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Chipfabrik in MagdeburgExperten erwarten durch Intel-Ansiedlung enormen Schub auf dem Arbeitsmarkt

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 18. März 2022, 05:49 Uhr

Die geplanten Chip-Fabriken von Intel in Magdeburg haben große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in der Region. Rund 10.000 vor allem gut bezahlte Jobs sollten entstehen. Dadurch werde die Arbeitslosenquote weiter sinken, das Lohnniveau langfristig steigen, sagen Experten. Die Landeshauptstadt wird noch attraktiver für Pendler. Die Hochschulen wollen die Ansiedlung mit Qualifizierungsmaßnahmen von Arbeitnehmern unterstützen, fordern dafür aber mehr Geld.

Im Zuge der Intel-Ansiedlung in Magdeburg geht die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen in mehreren Bundesländern sinken werden. "Die Rekrutierung des Personals wird über Zuzug aus anderen Bundesländern sowie nationale und internationale Arbeitsvermittlung erfolgen. Dazu gehört auch das Potenzial der arbeitslosen Menschen", sagte Markus Behrens, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. "Wir rechnen in diesem Zusammenhang mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt sowie den angrenzenden Bundesländern."

Behrens erwartet, dass mit Intel in der Region in den nächsten Jahren insgesamt 10.000 neue Arbeitsplätze im Bereich Technologie und bei Zuliefererfirmen entstehen werden. Die Arbeitsagenturen und Jobcenter wollen die Ansiedlung mit Qualifizierungsmaßnahmen begleiten, um die Fachkräftegewinnung zu unterstützen.

Andere Unternehmen müssen bei Löhnen nachziehen

IWH-Vize-Chef Oliver Holtemöller: Intel-Ansiedlung bringt gut bezahlte Arbeitsplätze. Bildrechte: dpa

Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet nach dem angekündigten Bau von Chipfabriken des US-amerikanischen Konzerns Intel in Magdeburg eine gewisse Sogwirkung. Vor allem aber entstünden gut bezahlte Arbeitsplätze. Das wiederum setze andere Unternehmen unter Druck, die Löhne anzupassen, so dass auch Beschäftigte profitieren dürften, die selber nicht bei Intel arbeiteten.

Es sei zu vermuten, dass nun auch andere Investoren stärker auf Sachsen-Anhalt schauten, sagte Oliver Holtemöller, Vizepräsident des IWH. Die Ansiedlung von Intel ist aus Sicht des Konjunkturexperten ein wichtiger Schritt, um die Produktivitätslücke zwischen West- und Ostdeutschland weiter zu schließen. Auch kleinere Zulieferer im Umland könnten profitieren.

Landeshauptstadt wird zunehmend für Pendler attraktiv

Beim Thema Personal setzt die Landesregierung auch auf eine steigende Zahl von Pendlern aus den Richtungen Leipzig, Braunschweig und Berlin. Behrens sagte, der Standort Magdeburg sei attraktiv. "Insoweit gehen wir von einer Zunahme der Einpendler in die Stadt aus", so der Chef der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit.

Zuletzt pendelten nach Zahlen der Agentur für Arbeit 44.900 Menschen in die Landeshauptstadt zum Arbeiten, die meisten davon aus dem Umland. Es pendelten aber auch aus Halle rund 800, aus Berlin 700 und aus Leipzig 500 Beschäftigte. "Damit wird deutlich: Wenn die Bedingungen stimmen, nehmen Pendler gern eine Stunde und mehr an Fahrzeit in Kauf", sagte Behrens.

Arbeitslosenquote langfristig deutlich gesunken

Mit Ausnahme eines pandemiebedingten Anstiegs im Jahr 2020 ist die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt zuletzt deutlich gesunken. Innerhalb von fünf Jahren wurde ein Rückgang um 26 Prozent verzeichnet. Laut der Regionaldirektion sind dafür demografische Faktoren, aber auch ein gestiegener Fachkräftebedarf die Ursache. Die Arbeitslosenquote sank von 9,6 Prozent im Jahr 2016 auf 7,3 Prozent im Jahr 2021. Im Februar 2022 waren rund 80.000 Arbeitslose in Sachsen-Anhalt registriert.

Mit der Ansiedlung des US-Konzerns in Magdeburg verbinden auch die Hochschulen im Land große Hoffnungen. Sie könnten Intel und auch den weiteren Unternehmen, die sich ansiedeln sollen, ganz konkret beim Fachkräfte-Nachwuchs helfen. Doch neue Studiengänge, Professuren und Forschung kosten Geld. "Dafür werden wir zusätzliche Mittel brauchen, das können wir nicht allein stemmen", sagte Jens Strackeljan, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Wenn die Hochschulen ein wichtiges Kriterium für die Standort-Entscheidung von Intel gewesen seien, müsse klar sein: Das gibt es nicht zum "Nulltarif".

Der US-Chiphersteller Intel hatte am Dienstag bekanntgegeben, in einer ersten Ausbaustufe zwei direkt benachbarte Halbleiterwerke in Magdeburg zu bauen. Es sollen Prozessoren und Grafikchips hergestellt werden. Das Unternehmen will zunächst rund 17 Milliarden Euro investieren. 2027 soll die Produktion starten.

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dpa, MDR (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 17. März 2022 | 16:00 Uhr

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