Ab kommender Woche Magdeburg: Impfungen mit Astrazeneca für alle über 60 Jahren

Nach neuer Verunsicherung über den Impfstoff von Astrazeneca geht die Stadt Magdeburg in die Offensive: In der Landeshauptstadt werden Impftermine für alle über 60 angeboten – mit Astrazeneca. Die Online-Terminbuchung der Stadt zeigt freie Kapazitäten ab Dienstag.

AstraZeneca COVID-19-Impstoff
Magdeburg bietet ab kommender Woche allen Menschen ab 60 Impftermine mit Astrazeneca an. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Wer in Magdeburg 60 Jahre oder älter ist, kann sich nach Ostern mit dem Wirkstoff von Astrazeneca impfen lassen. Wie das Sozialministerium MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, hat die Stadt Impfungen für Jedermann ab dieser Altersgrenze freigegeben. Das betrifft somit auch Menschen, die zur Prioritätsgruppe 3 gehören und für die aktuell eigentlich noch nicht ausreichend Impfstoff verfügbar ist. Die Online-Terminbuchung der Stadt zeigte am Sonnabend zahlreiche freie Termine ab Dienstagmittag an.

Impflinge müssen nicht in Magdeburg leben

Die Staatssekretärin im Sozialministerium, Beate Bröcker, schrieb auf Twitter, die Regelung gelte für alle Landkreise und Städte, wenn sie nicht ausreichend Impfwillige für Astrazeneca fänden. Nach den Informationen des Sozialministeriums können sich in Magdeburg auch Menschen aus dem Umland impfen lassen. Der Wohnort sei nicht entscheidend, hieß es.

Die Stadt Magdeburg hatte allerdings schon vor einigen Tagen mitgeteilt, an den Osterfeiertagen keine Menschen gegen das Coronavirus zu impfen. Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte das bei MDR SACHSEN-ANHALT mit der hohen Belastung der Beschäftigten im Impfzentrum begründet. Sie arbeiteten seit dem Impfstart am 27. Dezember rund um die Uhr, sagte Trümper. Nun sei mal eine Pause von drei Tagen fällig.

Ich kann meine Mitarbeiter nicht total kaputt spielen.

Lutz Trümper, SPD Oberbürgermeister von Magdeburg

Rund um den Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca hatte es im Laufe dieser Woche erneut Verunsicherung gegeben. Grund waren weitere Fälle, in denen Blutgerinnsel im Gehirn von Geimpften aufgetreten waren – vorwiegend bei jüngeren Frauen unter 60 Jahren. Bund und Länder waren daraufhin einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission gefolgt, den Wirkstoff uneingeschränkt nur noch Menschen über 60 zu spritzen.

Allerdings können auch weiterhin jüngere Menschen Astrazeneca bekommen. Sie müssten sich vorher von einem Arzt aufklären lassen und eine individuelle Risikoanalyse machen, hieß es. Insgesamt sind in Deutschland bis Montag dieser Woche 31 Fälle bekannt geworden, in denen es nach einer Impfung mit Astrazeneca zu sogenannten Hirnvenenthrombosen gekommen war. Neun Patienten starben. In Deutschland wurden bislang etwa 2,8 Millionen Menschen mit Astrazeneca geimpft.

Behörden untersuchen Todesfall in Dessau-Roßlau

In Dessau-Roßlau untersuchen die Behörden nach dem Tod einer 58 Jahre alten Frau einen Zusammenhang. Sie hatte zehn Tage vor ihrem Tod Astrazeneca gespritzt bekommen. In Großbritannien, dem Herstellerland des Wirkstoffs, sind nach Angaben von Freitag bislang 30 Fälle von Blutgerinnseln aufgetreten. Die Gesundheitsbehörden dort schätzen den Nutzen aber weitaus größer ein als das Risiko. Den 30 Fällen stünden 18,1 Millionen gespritzte Dosen des Impfstoffs gegenüber.

Mehr zum Thema

MDR/Stephan Schulz, Norma Düsekow, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. April 2021 | 08:00 Uhr

10 Kommentare

Nordharzer vor 6 Wochen

Das was Sie schreiben, ist falsch. Jedes andere Medikament, einschl. der Pille hat mehr Nebenwirkungen. Dass man AstraZeneca zu Anfang nicht für Ältere freigegeben hat, lag daran, dass es keine Studienergebnisse gegeben hat. Was mich eher irritiert, ist, dass in Großbritannien bei 18 Mio. Impfungen kein Todesfall aufgetreten ist und in Deutschland bei viel weniger Impfungen 9 Todesfälle. Aber seis drum, ich habe meine 1. Impfung am Mittwoch mit AstraZeneca.

Nordharzer vor 6 Wochen

Ich komme aus dem LK Harz, bin über 60 und habe am Samstag, nachdem ich das hier auf der MDR-Homepage gelesen habe, einen Termin in MD gemacht. Es stand jedem frei, es zu versuchen.

part vor 6 Wochen

Weshalb dürfen Menschen, die am Ende ihres Erwerbslebens angekommen sind plötzlich mit Risiko behafteten Impfstoffen geimpft werden, sind diese weniger wertvoll als der Rest der Bevölkerung oder sie bekommen weniger Thrombosen? Es ist, schon schreckend wie die Verwertungslogik von Politik und Pharmakonzernen sowie Rentenkasse funktioniert.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt