontrollieren
– Keine unnötige Dinge im Auto umherfahren
– Motor bei Stopps über 20 Sekunden abschalten
– Vermeiden Sie Kurzstreckenfahrten, denn der Kraftstoffverbrauch ist in den ersten Kilometern nach einem Kaltstart am höchsten
– Fahrgemeinschaften nutzen, keine Kurzstreckenfahrten unternehmen

Quelle: Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt

Tipps zum Energiesparen: Elektrogeräte

– Auf Energieeffizienzklasse achten
– Abschaltbare Mehrfach-Steckerleisten nutzen
– Monitor ausschalten, zum Feierabend komplett vom Netz nehmen
– Automatische Energieverwaltung nutzen, um PC nach 15-minütiger Nichtbenutzung in den Ruhezustand zu bringen
– Nicht genutzte Netzteile und Ladekabel vom Stromnetz trennen
– Standby vermeiden – der Verbrauch der einzelnen Geräte summiert sich schnell
– Vor dem Urlaub alle unnötigen Geräte vom Netz nehmen

Quelle: Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt

Städte und Gemeinden lassen sich schulen

Ein alter Kühlschrank steht auf einer Straße.
Einige Sachsen-Anhalter haben zum Teil noch sehr alte Geräte bei sich zu Hause. (Archivbild) Bildrechte: imago/Stefan Zeitz

Für Kommunen gebe es mit dem Energiemanagementsystem einen "kostenfreien digitalen Werkzeugkasten", sagte Mühlstein. Damit könnten Kommunen nachweislich bis zu 20 Prozent an Energie sparen. Mit dem Online-Tool könnten alle Energieverbraucher in den Liegenschaften erfasst und die größten Ausgaben herausfiltert werden. "Austauschbar ist beispielsweise eine alte Heizungspumpe", so Mühlstein. Mit einer elektronisch gesteuerten Heizungspumpe könnten etwa 80 Prozent des Stromverbrauchs gespart werden.

Zudem fehle bei vielen Hausmeistern im Land das nötige Energiefachwissen. "Das ist ein strukturelles Defizit und da gibt es ein enormes Potenzial", so der Geschäftsführer. Angebotene Schulungen in dem Bereich seien sehr gut besucht. "Die Kommunen laufen uns hier die Türen ein", sagte Mühlstein.

dpa, MDR (Kalina Bunk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Juli 2022 | 13:00 Uhr

1 Kommentar

Uborner vor 28 Wochen

In meinem nächsten Leben werde ich auch Berater, das ist der beste Job der Welt, alles wissen aber nichts machen und nichts verantworten. Super.

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