Schnee auf den Straßen Gurkenidee für den Winterdienst in Magdeburg

Die Magdeburger CDU-Ratsfraktion möchte prüfen, ob Gurkensole im Winterdienst eingesetzt werden könnte. Vorbild ist eine Region in Bayern, wo das gut funktioniert. Einziges Manko ist, hier gibt es keine Gurkenfabrik.

Kurz Vorweg: Es handelt sich bei dem Verfahren nicht um Gurkenwasser aus dem Gurkenglas mit Gewürzen und Zwiebeln, wie Tobias Nagler vom staatlichen Bauamt in Landshut klarstellt. Stattdessen wird die Salzlake aus Gurken-Silos in der Region um die bayerischen Stadt Landshut auf die Straßen ausgebracht, um Eis und Glätte vorzubeugen.

Die Idee entstand, weil die Firma Develey in der Region Gurkenproduktion im industriellen Maßstab betreibt. Die Gurken werden dabei in Salzwasser gelagert, das normalerweise danach ein reines Abfallprodukt ist und unter hohem Aufwand gereinigt werden muss. Auf der anderen Seite produzieren die Straßenmeistereien selbst Salzsole, um damit die Straßen frostfrei zu halten.

Die Idee lag also nahe, das Abfallprodukt des einen für die Arbeit des anderen zu verwenden. Das Salzwasser aus den Gurken-Silos muss zwar noch ein wenig aufgesalzt werden, die Einsparungen von Wasser und Salz sind trotzdem hoch.

Der große Gewinner ist eigentlich die Natur.

Tobias Nagler Staatliches Bauamt Landshut

Eine Idee für Sachsen-Anhalt?

In diesem Winter haben die Straßenmeistereien Landshut, Dingolfing und Abensberg in Bayern 640 Tonnen Gurkengärlake bezogen. Damit konnten sie rund ein Viertel ihres Bedarfs an Salzsole für den Winterdienst abdecken. Es ist eine Win-win-Situation.

Nun will auch die CDU-Ratsfraktion in Magdeburg ein Stück vom Kuchen abhaben. "Wir als CDU-Ratsfraktion schauen immer, wie man neue Innovationen auch für die Stadt Magdeburg anwenden kann.“, sagt Geschäftsführer Manuel Rupsch zur Gurkensole. Aus welcher Gurkenfabrik das Salzwasser kommen soll, weiß die CDU-Ratsfraktion aber nicht. Darum ja auch der Antrag auf Prüfung durch die Stadt.

In Brandenburg werde das schließlich auch erprobt. Die verfügen allerdings auch über den Spreewald und das Konzept ergibt leider nur dann Sinn, wenn eine Gurkenfabrik in der Nähe ist. Denn der ökologische Effekt geht natürlich verloren, wenn das Gurkenwasser einmal quer durchs Land gefahren werden muss. Die Firma Develey aus Bayern gibt an, die Straßenmeistereien in einem Umkreis von 85 km mit ihrer Gurkensole versorgen zu können.

Schüttelgurken in einem Bügelglas 2 min
Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Salzlandkreis hat keinen Salzmangel

In anderen Städten und Landkreisen Sachsen-Anhalts reagiert man eher erstaunt auf den Vorschlag der Magdeburger Stadtratspolitiker der CDU. Das für Winterdienst zuständige Fachamt in Stendal wüsste nicht, welche Firma in der Region als Bezugsquelle dienen sollte und hat dementsprechend auch noch nicht darüber nachgedacht, Gurkensole für den Winterdienst zu verwenden.

Auch in Oschersleben habe man das nicht mal ansatzweise in Erwägung gezogen. Scherzhaft heißt es aber, man müsse vielleicht mal im Rahmen der Wirtschaftsförderung darüber nachdenken. Mit Blick auf den Mangel an Gurkenwasser wird diese Idee für den Winterdienst auch in Bernburg nicht erwägt. Im Salzlandkreis sei man aber ohnehin gut mit Salz versorgt.

MDR, Moritz Lünenborg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 20. Februar 2021 | 13:10 Uhr

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