Überblick Kulturhauptstadt: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Magdeburg wollte im Jahr 2025 als "Kulturhauptstadt Europas" für sich werben. Am Ende hat Chemnitz das Rennen gemacht. Magdeburg hatte seit 2011 auf die Bewwerbung hingearbeitet. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen und Antworten.


Was bedeutet es, Europas Kulturhauptstadt zu sein?

Die Europäische Union vergibt den Titel seit 1985, auch einige deutsche Städte haben ihn schon getragen (West-Berlin im Jahr 1988, Weimar im Jahr 1999 und Essen im Jahr 2010). Die Initiative soll den Reichtum und die Vielfalt der Kulturen in Europa zeigen. Außerdem soll das "Wir"-Gefühl in der EU gestärkt und die Entwicklung von Städten unterstützt werden. In den Kulturhauptstädten gibt es im Titeljahr viele verschiedene kulturelle Veranstaltungen, die Städte hoffen auf Aufmerksamkeit und zahlreiche Besucher.

Der Titel wird nach Angaben des Magdeburger Kulturhauptstadt-Büros nicht für das verliehen, was bereits vorhanden ist – wie etwa ein historisches Stadtzentrum oder besondere Kultureinrichtungen. Es handele sich vielmehr um eine Art Stipendium, um die Stadt kreativ und nachhaltig zu entwickeln.


Wie lief das Auswahlverfahren ab?

Offizieller Startschuss für die Bewerbungsphase war im September 2018. Im September 2019 wurden die ersten Bewerbungsbücher eingereicht. Auf insgesamt 60 Seiten hielt das Team des Bewerbungsbüros seine Vision für das Magdeburg der Zukunft fest. Das Motto: "Out of the Void – Raus aus der Leere".

Im Dezember 2019 dann die erste Entscheidung: Eine von der EU eingesetzte, unabhängige Expertenjury prüfte die eingereichten Bücher. Neben Magdeburg schafften es auch Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Nürnberg in die engere Auswahl. Die verbliebenen Kandidaten sollen ihr Konzept im Anschluss konkretisieren und verbessern.

Ende September 2020 wurde ein zweites Bewerbungsbuch unter dem Motto "Force of Attraction – Anziehungskraft" eingereicht. Am 28. Oktober 2020 ist die endgültige Entscheidung gefallen: Chemnitz das das Rennen gemacht.


Wer hatte sich noch beworben?

Neben Deutschland stellt Slowenien 2025 die zweite Kulturhauptstadt Europas. Für Deutschland waren neben Magdeburg auch Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Nürnberg. Magdeburg musste sich mit den anderen deutschen Städten messen, nicht aber mit der slowenischen. Zittau, Gera und Dresden sind im deutschen Vorentscheid ausgeschieden. Chemnitz hat den Zuschlag von der Jury bekommen und soll 2025 Kulturhauptstadt sein.


Mit welchen Themen wollte Magdeburg überzeugen?

Die Stadt hat sich mit dem Leitgedanken "Verantwortung" um den Titel beworben. Darunter waren nach Angaben des Kulturhauptstadt-Büros mehrere Themen zusammengefasst, die die Stadt immer wieder bewegen. Es ging etwa um Zerstörung, die Digitalisierung, das industrielle Erbe und innovative Industrie; außerdem um die Vielfalt von Gesellschaft und Natur.


Wie konnte man sich beteiligen?

Im Frühjahr 2020 hatten kreative Projekte in Magdeburg finanzielle Unterstützung zugesagt bekommen. Bei einem Wettbewerb wurden aus rund 120 Bewerbungen insgesamt 20 Aktionen an 20 Orten ausgewählt. Für jede einzelne gibt es 250 Euro.

Zuvor waren die Magdeburger bspw. im September 2018 dazu aufgerufen, sich in die Bewerbung einzubringen. Es ging darum, Ideen zu entwickeln, die die Bewerbung um den Titel stärken. Knapp 110 Förderanträge wurden eingereicht, 13 Projekte für das Jahr 2019 ausgewählt. Insgesamt gab es für die freie Szene mit 75.000 Euro.

Als Informationszentrum diente der KUBUS in der Innenstadt, am Kloster Unser Lieben Frauen. Dort hatte es regelmäßig Vorträge, zudem einmal pro Monat Kulturgespräche zu unterschiedlichen Themen gegeben.


Wie viel hat die Bewerbung gekostet?

In die Bewerbung sollten bis 2020 rund 2,9 Millionen Euro aus städtischen Mitteln fließen. Hätte Magdeburg den Zuschlag erhalten, wäre deutlich mehr Geld eingeplant worden: etwa 60 Millionen Euro.

Der Stadtrat hatte im November 2018 beschlossen, dass von 2021 bis 2026 20 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt bereitgestellt werden sollten. Das Geld sollte für die Vorbereitung und die Umsetzung des Kulturhauptstadtjahres genutzt werden. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hoffte außerdem auf 20 Millionen Euro vom Land. Weitere 20 Millionen Euro sollten über Bundes- und Drittmittel sowie Sponsoring zusammenkommen.

Der Titel selbst ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert, die Magdeburg für die Umsetzung von Kulturhauptstadt-Projekten von der EU erhalten hätte.

Quelle: MDR/kb,jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 28. Oktober 2020 | 13:23 Uhr

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