Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt Experte: Große Flüsse gut gerüstet gegen Hochwasser

Das letzte Hochwasser in Sachsen-Anhalt ist ein paar Jahre her. Durch die immensen Überflutungen in mehreren Bundesländern ist das Thema nun wieder aktueller denn je. Daniel Bachmann ist Professor für Hochwasser-Risikomanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Für ihn ist klar: Sachsen-Anhalts große Flüsse sind gut geschützt. Doch das heißt nicht, dass das für jedes Haus hinterm Deich zutrifft. Es müsse viel mehr Eigenvorsorge betrieben werden.

Hochwasser Sachsen
Hochwasser im benachbarten Bundesland Sachsen. Bildrechte: imago images/Bernd März

MDR SACHSEN-ANHALT: Herr Bachmann, ist Sachsen-Anhalt ausreichend vor einem Hochwasser geschützt?

Professor für Hochwasserrisikomanagement
Daniel Bachmann sieht große Flüsse in Sachsen-Anhalt gut gerüstet für Hochwasser. Bildrechte: MDR/Hochschule Magdeburg-Stendal

Daniel Bachmann: Die großen Ströme wie die Elbe: Ja. Da sind wir gut vorbereitet, da ist viel gelaufen in den letzten Jahren. Auch was die Warnsysteme angeht, der Deichbau, die Flussaufbereitungen, die in Sachsen-Anhalt gelaufen sind. Was ich dazu betonen muss, ist, dass es wahrscheinlich auch keine absolute Sicherheit geben wird. Das muss man sich auch klarmachen.

Was hat sich denn seit dem letzten Hochwasser 2013 in Sachen Sicherheit verändert?

Seit 2013 hat sich natürlich schon sehr viel getan, und zwar in positiver Richtung. Wenn man sich zum Beispiel die Elbe anschaut, gab es unzählige Deichsanierungen oder Deichneubauten. Da wurden alte Deiche, die zu versagen drohten oder auch versagt haben, komplett erneuert. Das heißt natürlich nicht, dass sie absolut sicher sind. Aber die sind schon sehr gut gebaut.

Es haben auch andere Maßnahmen stattgefunden wie beispielsweise Flussaufweitungen. Man hat Flüssen mehr Raum gegeben. Das hat natürlich einen positiven Effekt auf das Hochwasser selbst, aber auch auf die Ökologie am Fluss. Das sind auf jeden Fall Maßnahmen, die einen Gewinn bringen.

Wie wird in Flussgegenden aktuell gebaut? Gibt es Aspekte, die dabei übersehen werden?

Das Problem ist, dass mehr und mehr hinter Deichen gebaut wird. Man spricht dann von einem sogenannten Deich-Paradoxon. Man kann das machen. Ich finde, man sollte sich aber auch bewusst machen, dass man immer noch hinterm Deich lebt. Und dass es keine absolute Sicherheit gibt. Man sollte sich überlegen: Was für einen "Plan B" habe ich in der Hinterhand, im Fall der Fälle. Diese Art von Verhaltensvorsorge kommt noch ein bisschen zu kurz. Das liegt vielleicht auch daran, dass man jetzt zwei, drei heiße Sommer hatte. Dann ist es natürlich auch schwierig, über Hochwasser zu sprechen.

Wann hat ein Land einen guten Hochwasserschutz erreicht?

Nach den Fluten 2002 und 2013 hat ein Umdenken stattgefunden. Sprich: Dass man das ganze Bündel an Maßnahmen, die zur Verfügung stehen, nutzt. Dieses Bündel fängt im Prinzip im Einzugsgebiet an, wie etwa der Wiederaufforstung oder Entsiegelung, rein technische Maßnahmen, wie den Deichbau, mobile Wände, Hochwasserschutzwände und geht bis hin zur Eigenvorsorge. Also, dass jeder auch für sich selbst schaut, ist mein Haus hochwassergefährdet?

Das funktioniert natürlich nicht bei jedem Hochwassertyp, aber wenn man dieses ganze Bündel an Maßnahmen nutzt, dann kann man einen guten Hochwasserschutz erreichen.

Gibt es für die Bevölkerung Möglichkeiten, Hochwasser selbst früh zu erkennen?

Was ich empfehlen kann, sind die offiziellen Hochwassergefahrenkarten. Die gibt es für das Land. Ich empfehle jedem, mal einen Blick dort hineinzuwerfen. Einfach, um für sich einen Eindruck zu gewinnen, wohne ich in einem gefährdeten Gebiet? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass was passiert und dann sich vielleicht auch entsprechend Gedanken zu machen. Das kann ich nur ans Herz legen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Maximilian Fürstenberg.

MDR/Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Juli 2021 | 20:00 Uhr

6 Kommentare

Rotti vor 8 Wochen

Könnte man ja damit beginnen, bebauten Überflutungsgebiete zurück zu bauen?
Oder man schaue mal, ob das Gewässer noch im alten Bett fließt.
Die Elbe wurde meines Wissens nach in ein anderes Bett geführt. Das alte Bett soll bei Fischbeck liegen, wo dann 2013 die Elbe auch wieder hin ist.

Anhaltiner vor 8 Wochen

"Für ihn ist klar: Sachsen-Anhalts große Flüsse sind gut geschützt. . Es müsse viel mehr Eigenvorsorge betrieben werden."
Die Anzahl derer, die im Nachhinein ganz genau wissen ,wie solche Katastrophen zu vermeiden sind, werden täglich größer. Da gibt die Politiker, die mit verstärkten Maßnahmen die sofortige die Klimaänderung herbeiführen wollen und die tätlich neuen Experten ,die ganz wissen ,was die betroffen Bevölkerung alle falsch. gemacht hat

mattotaupa vor 8 Wochen

"Experte: Große Flüsse gut gerüstet gegen Hochwasser" okay, die flüsse sind also gut aufgestellt. wie sieht es mit der bevölkerung, den gemeinden, dem land, der infrastruktur etc. aus? wäre doch nur fair, wenn nicht nur die flüsse aufgerüstet hätten.

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