Handeln statt Jammern Warum ein Magdeburger Handwerksunternehmen keine Nachwuchssorgen hat

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Nachwuchsmangel sind im Handwerk keine Seltenheit. Thomas Dunkel aus Magdeburg hat die Sorgen in seinem Betrieb aber gemeistert – und findet, dem Handwerk würde es ohnehin gut tun, weniger zu jammern.

Zwei junge männliche Personen in Arbeitklamotten knien auf dem Boden und haben ein Metallrohr in der Hand. Vor ihnen steht eine industrielle Säge.
Im Bereich des Handwerks bleiben Ausbildungsstellen häufig unbesetzt. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Thomas Dunkel hat die Nachwuchs-Probleme der Branche alle selbst erlebt. Es ist rund zehn Jahre her, als dem Geschäftsführer plötzlich die Azubis ausgingen. Im Jahr 2014 kam es dann noch schlimmer: Damals hatte er in seiner Firma in Magdeburg keinen einzigen Auszubildenden. Thomas Dunkel beschloss, dass es so nicht weitergehen könne. „Das war eine Situation, die wir auf Dauer nicht so halten können“, erzählt er heute.

Dunkel ist Geschäftsführer einer Firma, die sich um Heizungs- und Sanitäranlagen kümmert. 45 Frauen und Männer arbeiten für ihn – unter ihnen sind auch zehn Auszubildende. Doch der Weg zu dieser Zahl war steinig. Seine vor sechs Jahren gegründete Ausbildungsinitiative hatte zu Beginn Startschwierigkeiten. Im Laufe der Jahre aber sprach er mehr und mehr potenzielle Azubis an – mit Flyern und Plakaten, in Schulen, Sportvereinen oder Berufsmessen. "So haben wir in den letzten Jahren unsere Ausbildungsplätze belegen können", erklärt Thomas Dunkel.

Eine männliche Person mit kurzen Haar schaut in die Kamera. In den Händen hält er ein Metallrohr. Er trägt Arbeitsklamotten.
Thomas Dunkel ist die Probleme im Nachwuchs aktiv angegangen. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Die Auszubildenden, die gekommen sind, waren nicht ausbildungsfähig. Sie waren nicht bereit und nicht in der Lage, diesen Beruf zu erlernen.

Thomas Dunkel, Geschäftsführer Firma Dunkel aus Magdeburg

Kontakt auf Berufsmessen

Eine junge männlihe Person mit blonden Haaren in Arbeitsklamotten guckt in die Kamera.
Eigentlich wollte Niklas Schatte Feuerwehrmann werden. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

So hat es auch bei Niklas Schatte geklappt. "Eigentlich wollte ich Feuerwehrmann werden", erzählt er. Doch die Hürden, diesen Job zu bekommen, sind hoch. Also beschloss Niklas Schatte, auf eine Berufsmesse zu gehen und sah sich nach anderen Jobs um. "Ich habe dort mit jemanden von der Firma geredet, ein Praktikum gemacht und danach auch gleich einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen", erzählt der Azubi.

Schneiden, pressen, montieren und körperliche Arbeit – was für den einen nach einem harten, anstrengenden Job klingt, erfüllt den 18-Jährigen aus Steglitz im Jerichower Land. Er sieht gerade darin die Herausforderung. "Da braucht es eben handwerkliches Geschick", freut sich Niklas Schatte. Er sieht seine Arbeit als einen Teil des Großen und Ganzen an. "Zum Beispiel bei verlegten Feuerlöschleitungen – damit könnten wir später vielleicht auch Leben retten", erklärt der 18-jährige Azubi.

Vorurteile schrecken ab

Zwei junge männliche Personen in Arbeitklamotten knien auf dem Boden und haben ein Metallrohr in der Hand. Vor ihnen steht eine industrielle Säge.
Zwei Auszubildende auf einen Streich – diese Situation haben nur wenige Unternehmen im Handwerk. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Doch positive Entwicklung hin oder her – dem Handwerk fehlt es insgesamt noch immer massiv an Nachwuchs. Dabei habe das Handwerk vor allem mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, meint Thomas Dunkel. "Die Bezahlung war nicht gut, es war laut und körperlich anstrengend", erklärt er.

Doch das ändert sich aus Sicht des Geschäftsführers langsam. Viele Menschen seien durch Corona zu Hause und würden an Wohnung und Haus arbeiten. "Und für manche Arbeiten braucht es dann eben einen Handwerker", meint Dunkel. Doch es fehlen die Fachkräfte in der Branche. "Ich zucke immer richtig zusammen, wenn ich höre, dass wir einem Kunden absagen – aber das müssen wir leider, weil wir es einfach nicht schaffen", meint der Geschäftsführer.

Das Problem: Unternehmen machen zu wenig

Geschäftsführer Thomas Dunkel versteht das Verhalten vieler Unternehmen im Handwerk nicht. "Wir neigen immer dazu, unzufrieden zu sein", kritisiert Dunkel. Aber die Unternehmen im Handwerk wären nicht dazu bereit, daran etwas zu ändern. Wichtig ist es aus Sicht von Dunkel, die Situation nicht einfach hinzunehmen, sondern mit der Zeit zu gehen und aktiv zu werden. "Aber wir kommen nicht raus aus unserem Schneckenhaus", meint der Geschäftsführer.

Um dies zu schaffen, gehöre neben dem zeitlichen Aufwand natürlich auch ein finanzieller Aufwand. "Aber das wollen viele nicht, weil sie meinen, dass das nichts bringt", meint Dunkel. Um festzustellen, dass das nicht unbedingt stimmt, reicht ein Blick auf Thomas Dunkel und seine Ausbildungsinitiative, die ihn aktuell zu zehn Auszubildenden gebracht hat.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 04. Januar 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

harzer vor 18 Wochen

Magdeburger jung; Sie haben auf der ganzen Linie Recht! Lernte in den frühen 60er Jahren einen Handwerksberuf Lehrgeld 60 Mark, Gesellenlohn ca, 300-350 Mark, so war es damals, da alle Gewerke diesen Lohn in die Hand bekamen ! wir sind noch mit Bollerwagen zu den Kunden gefahren, später kaufte der Chef einen alten Opel mit Laderampe. Er war nicht Reich, wie heute, per Fahrrad und zu Fuß kam er zu den Baustellen. Damals war noch Sonnabends arbeiten.

Harka2 vor 18 Wochen

Genau da liegt das Hauptproblem. Wenn der Chef mit tränenden Auge einem mit großen Bedauern die Löhntüte mit dem Mindestlohn rüber reicht, dazu Überstunden und Fahrzeiten nicht bezahlt, man aber gerade die Gegenstromanlage in seinem Schwimmingpool installiert hat, dann ist das wenig motivierend da weiter zu arbeiten.

Das Gejammer im Osten, dass man keine Fachkräfte bekommt, ist hausgemacht. Wer nur den Mindestlohn anbietet bekommt keine guten Facharbeiter. Drastisch formuliert: wer nur mit Bananen zahlt, bekommt am Ende nur Affen.

Magdeburger Jung vor 18 Wochen

Das Handwerk hat keinen guten Ruf. Liegt aber auch sicher daran, das die Autos der Geschäftsführer immer dicker werden, bei den Lohntüten der Angestellten tut sich allerdings nichts.....
Wer will da schon schuften? In den alten Bundesländern liegen die Stundenlöhne in meiner Branche ca. 6€ höher als hier in Magdeburg. Wer will das als junger Mensch schon, wenn man als „Bürohengst“ sein Geld viel leichter verdienen kann.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt