Demo auf dem Domplatz Gastronomen fordern Taten und mehr Austausch von der Politik

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

In Magdeburg sind noch bis Freitag Gastronomen im Austausch mit Politikern. Ihre Forderung: Schnelle und gemeinsam erarbeitete Lösungen für die Öffnungen der Gastronomie. Spitzenpolitiker beteiligten sich am Gespräch.

Einige Personen sitzen an einem gedeckten Tisch. Die Tischdecke ist weiß. Der Tisch steht mitten auf dem Domplatz in Magdeburg. Im Hintergrund sieht man den Dom
Zwischen Dom und Landtag ist alles für das "letzte Abendmahl" angerichtet. Dabei kommen Gastronomen noch bis Freitag in einen direkten Austausch mit Politikern. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

"Lässt man die Magdeburger Gastro-Szene 2021 wirklich sterben?" – Diese Frage wollen die Gastronomen bei einer Demo auf dem Domplatz in Magdeburg von Mittwoch bis Freitag den Landes- und Kommunalpolitikern stellen. Aus ihrer Sicht müsse sich jetzt etwas tun. Es brauche schnelle finanzielle Unterstützung und Öffnungsperspektiven.

Einige Politiker sind der Einladung der Gastronomen zum Austausch beim "letzten Abendmahl" auf den Domplatz gefolgt. Erst im Januar erklärte Jürgen Leindecker, Geschäftsführer vom Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt MDR SACHSEN-ANHALT: "Eine Stadt lebt von Handel und Wandel. Wenn das nicht mehr funktioniert, ist das eine Bedrohung für die Personen selbst und aber auch eine Bedrohung für die Urbanität der Stadt."

Bereits im Vorfeld der Demo hatte sich am Montag Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff mit den Gastronomen in der Staatskanzlei getroffen. Dort kam es aus Sicht von Mitorganisator Matthias Nawroth zu einem "guten Austausch". "Uns ist es wichtig, dass wir einen gesunden Dialog mit der Politik haben", erklärt Nawroth. Wichtig ist aus seiner Sicht ein erster Fahrplan, erst dann könne man weitere Schritte konkretisieren.

Ein Mann mit dunklem kurzen Haar und einer dicken Jacke an, steht vor dem Magdeburger Dom und schaut in die Kamera
Matthias Nawroth hofft auf schnelle und gemeinsame Lösungen für die Gastronomie. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Wir brauchen gemeinsame Lösungsansätze, die aus dem Wissen von beiden Seiten profitieren.

Matthias Nawroth, Arbeitsgemeinschaft Magdeburger Gastronomen

Es braucht mehr als nur "warme Worte"

Einige Personen sitzen an einem gedeckten Tisch. Die Tischdecke ist weiß. Der Tisch steht mitten auf dem Domplatz in Magdeburg
Die Gastronomen (Vordergrund) im direkten Austausch mit den Politikern. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Ähnlich sieht es auch Marcus Krümmling. Ihm gehören in der Magdeburger Innenstadt mehrere Lokalitäten – unter anderem das "M2" am Hasselbachplatz. Die letzten Monate sind für sehr schwierig gewesen. "Aktuell sind alle Mitarbeiter auf Kurzarbeit. Die Pauschalkräfte haben sich erst mal andere Nebenjobs gesucht – und so wissen wir gar nicht, wie es weitergeht", beschreibt der Unternehmer die aktuelle Situation. Dennoch ist er voller Hoffnung, dass etwas passieren wird. Er fordert aber klare Taten von der Politik. "Wir kennen warme Worte eigentlich seit zwölf Monaten", meint Krümmling.

Ein weiterer Gastronom sagte: "Uns nützen nur gesunde Gäste in den Restaurants. Wenn das bedeutet, wir müssen weiterhin noch geschlossen bleiben, um dieses Ziel zu erreichen, dann können wir das nachvollziehen, aber dann müssen entsprechende wirtschaftliche Hilfen geschaffen werden."

Die zehn Forderungen der Magdeburger Gastronomen

Aus dem vorliegenden Papier der Arbeitsgemeinschaft Magdeburger Gastronomen gehen zehn konkrete Forderungen hervor:

1. Sofortige Öffnung der Außengastronomie

2. Verlässliche Öffnungsperspektive für den Innen- und Außenbereich; Festlegung einer verlässlichen Öffnungsperspektive ab April 2021; Öffnung der Innenräume und der Terrassen unter Einhaltung des Abstandsgebotes und Maßnahmen gemäß Hygienekonzept.

3. Aufstockung der Überbrückungshilfe III auf 100 Prozent der laufenden Kosten

4. Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende 2021

5. Unternehmerlohn endlich zahlen

6. Kurzarbeitergeld für Beschäftigte auf Niveau des Nettolohns aufstocken

7. Überbrückungshilfen mit klaren Kriterien verbessern und weiteres Soforthilfepaket schnüren

8. Erhöhung der Kleinbeihilferegelung auf 10 Millionen Euro und laufende Anpassung bei weiterer Schließung.

9. Geringfügige Beschäftigung zeitgemäß anpassen; Erhöhung der Verdienstgrenze für geringfügig Beschäftigte auf 650 Euro und Anpassung der Verdienstgrenze bei allen künftigen Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohnes

10. Kostenlose Schnelltests für Mitarbeiter und alle Gäste von gastronomische Betrieben 2021

Politiker geben sich hoffnungsvoll

Beim heutigen Treffen auf dem Domplatz in Magdeburg waren führende Politiker der Parteien vor Ort. Katja Pähle (SPD) meint, dass man in Sachsen-Anhalt und in Deutschland mit dem Testen weiter vorankommen muss. "Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich einen zertifizierten Test geben zu lassen, mit dem er dann Zugang zu Einrichtungen bekommt", mein Pähle. Erst wenn dies gesichert ist, sei es möglich, weiter an Öffnungen in der Gastronomie zu gehen. Dabei liege die Verantwortung aus ihrer Sicht auch beim Bund, der sicherstellen müsste, das Sachsen-Anhalt genügend Tests geliefert bekommt.

Einige Personen sitzen an einem gedeckten Tisch. Die Tischdecke ist weiß. Der Tisch steht mitten auf dem Domplatz in Magdeburg. Im Hintergrund sieht man den Dom
Bis Freitag soll es einen Austausch zwischen Gastronomen und Politikern auf dem Magdeburger Domplatz geben. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Aus Sicht von Tobias Krul (CDU) stellt sich die Frage, ob Öffnungstermine gerade für die Außengastronomie auch vor Ostern realistisch sind. "Die Zahlung des Unternehmenslohns gewährleistet sein, damit die Gastronomie eine Chance zum Weiterbestehen hat", erklärt Krul.

Stefan Gebhardt von der Fraktion "Die Linke" meint, dass es unter strengen Auflagen, Hygienekonzepten und Testangeboten Öffnungsperspektiven für die Gastronomie geben muss. "Es hat bisher viele Versprechungen gegenüber der Gastronomie gegeben, die allerdings nicht eingehalten wurden", meint Gebhardt. Es seien Perspektiven eröffnet wurden, die keine waren.

Fazit: Gastronomen hoffen auf Politik

Die Veranstalter von der Arbeitsgemeinschaft Magdeburger Gastronomen sind zunächst zufrieden. "Wir haben rüberbringen können, wo uns der Schuh drückt, wo der Schuh schon fast abfällt und wo einige schon Barfuß laufen", fasst Andreas Dahm, Inhaber des Cafés "Alt Magdeburg" die erste Runde vom "letzten Abendmahl" auf dem Domplatz zusammen. Die Gastronomen hätten fraktionsunabhängig gute Ansätze gehört. "Wir finden das zwar gut, aber wir haben das auch im April 2020 gehört", erklärt Dahm. Nun sei die Politik gefordert, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren.

MDR/Kevin Poweska

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. März 2021 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

nie wieder cdu vor 8 Wochen

Habe mir mal die 10 Forderungen genau angesehen!!
Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende 2021 = bezahlte Insolvenzverschleppung.
Hier mein Rat:
Hört auf zu jammern und um Geld zu betteln, dass sind Steuergelder die nicht eingenommen werden (Gewerbesteuer).
Macht also alles dicht und meldet euch arbeitslos, dann habt ihr den gleichen Anspruch wie jeder andere.
Beifall klatschen und immer neue Forderungen passen nicht zusammen.

Soldaten Norbert vor 8 Wochen

Sicher, dort sind schon mehr Bürger geimpft. Aber wenn wir Deutschen auf diesem Niveau der Impfung wären, müssten wir immer noch Masken tragen und würden nicht komplett zum alten Leben zurückkehren. Denn die Regierung sagt ja selbst, Bürger die geimpft sind, können womöglich immer noch ansteckend sein. In den USA , bzw. in den einzelnen Bundesstaaten haben die verantwortlichen Politiker da eine andere Einschätzung der pandemischen Lage vorgenommen.

hansfriederleistner vor 8 Wochen

Man kann doch einen Besuch eines Cafes oder Speiselokals mit einem Flug nach Mallorca verbinden. Es fördert zugleich die CO2 Steigerung. Übrigens die Spanier auf dem Festland klagen auch, daß sie Einschränkungen unterliegen.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt