Uniklinikum und Klinikum Gespräche für Magdeburger Großkrankenhaus: Erstes Problem offenbar gelöst

Zwischen Klinikum Magdeburg und Uniklinikum ist mittlerweile offenbar klar, wie künftige Verhandlungen über eine Fusion geführt werden sollen. Der Prozess hatte zuletzt gleich mehrfach gestockt. Ende April sollen nun beide Aufsichtsräte über einen aktuellen Vertragsentwurf beraten. Derweil wurde am Uniklinikum ein erster Ausblick auf künftige Digitalisierungskonzepte gegeben.

Der Morgen bricht über den Gebäuden vom Klinikum Magdeburg an.
Das Klinikum Magdeburg bespricht derzeit mit dem lokalen Uniklinikum eine mögliche Fusion. Bildrechte: dpa

  • Die Gespräche gestalten sich komplex, auch weil universitäre Interessen berücksichtigt werden müssen – für Letzteres gibt es offenbar eine Lösung.
  • Neben Abstimmungsfragen hatten zuletzt auch Verzögerungen, eine verschärfte Konkurrenz und widersprüchliche Darstellungen zu einem Vertragsentwurf für Unruhe gesorgt.
  • Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper hält den bisherigen Zeitplan für nicht mehr realistisch, den Sinn der Gespräche unterstreichen alle Beteiligten aber weiterhin.

Die Fusionsgespräche zwischen dem Klinikum Magdeburg und dem Uniklinikum Magdeburg sind weiter als bislang bekannt. So sollen zuletzt öffentlich gewordene Abstimmungsprobleme zwischen den Beteiligten bereits gelöst sein. Das geht aus einer Antwort des Klinikums an MDR SACHSEN-ANHALT hervor.

Festgehalten ist all das im neuen Entwurf eines Grundlagenvertrags, über den allerdings erst noch die jeweiligen Aufsichtsräte von Klinikum und Uniklinikum beraten müssen. Auf seiner Basis sollen dann weitere Verhandlungen geführt werden.

Komplexe Ausgangslage

Strittig war bislang, inwiefern die Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität in die Gespräche einbezogen sei. Die Fakultät ist am Uniklinikum für Forschung und Lehre verantwortlich. Sowohl der Vorstand des städtischen Klinikums als auch Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hatten angemahnt, man brauche für die Verhandlungen "einen Ansprechpartner" statt mehrerer.

Auf Seiten des Uniklinikums hatte es zuvor Verzögerungen gegeben. Die Fakultät sah sich nicht ausreichend einbezogen. Ein erster Entwurf wurde daraufhin überarbeitet und dann Mitte November dem städtischen Klinikum übermittelt. Dieses hat laut Uniklinikum den Entwurf dann allerdings abgelehnt, im Februar verhandelten Uniklinikum, Fakultät und Klinikum erneut. Das dann verfasste Papier liegt seit März vor. 

Wie genau die nun getroffene Regelung zwischen Uniklinikum und Fakultät aussieht, wollte das Uniklinikum mit Verweis auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen noch nicht sagen.

Widersprüchliche Darstellungen über vorherigen Vertragsentwurf

Der MDR hatte Mitte März über die Probleme bei den Gesprächen berichtet. So gab es Widersprüche bei der Bearbeitung des vorherigen Vertragsentwurfs. Ende Dezember 2021 hatte Oberbürgermeister Trümper gesagt, dieser liege "seit mehreren Monaten" unbeantwortet beim Uniklinikum. Dieses hatte die Darstellung auf MDR-Nachfrage zunächst nicht bestritten, nun aber mitgeteilt: Bereits Mitte November habe man den bearbeiteten Entwurf übermittelt.

Das Klinikum Magdeburg konnte auf Anfrage das genaue Eingangsdatum der Version nicht bestätigen: Das sei aufgrund eines Führungswechsels nicht mehr nachvollziehbar, hieß es. Anfang Dezember 2021 wurde die damalige Geschäftsführerin freigestellt, bis Februar wurde der komplette Vorstand neu besetzt.

Warum Klinikum Magdeburg und Uniklinikum über eine Fusion reden Städtisches Klinikum und Uniklinikum kooperieren teilweise schon, sind aber derzeit noch in einem Konkurrenzverhältnis um Patienten und Personal. Beide Krankenhäuser sind sogenannte Maximalversorger, bieten also ein umfassendes Angebot medizinischer Versorgung an. Mindestens sieben Klinikbereiche gelten als besonders konkurrenzbelastet. Langfristig sehen Gutachter keine Überlebenschance für beide Häuser in der jetzigen Form.

Trotz der laufenden Gespräche versuchte man am Uniklinikum offenbar zuletzt, den Wettbewerb zu verschärfen. So soll die Kaufmännische Direktorin im Februar dieses Jahres vor über 100 Oberärztinnen und -ärzten diese dazu aufgefordert haben, Patienten aus dem städtischen Klinikum "wegzuholen".

Auf Nachfrage teilte das Uniklinikum mit, man nehme zu internen Gesprächen nicht Stellung. Es sei aber "allen Beteiligten bewusst", dass sich beide Häuser in einem Wettbewerb befänden. Ähnlich äußerte sich das städtische Klinikum.

Oberbürgermeister Trümper sagte dazu allerdings Mitte März, sollten die Berichte stimmen, "wäre das ein absoluter Vertrauensmissbrauch".

Ursprünglicher Zeitplan nicht mehr einzuhalten

Stadt, Klinikum und Uniklinikum hatten die Bestrebungen für ein Magdeburger "Großkrankenhaus" im Februar 2021 öffentlich gemacht und wollten ursprünglich binnen zweier Jahre alle Fragen geklärt haben. Diese betreffen neben klinischen Abstimmungen auch mögliche Auswirkungen auf die Ausbildungskapazitäten und die Rechtsform des neuen Hauses. Dieser Zeitplan ist laut Lutz Trümper nun nicht mehr einzuhalten.

Das Uniklinikum äußerte sich zum Zeitplan nicht konkret: Man hoffe, "Ende April detaillierter informieren zu können". Dann haben sowohl der Aufsichtsrat des Uniklinikums als auch der des städtischen Klinikums wieder getagt.

Derweil wird es ein von Trümper gefordertes Bekenntnis des Landes zu den Fusionsplänen vorerst nicht geben. Das Wissenschaftsministerium erklärte, für die Begleitung der weiteren Verhandlungen sei zunächst das Gremium zuständig. Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sitzt dem Aufsichtsrat vor, insgesamt stellt die Landesregierung drei Ratsmitglieder.

Digitalisierungsprojekt vorgestellt

Die Fusionsgespräche sind für das Uniklinikum ein Baustein eines großen Umbruchsprozesses. Zu diesem gehört auch der Ausbau der Digitalisierung, etwa durch Telemedizin. Dafür stellt auch das Land mehrere Millionen Euro aus dem Corona-Sondervermögen zur Verfügung.

Ein erstes solches Projekt wurde am Mittwoch vorgestellt: Mit einem mit modernen Gerätschaften ausgestatteten Kleinbus will die Augenklinik der Uni zukünftig Patienten auf dem Land erreichen. Deren digitale Augenscans sollen dann live aus Magdeburg ausgewertet werden. Das würde, so die Hoffnung, lange Anfahrtswege und Wartezeiten in von Ärztemangel geplagten Regionen wie der Altmark überflüssig machen.

Um solche Ideen voll ausnutzen zu können, brauche es aber eine bundesweite Reform der Gesundheitsberufe, hieß es am Rande. Denn aktuell müsste ein Arzt oder eine Ärztin die Geräte bedienen. Die Ersparnis wäre gering.

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MDR (Thomas Vorreyer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 06. April 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

hilflos vor 25 Wochen

@uborner, das war auch 1990 so gewollt, als es um die Landeshauptstadt sachsen-anhalt ging. Magdeburg ist nun mal näher an den fleisch Töpfen der Macht und an Hannover

Uborner vor 26 Wochen

Magdeburg kriegt ein Superkrankenhaus, Halles Uni wird zusammengestrichen. Magdeburg zieht Bedeutung an sich und Halle steigt ab. Ob das so klug ist, darf bezweifelt werden.

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