Traditions-Betrieb in Magdeburg Stellenstreichung nach FAM-Verkauf: Gewerkschaft hofft auf Intel

Mit der Übernahme des Magdeburger Anlagenbauers FAM durch die Beumer-Gruppe sollen 300 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Gewerkschaft IG Metall setzt in dem Fall auf die bevorstehende Ansiedlung des Chipherstellers Intel, auch wenn die Produktion dort erst in fünf Jahren beginnt.

Ein Verwaltungsgebäude des Anlagenbauers FAM.
In Magdeburg sollen bei Anlagenbauer FAM mehrere Hundert Stellen wegfallen. Bildrechte: dpa

Nach dem Stellenabbau beim Magdeburger Anlagenbauer FAM ruhen die Hoffnungen der IG Metall unter anderem auf Intel. Gewerkschafts-Geschäftsführer Axel Weber sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag, die bevorstehende Ansiedlung des Chipherstellers sei natürlich ein großer Hoffnungsschimmer für die Region. Allerdings beginne der Bau erst kommendes Jahr und die Produktion erst 2027.

Weber kündigte ein Treffen der IG Metall mit der Geschäftsleitung von Intel in der nächsten Zeit an, bei der er hoffentlich mehr erfahren werde: "Das wird sicherlich noch mal ein richtiges Zugpferd werden, auch für weitere Ansiedlungen, Zulieferer für Intel und so weiter, sodass ich also perspektivisch für Magdeburg denke, dass sich der Arbeitsmarkt zugunsten der Arbeitnehmer verändern wird."

Arbeitsmarkt verbessert – Chancen für FAM-Beschäftigte

Für die bei FAM entlassenen Mitarbeiter hofft Weber, dass sie über die Transfer-Gesellschaft, in die sie übergangsweise wechseln, einen neuen Job finden. Der Arbeitsmarkt in Magdeburg habe sich bereits verbessert. Einige Unternehmen hätten bereits angefragt, ob sie Fachkräfte von FAM übernehmen könnten: "Insofern hoffe ich, dass viele Kolleginnen und Kollegen, die jetzt hier ihren Job verlieren, baldmöglichst auch in guten Arbeitsbedingungen wieder untergebracht werden können."

Ähnlich äußerte sich die neue Wirtschafts-Staatssekretärin Stefanie Pötzsch. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag, der Arbeitsmarkt sei ein anderer als vor zehn oder 20 Jahren. Insofern sehe sie gute Chancen für die bisherigen Beschäftigten von FAM, wieder aufgenommen zu werden, nicht nur durch die Großinvestition von Intel: "Aber es ist natürlich trotzdem schade für Magdeburg, dass so ein großes Unternehmen die Türen zuschließt."

Am Dienstagmittag war das Personal von FAM auf einer Versammlung darüber informiert worden, dass von derzeit noch 500 Jobs rund 180 erhalten bleiben sollen. Zuvor war der Traditions-Betrieb von der Beumer-Gruppe aus Nordrhein-Westfalen übernommen worden. Die Geschäftsführung von FAM wollte sich dazu auf MDR-Nachfrage nicht äußern. IG-Metall-Geschäftsführer Weber sprach von einem traurigen Tag. Viele Kollegen hätten 20 Jahre oder länger bei FAM gearbeitet.

Gewerkschaft auch in Sorge um weitere Stellen

Der Gewerkschafter äußerte sich auch besorgt um weitere Jobs bei dem Anlagenbauer. Der neue Investor habe denjenigen, die nach dem jetzigen Verkauf bleiben dürften, mitgeteilt, dass man mittelfristig denke: "Es ist also keine Garantie für ewig, hier weiter beschäftigt zu sein. Insofern bleiben wir weiter wachsam. Der Betriebsrat wird sehr darauf achten, dass hier eine langfristige Zukunft entsteht." Verständnis für den neuen Investor in diesem Zusammenhang kam von Wirtschafts-Staatssekretärin Pötzsch. Die geopolitische Lage sei bei den Groß-Anlagenbauern extrem wichtig. Da könne man aktuell nicht sehr weit in die Zukunft schauen.

IG-Metall-Geschäftsführer Weber nannte den neuen Investor Beumer einen tarifgebundenen Arbeitgeber, der mit Betriebsrat und Gewerkschaften bereits zu tun gehabt habe: "Insofern hoffe ich, dass wir hier dann auch tatsächlich einen strategischen Unternehmer haben, der langfristig plant, der den Standort langfristig erhalten will und möglichst auch Arbeitsplätze wieder aufbaut."

FAM war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Grund waren unter anderem Schwierigkeiten beim Russland-Geschäft.

MDR (Jens Keller, Christoph Dziedo, Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Mai 2022 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

wer auch immer vor 46 Wochen

Bei Intel werden nur studierte Mitarbeiter, Ingenieure usw. in der Fertigung tätig sein.
Vielleicht gibt es Mechatroniker für die Anlagen. Aber sonst, Schlosser, Dreher, Schweißer, bestimmt kein Bedarf.
Die Klo - und Putzfrauen, wichtige Mitarbeiter, werden wohl die einzigen Mitarbeiter ohne Studium sein.
Aber die Hoffnung stirbt zu Letzt.

pwsksk vor 46 Wochen

Ich habe aber erlebt, das selbst die Klo- und Putzfrauen seit Jahren nur noch outgesourset werden.
Also lassen wir uns überraschen.

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