Resignation und Frust Wegen illegaler Müllentsorgung – Grünschnittstelle in Magdeburg droht das Aus

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Kleingärtner in Magdeburg wissen sie zu schätzen, doch der Sammelstelle für Grünschnitt mitten in der Stadt droht die Schließung. Denn immer wieder wird zum Teil giftiger Müll vor die Tore gekippt und Mitarbeitende werden beschimpft und bedroht.

Ein Holzzaun, an dem Schilder hängen. Auf denen wird über eine Annemhestlle für Grünabfälle und Elektrogeräte informiert und das Müllabladen verboten.
Vor einer Annahmestelle für Grünschnitt der GISE mbH wird immer wieder zum Teil giftiger Müll abgeladen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

In der Annahmestelle für Grünschnitt in Magdeburg-Buckau herrscht reger Betrieb. Mit Autos, Fahrrädern und Schubkarren transportieren die Menschen ihren Abfall hierher in die Sandbreite. Wer mag, muss nicht einmal aussteigen, denn die Mitarbeitenden entladen auf Wunsch die Fahrzeuge für ihre Kunden.

Die Atmosphäre ist freundlich, die meisten kommen gerne. "Der beste Betrieb der ganzen Stadt!", ruft eine Frau mir aus ihrem Auto heraus zu. Neben ihrem Auto, auf einem Tisch, liegen Blumentöpfe, Türklinken und Matchboxautos, die die Mitarbeiter vor der Entsorgung gerettet haben. "Zu verschenken, falls das jemand noch braucht", brummt Jens Semmler, der seit Jahren hier arbeitet.

Impressionen von der Grünschnittannahmestelle der GISE mbH in Magdeburg Buckau

Drei Männer entladen einen Kofferraum. Dahinter stehen ein orangefarbener Container und ein Radlader.
Wer will, muss nicht einmal aussteigen: Mitarbeiter laden auf Wunsch den Müll aus den Fahrzeugen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Drei Männer entladen einen Kofferraum. Dahinter stehen ein orangefarbener Container und ein Radlader.
Wer will, muss nicht einmal aussteigen: Mitarbeiter laden auf Wunsch den Müll aus den Fahrzeugen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein großer Betriebshof, auf dem orange- und pinkfarbenen Container, ein LKW und mehrer Schilder und Tonnen stehen. In der Mitte ein sandiger Weg.
Mindestens zwei Mitarbeiter stehen immer bereit. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann mit einem Kapuzenpullover mit Tarnaufdruck steht vor einem blauen Bauwagen. Daneben Schubkarren und Besen.
Jens Semmler arbeitet seit vielen Jahren für die Grünschnittanlage. Für die illegalen Müllablagerungen hat er kein Verständnis. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Vor einem pinken Container stehen Besen, Schaufeln, ein Rollator, Blumentöpfe und allerlei Krimskrams.
Auf dem Betriebshof gibt es eine Ecke, in der Mitarbeiter Gegenstände aus dem Müll retten und verschenken. Neben einem Rollator und Blumentöpfen ... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Vor einem pinken Container stehen Blumentöpfe und ein Tisch mit Krimskrams wie Matchboxautos, Türklinken, Vasen, Fliesen und mehr.
... sind auch Türklinken, Fliesen oder Autos unter den Fundstücken. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Alle (5) Bilder anzeigen
Drei Männer entladen einen Kofferraum. Dahinter stehen ein orangefarbener Container und ein Radlader.
Wer will, muss nicht einmal aussteigen: Mitarbeiter laden auf Wunsch den Müll aus den Fahrzeugen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Eigentlich wäre alles bestens. Wenn da nicht das Problem mit den illegalen Müllentsorgungen wäre. Immer wieder finden die Mitarbeitenden des Betriebs riesige Mengen an Müll vor, den Menschen einfach vor die Tore des Betriebs kippen. "Sofagarnituren, Schrankwände, alte Reifen, aber auch Öle, Lacke und Farben sind dabei", berichtet Jens Semmler. Die illegale Müllentsorgung findet er besonders unverständlich, weil es in Magdeburg zahlreiche Möglichkeiten zur kostenlosen oder kostengünstigen Entsorgung von Sperrmüll und Schadstoffen gibt.

Schließung steht im Raum

Für die Sanierungsgesellschaft GISE mbH, die die Annahmestelle als freiwilliges Angebot betreibt, um die Stadt und die Kleingärtner zu entlasten, sind die Müllberge eine große Belastung. Zum einen ist der kleine Betrieb für den Müll, der vor die Tür gekippt wird, gar nicht ausgerüstet. Die Anlage ist für Grünschnitt und kleine Elektrogeräte gebaut. Zum anderen müssten die Mitarbeiter ständig im fließenden Verkehr Müll aufsammeln, sortieren und wegbringen, erklärt Semmler. Er sagt, dazu seien die Kapazitäten nicht da. Auch, weil der Betrieb vom Jobcenter gefördert wird und die Arbeitszeiten streng limitiert sind.

Müll liegt vor einer Mauer auf der Straße.
Wie hier im Jahr 2017 sieht es vor den Toren des Betriebs leider öfter aus: Ein riesen Berg gemischten Mülls wurde illegal abgeladen. Bildrechte: Reinhard Kuhne, GISE mbH

Mittlerweile werde immer die städtische Abfallwirtschaft kontaktiert, die den Müll mit großem Aufwand mit Pressfahrzeugen abholen und wegräumen muss, erklärt Geschäftsführer Reinhard Kuhne. "Denn wenn wir den Müll aufs Gelände holen, sind wir auch dafür verantwortlich."

Wegen der zugemüllten Straßen gibt es außerdem Ärger mit den Vermietern. Weil außerdem noch Mitarbeiter, die Müllsünder auf frischer Tat ertappten, beschimpft und bedroht wurden, denkt Kuhne darüber nach, die Anlage zu schließen. "Wenn das der Dank ist, dann resigniert man auch irgendwann und fragt sich, wie lange man den Betrieb noch aufrecht erhält", sagt er.

Auf Unverständnis folgt Resignation

"Von normalen Beleidigungen über übelste Schimpfwörter bis hin zu Tätlichkeiten ist da alles dabei", beschreibt Jens Semmler die Reaktionen, als er sich einmal am Sonnabend vor das Tor stellte und Menschen darum bat, ihren Müll nicht dort abzuladen. Nur wenige hätten einsichtig reagiert. "Das ist schon heftig teilweise", meint er.

Das Ordnungsamt wurde wegen des Mülls schon viele Male kontaktiert, hat aber nur selten Menschen erwischt. "Und selbst wenn: Wenn die Bußgelder nur gering angesetzt werden, dann lachen die Leute doch drüber", sagt Semmler.

Auch Reinhard Kuhne glaubt, dass nur angemessene Geldstrafen die Menschen vom illegalen Müllabladen abhalten können. "Appelle bringen fast nie etwas. Leider", sagt er. Auch Überwachunskameras seien vorerst keine Option, weil die nicht die Straße und damit den öffentlichen Raum filmen dürften. Genau dort werde der Müll aber abgelegt.

Mitarbeiter und Kunden auf der Annahmestelle für Grünschnitt in Magdeburg

Ein Mann mit Schirmmütze und blauer Arbeitsjacke steht vor einem pinkfarbenen Container.
Mitarbeiter Ralf hilft den Menschen lieber, als sich über illegale Müllentsorgung zu beschweren. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann mit Schirmmütze und blauer Arbeitsjacke steht vor einem pinkfarbenen Container.
Mitarbeiter Ralf hilft den Menschen lieber, als sich über illegale Müllentsorgung zu beschweren. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine Frau in einer fliederfarbenen Jacke steht auf einem Parkplatz.
Die Kundinnen und Kunden loben den Service der Annahmestelle. "Die beste Annahmestelle der Stadt", sagt etwa Gerlinde Rossvogen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann mit blauer Arbeitshose steht an seinem Auto.
"Besser gehts gar nicht", sagt auch dieser Kunde, der die Mitarbeiter schon lange kennt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
 Ein Holzzaun mit einem blauen Stahltor. Am Zaun hängen Schilder: Müll abladen verboten.
Auch die Schilder vor dem Tor halten einige nicht davon ab, ihren Müll illegal abzuwerfen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Alle (4) Bilder anzeigen
Ein Mann mit Schirmmütze und blauer Arbeitsjacke steht vor einem pinkfarbenen Container.
Mitarbeiter Ralf hilft den Menschen lieber, als sich über illegale Müllentsorgung zu beschweren. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Den Kunden zuliebe bleibt vorerst geöffnet

Trotz des vielen Ärgers hat Reinhard Kuhne sich entschieden, die Anlage vorerst weiter zu betreiben. Den Kunden, den Mitarbeitern und den städtischen Betrieben zuliebe, wie er sagt. Für viele Kleingärtner, die mit ihren Schubkarren und Fahrrädern kommen, sei die nahe Annahmestelle eine wichtige Hilfe, meint er. Noch hofft er auf eine Besserung der Situation und auf die Einsicht der Leute.

Die Mitarbeiter versuchen indes, sich von dem Müllärger nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. "Manchmal macht einen das schon wütend", meint Ralf, der seit über fünf Jahren im Betrieb arbeitet. Dann läuft er aber lieber zu einem Auto, um einem Kunden seinen Grünschnitt abzunehmen, statt sich zu beschweren. Der begrüßt ihn freundlich. "Na mein Guter, alles klar?", höre ich noch, bevor ein großer Beutel Zweige in der Schaufel des Radladers verschwindet.

MDR/Leonard Schubert

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. Mai 2021 | 09:30 Uhr

5 Kommentare

Magdeburgerkind vor 19 Wochen

Der Silberberg ist seit 06.04.2021 wieder geöffnet.
Muss auch sagen das ist die Maskenpflicht bei den Müllannahmestellen gut finde, da fühlt man sich gleich sicherer bei so vielen Personen auf den Platz und am Container.

Kameras im öffentlichen Raum sind dort sicherlich sinnvoll, dennoch gibt es da bestimmt Konflikte mit Persönlichkeitsrechte der illegalen Müllentsorger.

Altmagdeburger vor 19 Wochen

Ich hatte eine Straße weiter mein Büro und bin oft genug da vorbei gekommen, bei der Grünschnittstelle in Buckau. Das Problem liegt dadrin, das am Sonnabend die Grünschnittstelle geschlossen ist, wenn die meisten Menschen dort Zeit haben und nicht nur Klein Gärtner. So mußten die Mitarbeiter immer Montags den Müll vom Fußweg und Straße entsorgen. Das gleiche könnte jetzt am Silberberg geschähen, wenn man kein Auto hat, dann wird im Umfeld der Müll entsorgt und dort sind sehr viele Einfamilienhäuser und Klein Gärtner. Da sollen sich mal die Klein Gartenpartei, die Grünen und die Stadtentsorung sich mal den Kopf machen, wenn am Silberberg die Müllentsorgung weiterhin geschlossen bleibt.

Pollux vor 19 Wochen

Mal wieder so ein Beispiel für Ungerechtigkeit. Weil irgendwelche Idioten rücksichtslos ihren Müll abladen, werden alle anderen, die sich an die Entsorgungsregeln halten, mit der Schließung der Grünschnittstelle bestraft. Eine kleine Genugtuung wäre es, wenn zumindest die Verursacher des illegal entsorgten Mülls zur Rechenschaft gezogen werden könnten.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Zwei Laster, die ineinander verkeuilt sind. 1 min
Drei Sattelzüge unter einer Brücke auf der A2 nahe der Anschlussstelle Lostau zusammengestoßen Bildrechte: Matthias Strauss

Auf der Autobahn 2 in Sachsen-Anhalt kommt es derzeit zu Stau und Behinderungen zwischen Magdeburg und Berlin. Dort ereigneten sich seit dem frühen Montagmorgen mehrere Unfälle.

20.09.2021 | 14:05 Uhr

Mo 20.09.2021 12:32Uhr 00:57 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/video-unfall-a-zwei-burg-100.html

Rechte: Matthias Strauss

Video