Stützturm abgebaut Hyparschale in Magdeburg "schwebt" wieder

Vor mehr als 20 Jahren wurde die Hyparschale in Magdeburg wegen Einsturzgefahr gesperrt. Zwischendurch stand das Gebäude kurz vor dem Abriss. Seit zwei Jahren wird die Hyparschale saniert. Nun ist ein großer Schritt getan: Der Stützturm wurde abgebaut, das Dach "schwebt" wieder. Damit kann der Innenausbau des Gebäudes beginnen.

Baugerüst an einer grauen Messehalle
Ein Hingucker: In Magdeburg geht die Sanierung der Hyparschale voran. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Für die einen ist sie ein heruntergekommener Schandfleck und sollte endlich abgerissen werden, andere wollten sie schon immer unbedingt erhalten: Die Hyparschale im Magdeburger Stadtpark hat nach der Wende jahrelang ein trauriges Dasein gefristet. Seit zwei Jahren wird die Mehrzweckhalle saniert. Am Donnerstag sind die Arbeiten einen großen Schritt vorangekommen.

Eine Spezialfirma aus Zwickau hat damit begonnen, den Stahlturm, der das Betondach vor dem Einstürzen bewahrt, abzubauen. Insgesamt 40 Tonnen trägt die Konstruktion. Schritt für Schritt und Zentimeter für Zentimeter haben die Bauarbeiter die große Stütze abgesenkt, sodass das Dach der Hyparschale zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder "schwebt".

Selbsttragendes Schalendach

Die Hyparschale im Rothehornpark hat eine Grundfläche von 23.000 Quadratmetern, die von vier doppelt gekrümmten Quadraten überdacht wird. Die Betonschalen sind nur acht Zentimeter dick, erklärt Heinz Ulrich, ehemaliger Leiter des Gebäudemanagements. Getragen werden sie außen von vier schrägen Stützen, sodass durch die Wände viel Licht in die Halle dringen kann.

Das Dach ist hauchdünn und das fasziniert. Ich kann mich hier nicht satt sehen.

Heinz Ulrich ehemaliger Leiter des Gebäudemanagements

Auch zwischen den einzelnen Dachschalen kann eigentlich viel Licht in das Gebäude fallen. So soll ein Lichtstern entstehen. Doch das Dach war bereits kurz nach der Eröffnung der Hyparschale im Jahre 1969 undicht. Es regnete rein und der Lichtstern wurde mit Dachpappe abgedeckt. Nun ist er nach mehr als 20 Jahren endlich wieder sichtbar.

Sachsen-Anhalt

Stützturm abgebaut Sanierung der Hyparschale schreitet voran

Ein Stahlturm in der Mitte einer leeren, grauen Messehalle
Dieser Stahlturm schützte das Betondach vor dem Einsturz. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Ein Stahlturm in der Mitte einer leeren, grauen Messehalle
Dieser Stahlturm schützte das Betondach vor dem Einsturz. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Bauarbeiter stehen im Inneren einer alten Messehalle
Der Abbau der Stütze wird genau überwacht. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Zwei Männer knien neben einem Stahlturm
Dafür ist eine Spezialfirma aus Zwickau angereist. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Zwei Männer knien unter einem Stahlturm
Zunächst wird die Konstruktion Zentimeter für Zentimeter angehoben. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
ein großer Maulschlüssel
Dann kann die große Mutter vorsichtig gelöst werden. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
ein blauer Hubwagen in einer leere, grauen Messehalle
Und das Dach der Hyparschale "schwebt" wieder. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Ein Baugerüst außen an einer grauen Messehalle
Außen tragen vier schräge Stützen das Dach.

Quelle: MDR/Fabienne von der Eltz
Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Alle (7) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. August 2021 | 19:00 Uhr

Sachsen-Anhalt

Ein gelber Bagger vor einem Baugerüst
Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Insgesamt fünf Müther-Bauten in Magdeburg

Erbaut wurde die Hyparschale nach einen Entwurf von Ulrich Müther, der mehr als 70 Schalenbauten entworfen hat. Die Hyparschale ist die größte von den rund fünfzig noch bestehenden Werken des Bauingenieurs, der die Architekturmoderne in der DDR prägte. Was nur wenige wissen: In Magdeburg gibt insgesamt noch vier weitere Müther-Bauten, darunter das Fahnenmonument an der Elbe und einen kleinen Blumen-Laden.

Zu DDR-Zeiten wurde die Hyparschale rege genutzt: für Messen, Konzerte und Partys. Seit 1997 war sie wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt und ist nur knapp dem Abriss entgangen. 1998 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Mehr als 20 Jahre stand das Gebäude leer. Als der Magdeburger Stadtrat 2013 die Sanierung der Hyparschale beschloss, war ihr Erbauer Ulrich Müther schon tot.

Die Hyparschale im Laufe der Zeit

1969 wurde die Hyparschale in Magdeburg erbaut. 1997 ist sie wegen Einsturzgefahr gesperrt. Seit zwei Jahren wird das Gebäude saniert.

eine alte graue Messehalle
Aufnahme beim Bau der Hyparschale Ende der 1960er Jahre: Das Schalendach ist nur 7 cm dick bzw. dünn. Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
eine alte graue Messehalle
Aufnahme beim Bau der Hyparschale Ende der 1960er Jahre: Das Schalendach ist nur 7 cm dick bzw. dünn. Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
eine alte graue Messehalle
Zu DDR-Zeiten wurde die Hyparschale als Ausstellungs- und Veranstaltungshalle genutzt. Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
eine alte graue Messehalle
Großer Vorteil der Hyparschale war das Platzangebot; die Hyparschale kommt dank ihrer ausgetüftelten Konstruktion und Statik ohne Pfeiler aus. Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
eine alte Messehalle
1997 wurde das Gebäude wegen Einsturzgefahr gesperrt. Bildrechte: MDR/André Strobel
eine alte Messehalle
Mehr als 20 Jahre Stand die Hyparschale leer und zerfiel immer mehr. Bildrechte: MDR/André Strobel
Halle mit Betonfußboden und Fensterfront
2013 hat der Stadtrat die Sanierung des Denkmals beschlossen. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Leerstehende Halle mit Betonfußboden, Glasfront und offener Tür
Seit dem Baustart am 4. Dezember 2019 wurde das Gebäude entkernt. Asbest wurde entfernt, außerdem Teerkleber, der das Parkett mit dem Betonboden verbunden hatte. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Gerüst an einem nach oben spitz zulaufenden Gebäude mit Glaswand
Die Sanierung der gesamten Dachschalenkonstruktion und des dazugehörigen Tragwerks kostet etwa 4,2 Millionen Euro. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Grünfläche mit gefällten und zersägten Bäumen und Gabelstapler
Für die Sanierungsarbeiten mussten 15 Bäume gefällt werden. Das hat das Umweltamt der Stadt genehmigt. Die Baufirma muss allerdings Auflagen erfüllen und unter anderem neue Bäume pflanzen. Das soll im Zuge der Umgestaltung des Umfeldes passieren, sobald die Sanierung abgeschlossen ist. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Ein Mann kniet neben einem Stahlturm
Ende August wurde der Stahltrum abgebaut, der das Dach vor dem Einsturz schützt. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Panorama vom Inneren der Messehalle
Danach soll der Innenausbau beginnen. 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein
Architektenentwurf für die Hyparschale Magdeburg, Außenansicht.
Der Architektenentwurf für die Hyparschale: So soll das Gebäude in Zukunft aussehen.

Quelle: MDR/Fabienne von der Eltz
Bildrechte: gmp Architekten
Alle (12) Bilder anzeigen

Dach mit Carbon stabilisiert

Vor zwei Jahren hat die Sanierung der Hyparschale dann begonnen. Um die stark beschädigte Decke zu stabilisieren, wurden zwei Zentimeter dünne Bahnen aus Carbonfasern aufgebracht. Sie stützen das dünne Dach wie ein unsichtbares Außenskelett und sind im Vergleich zu Stahl oder Beton deutlich leichter.

Anfang der Woche soll der Stützturm komplett ausgebaut sein. Dann kann der Innenausbau beginnen. Insgesamt kostet die Sanierung der Hyparschale fast 17 Millionen Euro. Wenn 2023 alles fertig ist, soll das Architekturjuwel als multifunktionaler Veranstaltungs- und Ausstellungsort wiederbelebt werden.

Mehr zum Thema

Ein hohes Baugerüst an einer der Seitenschalen der Hyparschale auf der Magdeburger Elbinsel.
Die Dachschalen der Hyparschale in Magdeburg werden durch ein spezielles Verfahren saniert. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

MDR/Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. August 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt