Peggy fährt auf dem umgebauten Motorrad auf der Strecke. 2 min
Bildrechte: Peggy Blanke
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MDR SACHSEN-ANHALT Sa 07.06.2025 09:04Uhr 02:06 min

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Motorrad fahren mit Behinderung Motocross mit Querschnittslähmung: Frau aus Magdeburg baut Enduro um

07. Juni 2025, 12:29 Uhr

Peggy Blanke fährt seit Jahren Enduro. Bei einem Unfall im Oktober 2022 verletzt sie sich schwer und ist seitdem querschnittgelähmt. Sie sammelt Spenden, baut ihr Motorrad um, wird von Freunden unterstützt. Nun fährt sie wieder, kann an Rennen teilnehmen und trainiert für einen harten Wettkampf in Österreich.

Peggy Blanke pflügt mit ihrem Motorrad über die Motocross-Strecke in Magdeburg-Diesdorf – hinter ihr spritzt eine Fontäne aus Schutt und Schlamm in die Luft. Das Gelände abseits der Straße: Seit Jahren ihr Element. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass sie seit zweieinhalb Jahren im Rollstuhl sitzt.

Peggy sitzt auf dem Rollstuhl neben ihrem umgebauten Motorrad vor einem Messestand.
Bildrechte: Peggy Blanke

Ein Unfall, der alles verändert

Peggy Blanke fährt seit Jahren leidenschaftlich Enduro. Aufgewachsen in einer Motorradfamilie, sitzt sie schon als Kind im Seitenwagen, später auf Chopper und Enduro. Viele Jahre nimmt sie an Rennen teil, sammelt Erfolge – bis zu jenem Tag im Oktober 2022, als sie bei einem Enduro-Trip in Tschechien stürzt. An einem steilen Hang verliert sie die Kontrolle und rutscht vom Sattel. Die Maschine fliegt in die Luft und landet direkt auf ihrem Rücken.

Ich lag da und dachte, ich muss sterben. Ich wusste nicht, was mit meinen Beinen ist.

Peggy Blanke

Peggy wird umgehend mit einem Helikopter in ein umliegendes Krankenhaus geflogen und notoperiert. Heute erzählt sie: "Ich lag da und dachte, ich muss sterben. Ich wusste nicht, was mit meinen Beinen ist." Einige Tage später wird sie in die Uniklinik nach Magdeburg verlegt. Erst dort erhält sie die endgültige Diagnose: Querschnittslähmung.

Röntgenbild der Rückenwirbel-Fixierung
Im Krankenhaus wurden zwei Brust- und Lendenwirbel mit einer Platte fixiert Bildrechte: Peggy Blanke

Inklusion im Motocross: 35-Jährige baut Maschine um

Für die damals 35-Jährige bricht eine Welt zusammen. Doch statt aufzugeben, setzt sie sich ein neues Ziel: zurück aufs Motorrad. Noch im Krankenhaus beginnt sie, Ideen zu sammeln. "Das muss hier nicht enden", sagt sie heute. "Man kann doch trotzdem an seinen Träumen festhalten."

Peggy trainiert auf einer Rolle.
Bildrechte: Peggy Blanke

Sie wendet sich an Steffen Wiche – einen Motorradexperten, den sie seit Jahren kennt. Zufällig hatte er kurz zuvor einen Lehrgang zum Thema Inklusion im Motorsport besucht. Als Peggy ihm von ihrem Plan erzählt, ist er zunächst zögerlich – doch nach einigem Überlegen sagt er zu. Er erzählt heute: "Wir haben erst einmal viel hin und her telefoniert. Aber am Ende dachten wir: Die ist so verrückt wie wir – also ziehen wir’s durch."

Am Ende dachten wir: Die ist so verrückt wie wir – also ziehen wir’s durch.

Steffen Wiche Teamchef

Um das Projekt zu finanzieren, starten Familie und Freunde eine Spendenaktion. 3.000 Euro sollen für Materialkosten zusammenkommen – nach einem Tag ist das Ziel erreicht, am Ende stehen rund 5.500 Euro. So können nicht nur die Umbauten umgesetzt, sondern auch beschädigte Teile ersetzt werden. Die Arbeit selbst übernimmt Steffen Wiche mit seinem Team, ehrenamtlich.

Motorrad fahren mit Querschnittslähmung

Umbauten für die Straße gab es bereits. Im Gelände jedoch: Fehlanzeige. Das Umbau-Team wagt sich an eine Premiere: Sie übernehmen Ansätze aus dem Straßenbereich, entwickeln aber auch eigene Lösungen für das Fahren auf unwegsamen Untergrund.

Gemeinsam mit Unterstützern aus der Szene wird Peggys Unfallmotorrad so umgerüstet, dass Menschen mit gelähmten Beinen problemlos fahren können. Kupplung und Bremse wandern an den Lenker, ein spezieller Stahlrahmen schützt im Fall eines Sturzes und stabile Flugzeuggurte dienen zur Fixierung.

Schweißarbeiten am Motorrad
Das Motorrad wurde für Peggy Blank speziell umgebaut. Bildrechte: Peggy Blanke

Der Umbau ist ein Novum im Offroad-Sport. Peggys Umbau ist damit nicht nur ein persönlicher Meilenstein – sondern auch ein Signal an die Szene: Inklusion kann funktionieren.

Fahren mit Unterstützung und großem Ziel

Ganz allein klappt es trotzdem nicht. Ihr Partner Tino hebt sie ins Motorrad, unterstützt beim Start und fährt immer an Peggys Seite, falls sie Hilfe braucht – mit Stolz, aber auch Sorge. "Man denkt ganz oft, man hat alles unter Kontrolle beim Fahren", sagt er, "aber es bleibt immer ein Risiko."

Doch für Peggy überwiegt das Gefühl, wieder in ihrem Element zu sein. Sie steigt langsam wieder ins Training ein – und hat ein klares Ziel: 2026 möchte sie als erste querschnittsgelähmte Fahrerin beim Erzbergrodeo in Österreich starten, einem der härtesten Enduro-Rennen der Welt.

Ein Zeichen dafür, was möglich ist

Peggy Blanke lebt vor, was im Motorsport bisher kaum gedacht wurde: Dass auch Menschen mit Behinderung aktiv an Rennen teilnehmen können – mit Ehrgeiz, Leidenschaft, technischem Know-how und der nötigen Unterstützung. Was heute noch als Ausnahme gilt, könnte morgen Schule machen. Dafür braucht es Vorbilder wie Peggy Blanke, die weiter Gas gibt auf dem Weg zu einem inklusiveren Motorsport.

Peggy fährt auf dem umgebauten Motorrad auf der Strecke.
Bildrechte: Peggy Blanke

MDR (Tobias Standar)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Mein Radio. Mein Zuhause. | 07. Juni 2025 | 12:40 Uhr

7 Kommentare

pepe79 vor 5 Stunden

@Alter Merseburger
Wieso ist es egoistisch wenn Menschen einen Weg finden trotz ihrer Beeinträchtigung weiter am Leben und Hobbie teilzunehmen? Es gibt auch Behindertengerecht umgebaute PKW mit Gashebelbremse und Lenkknauf, das ist vollkommen normal, wieso soll soetwas nicht auch für Zweiräder möglich sein.
Solche Menschen zeigen Lödungen die sich ggf auch auf andere Bereiche adaprieren.
Egoistisch ist es als Gesunder Mensch perse Leuten wie Peggy Blanke eine Plattform abzusprechen!

DanielSBK vor 2 Tagen

Niemand kann einfach so vom Motorrad fallen oder kippen !!!, das geht Physikalisch gar nicht ... wenn ich mich im sicheren Geschwindigkeitsbereich befinde wird sich das Krad immer wieder von selber aufrichten, dass lernt man ebereits in der Fahrschule, Gyroskopischer Effekt (30 Km/h bis 90 km/h) wenn ich mich allerdings überschätze oder mein Bike in den Grenzbereich führe, dann passiert sowas... ein Vorbild ist das absolut nicht und das sage ich als passionierter Biker!

Sachsen-Anhalter Gestern

Was für eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Soviel Willenskraft. Viel Glück und Erfolg.

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