Chip-Gigant mit neuem Standort Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Intel in Magdeburg

Magdeburg soll Standort der neuen Giga-Fabrik des Chipherstellers Intel werden. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen zur Ansiedlung am Gewerbegebiet Eulenberg – zu Stellenangeboten, Baubeginn, Intercity-Verbindung aber auch zur Kritik an dem Halbleiter-Werk.

Illustration - geplantes Werksgebäude von Intel.
Magdeburg wird neuer Intel-Standort in Deutschland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist die größte Firmen-Ansiedlung Sachsen-Anhalts seit der Wende: Die Landeshauptstadt Magdeburg soll Standort für die neue Giga-Fabrik von Intel werden. Das hat Geschäftsführer Pat Gelsinger im März 2022 mitgeteilt. Langfristig sollen die zwei Fabriken demnach zu einer "Mega-Fabrik" mit bis zu acht zusammenhängenden Werken ausgebaut werden.

Wann ist Baubeginn der Intel-Fabrik am Standort Eulenberg?

Anfang Januar 2023 haben die archäologischen Untersuchungen auf der Fläche begonnen, in den kommenden Monaten soll unter anderem eine Stromleitung verlegt werden. Ursprünglich war der Baubeginn der Chip-Fabrik für das erste Halbjahr 2023 vorgesehen. Allerdings drohen der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise diesen Zeitplan durcheinanderzubringen. Mitte Januar 2023 hat Intel-Vorstand Keyvan Esfarjani in einem Interview mit "Zeit Online" gesagt, man habe nun das Jahr 2023 für Genehmigungen eingeplant und "vielleicht etwa 2024 für den Start der Bauarbeiten".

Zuletzt hatte der Chiphersteller die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Magdeburg in den Fokus gerückt. Das Problem seien die derzeit hohen Energiepreise in Deutschland. "Deutschland hat seine eigenen Experten dafür, die wissen, wie man die Energiepreise wieder auf unter 6 bis 8 Cent bekommt. Ich kann nur sagen: Eine Chip-Fabrik mit Strompreisen von 50 Cent (je Kilowattstunde, Anm. d. Red.) ist definitiv nicht wettbewerbsfähig", so Intel-Chef Esfarjani.

Wie viele Arbeitsplätze werden mit dem Intel-Werk entstehen?

Die Dimensionen der geplanten sogenannten Giga-Fabrik sind enorm: Intel-Chef Gelsinger spricht von rund 10.000 neuen Jobs, die rund um den riesigen Fabrik-Komplex entstehen sollen. Die Investitionssumme liegt nach Angaben von Intel europaweit bei insgesamt 80 Milliarden Euro, in Magdeburg sollen 17 Milliarden Euro investiert werden (Stand: März 2022). Die ursprüngliche Kalkulation für den Intel-Standort in Magdeburg ist aber inzwischen durch gestiegene Materialkosten sicherlich überholt. Zum Vergleich: Für die neue Tesla-Fabrik in Brandenburg war mit rund 5,8 Milliarden Euro nur ein Bruchteil der Investitionssumme veranschlagt.

#MDRklärt Daher kommt der Begriff Giga-Fabrik

Der Chip-Fabrikant Intel plant, in Magdeburg eine Giga-Fabrik zu bauen. Woher dieser seltsame Name stammt, zeigt #MDRklärt.

Daher kommt der Begriff Giga-Fabrik
Bildrechte: IMAGO
Daher kommt der Begriff Giga-Fabrik
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Magdeburg hat gute Chancen, Standort der neuen Giga-Fabrik des Chip-Riesen Intel zu werden.
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Erfunden hat den Begriff "Giga-Fabrik" Elon Musk für seine Batteriefabrik in Nevada. (tesla + bild)  Der Name hat hier zweierlei Bedeutung:
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Giga bedeutet riesig. Nach Angaben von Tesla soll die Fabrik in Nevada die größte der Welt werden. Auch Intel bekäme in Magdeburg eine Fläche von 380 Hektar bereitgestellt.
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Giga steht bei Tesla auch für die Einheit Gigawattstunden. Denn Tesla muss für den Speicher der Fahrzeuge viel Strom produzieren.  (Vergleich: Keine Kilo- oder Megawattstunden, sondern Gigawattstunden.) Bei Intel ginge es dann aber eher um Gigabyte – die Speicherkapazität von Daten.
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
MDR (Maximilian Fürstenberg) Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Gibt es schon Stellenangebote für die Chip-Fabrik von Intel?

Intel sucht aktuell über sein Job-Portal noch keine Mitarbeiter für den Standort Magdeburg. Allerdings kann man sich online registrieren und wird benachrichtigt, sobald Stellenangebote freigeschaltet werden, heißt es auf der Website von Intel.

Wo ist der Standort der neuen Intel-Chip-Fabrik?

Magdeburg ist mit dem Industriegebiet "Eulenberg" südlich der Autobahn 14 in die Verhandlungen gegangen und konnte sich damit durchsetzen. Dort haben auch schon erste vorbereitende Baumaßnahmen begonnen. Von der geplanten Ansiedlung erhoffen sich auch umliegende Orte Vorteile. Die Stadt Gommern im Jerichower Land etwa will den Industriepark an der B 184 bei Karith erweitern. Die Flächen des Industrieparks sollen um rund sieben Hektar vergrößert werden.

Bestenfalls siedelten sich an der Ortsumfahrung zwischen Gommern und Karith Zulieferbetriebe für Intel an, so Bürgermeister Jens Hünerbein zu MDR SACHSEN-ANHALT. Ob der Industriepark aber tatsächlich erweitert wird, entscheidet Ende Februar der Stadtrat. Erste Anfragen von Unternehmen hat es nach Aussagen des Bürgermeisters bereits gegeben.

Bekommt Magdeburg mit der Intel-Fabrik auch eine ICE-Verbindung?

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte nach Bekanntwerden der Ansiedlungs-Pläne eine bessere ICE-Anbindung der Landeshauptstadt gefordert. "Die Bundesregierung steht hinter diesem europäischen Investment", sagte der CDU-Politiker, demzufolge müsse sich die Deutsche Bahn "auch eintakten lassen in dieses Gesamt-Geschehen". Haseloff sagte weiter: "Davon gehen wir aus, das ist besprochen mit dem Bund, und das muss uns gelingen."

Allerdings scheint die Umsetzung dieser Forderung Schwierigkeiten zu bereiten. Im für 2030 geplanten Deutschland-Takt sind für Magdeburg zweierlei Verbindungen im Fernverkehr geplant: nach Berlin sowie zwischen Bremen und Chemnitz. Allerdings sieht der Entwurf dabei keine ICE-Hochgeschwindigkeitszüge vor. 

Im Fernverkehr ist Magdeburg überwiegend per Intercity erreichbar. Seit vielen Jahren gibt es Forderungen nach schnelleren Verbindungen.

Wieso will Intel in Magdeburg eine neue Chip-Fabrik bauen?

Pläne für die neue Fabrik gibt es seit dem Frühjahr 2021. Damals hatte Intel-Chef Gelsinger bereits Gespräche mit europäischen Staatschefs über mögliche Investitionen geführt. Hintergrund ist, dass Intel in Europa ein Gegengewicht zu seinen Standorten in den USA und Asien schaffen möchte. Die internationalen Probleme bei Zulieferung und Logistik berühren auch den Chiphersteller. Intel möchte seine Präsenz in Europa daher ausbauen und plant, verschiedene Standorte in Betrieb zu nehmen, die unterschiedliche Ausrichtungen haben.

Welche Kritik gibt es an der Intel-Ansiedlung in Magdeburg?

Für das neue Intel-Werk werden große landwirtschaftliche Flächen versiegelt. Klar, dass das für Protest von Umweltschützern sorgt. Dazu ist absehbar, dass für die spätere Produktion große Mengen Wasser benötigt werden. Unternehmenssprecherin Monika Lischke verwies im April 2022 im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT darauf, dass es ein Boden-Verwertungs-Konzept gebe. Dafür sei man auch mit dem Bauernverband im Gespräch.

Unternehmenssprecherin Lischke wies damals auch auf die Nachhaltigkeits-Ziele hin, die der Konzern bis 2030 erfüllen will. Demnach strebt das Unternehmen einen "Energieverbrauch zu hundert Prozent aus grünem Strom" sowie einen "positiven Wasserverbrauch" an.

Wo gibt es News und Updates zur Chip-Fabrik von Intel in Magdeburg?

Auf unserer regelmäßig aktualisierten Übersichts-Seite finden Sie alle relevanten Informationen und Hintergründe zur Intel-Ansiedlung in Magdeburg.

MDR SACHSEN-ANHALT | Zuerst veröffentlicht am 22. Februar 2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Januar 2023 | 19:00 Uhr

20 Kommentare

Machdeburjer vor 49 Wochen

Ok, also alle Investoren Absagen, die Leute weg ziehen lassen und den Laden dicht machen.
Danke, für die interessante Konversation.
Hat dir ein Magdeburger mal die Frau geklaut?
Ich muss lachen sorry 😁
Hau rein Brian

Magdeburger Domspatz vor 49 Wochen

Du schreibst doch hier nur um zu stänkern. Das hast du doch hier schon bei deiner ersten Post gezeigt. Dass der MDR dass hier radiert hat, war nur folgerichtig!
Und warum sollte sich Magdeburg nur von einer Firma abhängig machen? Das waren und sind sie doch jetzt auch nicht! Magdeburg hat einfach seine Hausaufgaben gemacht. Es gibt in Deutschland zurzeit kein Gewerbegrundstück, das zusammenhängend diese Größe aufweist. An den Hochschulen lernen tausend Studierende etwas mit Informationstechnologie.

faultier vor 49 Wochen

Richtig ,auch unser Gewerk spürt die Chipkrise ,eine strategisch völlig richtige Entscheidung ,weg von china was daraus geworden ist alles auszulagern merkt doch jetzt jeder und Magdeburg ist der Gewinner ,endlich mal alles gut gelaufen.

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