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Junge Menschen in der äthiopoischen Provinz Afar befüllen an einem von Unicef errichteten Brunnen Wasserkanister. Das körperlich anstrengende Wasserholen ist meist Aufgabe der Frauen und Kinder. Nicht selten sind sie 20 Kilometer mit den schweren Kanistern unterwegs. Bildrechte: dpa

Magdeburgerin sammelt für Brunnen"Ich wollte etwas abgeben von dem, was mir gegeben wurde"

von Sören Thümler, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 11. Dezember 2021, 13:24 Uhr

Die Zahl der in Armut lebenden Kinder hat sich während der Corona-Pandemie weltweit weiter erhöht. Bereits vor der Pandemie hatten nach Angaben von Unicef eine Milliarde Kinder weltweit keinen ausreichenden Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Ernährung und sauberem Wasser. In Magdeburg hat sich eine Unternehmerin das Thema "Zugang zu Trinkwasser" zur Lebensaufgabe gemacht. Almasija Heße hat bereits acht Brunnen in Afrika finanziert.

Im Frisörsalon von Almasija Heße wird man sofort auf das Thema Unicef aufmerksam. An den Wänden sieht man die Spendenurkunden und auch Fotos von bereits gebauten Brunnen. Beim Thema Trinkgeld wird man auf die Spendenbox aufmerksam gemacht. Zum ersten Brunnen aus dem Jahr 2013 kamen noch sieben weitere dazu. Inzwischen bezeichnet sie es als ihre Lebensaufgabe.

Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen

Seit 1946 gibt es UNICEF. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum. "Die Hoffnung der Welt richtet sich auf die kommenden Generationen", heißt es in der Gründungserklärung vom 11. Dezember 1946. Und auch heute noch sind Spenden für Kinder in vielen Regionen der Welt überlebenswichtig.

Der achte Brunnen kann gebaut werden: Almasija Heße und Professorin Gudrun Goes von der Unicef-Arbeitsgruppe Magdeburg. Bildrechte: Almasija Heße

Erfahrungen in Deutschland haben sie geprägt

Vor 31 Jahren kam die Leichtathletik-Trainerin aus Tatarstan, das im östlichen Teil der russischen Föderation liegt, nach Deutschland. Hier machte sie sich selbstständig und führt nun seit 25 Jahren ihren eigenen Salon. Nachdem Sohn Paul aus dem Haus war, machte sie sich Gedanken: "Ich wollte tatsächlich etwas abgeben von dem, was mir auch in den vielen Jahren in Deutschland gegeben wurde. Ich habe gelernt, wenn du dich den Menschen hier öffnest, dann geben sie dir auch etwas zurück." Und so ist das Projekt für die Brunnen mit der Unterstützung der Kundinnen und Kunden und auch vieler Sponsoren gewachsen.

Trinkwasser-Zugang seit ihrer Kindheit ein Thema

Damals in Tatarstan in der Nähe von dessen Hauptstadt Kasan musste sie als Kind auch das Trinkwasser aus einem Brunnen holen. Gerade im Winter war das eine ganz prägende Erfahrung. Bei den Erinnerungen daran wirkt Heße nachdenklich. "Es gab keine Wasserleitungen, ich habe bei minus 30 Grad Eimer geschleppt, zum Himmel geschaut und Gott nach dem Warum gefragt", erinnert sich die 1967 geborene Unternehmerin. Vor mehr als acht Jahren gab es dann den Kontakt zur Unicef-Gruppe in Magdeburg. "Ich wollte ein eigenes Spendenkonto, mit dem ich für einen Brunnen, der 6.200 Euro kostet, Geld sammeln kann. Es war mir und den Kunden, deren Trinkgeld den Großteil ausmacht, wichtig zu erfahren, was mit dem Geld passiert", beschreibt Almasija Heße die Anfänge.

Almasija Heße mit ihrer Auszubildenden Mheret Goytom, für die sie mehr als nur eine Chefin ist. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Auszubildende aus Eritrea: Schicksal oder Zufall?

Nun sind mit der Unterstützung vieler Sponsoren acht Brunnen in Äthiopien und Eritrea entstanden. Dann passierte vor vier Jahren noch das: Ihre Auszubildende kommt aus Eritrea. Die inzwischen 26-jährige Mheret Goytom kam 2017 als Geflüchtete nach Deutschland und wollte Friseurin werden. Almasija Heße meint: "Ich nenne es Schicksal. Ihre Familie lebt inzwischen in Äthiopien. Sie und ihre Geschichte bestätigen mir immer wieder, wie wichtig die Arbeit von Unicef vor Ort ist." 

Nordostafrika: Dürre, Hunger, Krieg

Nach einem Luftangriff auf die Hauptstadt der Region Tigray im Norden Äthiopiens Bildrechte: dpa

In der Region in Nordostafrika sind rund sechs Millionen Kinder von den Folgen der Dürre bedroht, nur 41 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser. Momentan spitzt sich der Bürgerkrieg in Äthiopien weiter zu. Hunderttausende Menschen sind im Norden von Hunger betroffen. Mheret hat schon seit fünf Monaten keine Nachrichten mehr von ihrer Familie bekommen. Almasija Heße ist für sie nach eigenen Aussagen nun Chefin, Mama und Freundin zugleich.

Unicef: Weitere 100 Millionen Kinder durch Pandemie in Armut

Die Corona-Pandemie hat nach Angaben von Unicef weltweit weitere 100 Millionen Kinder in Armut gestürzt. Das Kinderhilfswerk erklärte, das sei ein Anstieg von zehn Prozent seit 2019. Bereits vor der Pandemie hätten eine Milliarde Kinder weltweit nicht ausreichend Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Ernährung und sauberem Wasser gehabt. Unicef verlangt entschlossenes Gegensteuern der Regierungen und der Weltgemeinschaft.

Trotz Pandemie klappt es mit Brunnen Nummer acht

Eigentlich hatte sich Almasija Heße zum Ziel gesetzt, jedes Jahr einen Brunnen für 6.200 Euro zu finanzieren. Dann kam die Pandemie und auch ihr Salon war geschlossen. Die Spende für Brunnen Nummer acht war also in Gefahr. Aber Freunde, Kundinnen und Kunden ermutigten sie, trotzdem weiterzumachen. Eine Unternehmerin kam zudem auf sie zu und ließ einfach mal so eine Spende von 1.000 Euro da. Auch mit dieser Unterstützung konnte dann auch in diesem Jahr der Spendenscheck für einen weiteren Brunnen übergeben werden.

Auch in diesem Jahr konnte trotz Pandemie und Lockdown ein Spendenscheck für das Unicef-Projekt ausgestellt werden. Bildrechte: Almasija Heße

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Situation von Kinder in der Pandemie

Wasser weltweit und hierzulande

MDR (Susanne Ahrens)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 11. Dezember 2021 | 15:37 Uhr

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