Hörer machen Programm Ist ein schwarzer Fassadenanstrich klimatechnisch sinnvoll?

Im Süden Europas sind die meisten Häuser weiß, damit sie sich im Sommer nicht zu stark aufheizen. In Magdeburg hingegen erhielt der neue Gebäudekomplex Luisen-Carré nun einen schwarzen Anstrich. MDR AKTUELL-Hörerin Frauke Rose fragt sich, ob es bezüglich des Klimaschutzes nicht sinnvoller wäre, auf schwarze Dächer und Fassaden zu verzichten, und ob die Stadt Magdeburg da eingreifen könnte.

Luisen-Carré in Magdeburg
Der Luisen-Carré in Magdeburg soll noch Ende des Jahres bezugsfertig für die ersten Bewohnerinnen und Bewohner sein. Bildrechte: Ronny Arnold

Jahrelang haben sich die Magdeburger über die verfallene Freifläche mitten in der Stadt geärgert. Nun wird sie endlich bebaut. Mit dem Luisen-Carré entsteht ein Komplex in zentraler Lage – modern mit Wohnungen, Büroflächen und Gewerbe. Stein des Anstoßes nun: Ein Drittel der Fassade ist schwarz angestrichen.

Hoch stehende Sonne trifft auf Weiß - tief stehende auf Schwarz

Kein Problem, sagt Thomas Fischbeck von der federführenden Wohnungsgenossenschaft (MWG) – ganz im Gegenteil: "Wenn die Sonne hoch steht, trifft sie auf die weiße Fläche und wenn sie etwas tiefer steht, auf die schwarze. Wir nutzen diese Wärme und strahlen sie auch in das Objekt hinein. Im Sommer soll eine Reflexion stattfinden und im Winter nimmt es diese Wärme auf." Weiß reflektiert, schwarz absorbiert, nimmt also viel Sonnenstrahlung auf. Über die Fassadenfarbe kann das tatsächlich reguliert werden. Die Wissenschaft nennt es den Albedo-Effekt.

Die Farbenhersteller hätten sich lange damit beschäftigt, sagt Jörg Sopauschke von der MWG, und Lösungen gefunden: "Die Industrie mischt mittlerweile Pigmente bei, die das Licht und die Wärme reflektieren. Das heißt, dass eine schwarze Farbe ähnlich reflektiert wie eine helle Farbe, um die Oberflächentemperatur zu senken, damit es nicht zu Rissen kommt."

Mehr Beiträge zum Klimaschutz möglich

Investoren sind also daran interessiert, solche Schäden zu vermeiden. Doch es gibt noch weitaus mehr, was sie tun können – vielmehr könnten – um den Wärmehaushalt zu regulieren und so auch zum Klimaschutz beizutragen. Dächer und Fassaden begrünen etwa, doch das kostet zusätzliches Geld. Abschreckend für einige Bauherren - und das Magdeburger Stadtplanungsamt dürfe noch nicht überall regulierend eingreifen, erklärt Elke Schäferhenrich, denn das Gebäude würde nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches genehmigt. Dort dürften sie keinen Einfluss auf die Gestaltung nehmen. Schäferhenrich. fügt hinzu:"Natürlich gibt es Beratungen mit den Bauherren. Letztlich liegt die Entscheidung aber beim Bauherren selbst. Derzeit gibt es erst mal ein Konzept dazu, zur Fassaden- und Dachbegrünung, was in den Stadtrat geht und dort beschlossen werden soll."

Zu kleinteilige Regelungen für Wohngebiete und Gewerbe, Altbestand und Neubau – das kritisieren auch Naturschützerinnen und Naturschützer. Jonas Wolf vom NABU Sachsen-Anhalt sieht Magdeburg aber mit der Verpflichtung, bereits in 14 Jahren CO2-neutral zu sein, auf dem richtigen Weg: "Da sind aus unserer Sicht auch schon erste gute Ansätze dabei. Aber vieles ist noch zu unkonkret formuliert, es fehlen quantitative Zielvorgaben und die Förderinstrumente müssten auch reformiert werden. Das heißt privaten Eigentümern müssten finanzielle Anreize geschaffen werden, damit sie eben ihre Gebäude und ihre Flächen naturnah gestalten."

Begrünung beim Luisen-Carré geplant

Immerhin: Beim Luisen-Carré ist das nun fest eingeplant, inklusive einer Anlage, die Regenwasser speichert, erzählt Thomas Fischbeck: "Das wird bei jedem Dach sein, mit Ausnahme beim Hochhaus – der langen Luise – haben wir immer eine extensive Begrünung. Wir sammeln das Regenwasser, dazu sind wir auch verpflichtet. Das sind etwa 3.000 Kubikmeter, und wir wässern damit 48 Bäume und zwei Grünflächen."

Bis zum kommenden Frühjahr wird es allerdings noch dauern, dass hier ringsum aus Grau Grün wird. Die ersten Bewohnerinnen und Bewohner können allerdings schon Ende des Jahres einziehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Oktober 2021 | 06:24 Uhr

1 Kommentar

hinter-dem-Regenbogen vor 6 Wochen

@ : . . ."bereits in 14 Jahren CO2-neutral zu sein . . ."

Eine Stadt, die auf Beton und aus Beton gebaut wurde oder auch noch wird , kann niemals Klimaneutral sein.
Hier betrügen sich die "Retter der Welt" selbst.

Das Überleben der Menschheit beruht nun mal darauf, dass man von den Ressorcen dieser Welt gebrauch macht.

Wenn wir die Welt retten wollen, dürfen wir nicht in Phantasien verfallen. Sich den Realitäten stellen und mit Geist und Innovation den Ressorcengebrauch so gestalten und steuern, ohne das 8 Milliarden Menschen zum Darben verdammt werden, das wäre angemessen.

Wenn man in Magdeburg ein Experiment durchführt, um Fördermittel dafür zu bekommen, dann ist das noch lange nicht der Fortschritt - eher nur ein Stückchen Symbolik, um der Welt zu signalisieren, dass man etwas tun will.


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