Steigende Immobilienpreise Betongold: Investoren entdecken Sachsen-Anhalts Städte

Portrait-Bild von Uli Wittstock
Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Der sogenannte Mietendeckel, den das Land Berlin beschlossen hatte, wurde vom Bundesverfassungsgericht kassiert. Es war der Versuch der Politik, den Mietsteigerungen in der Bundeshauptstadt etwas entgegenzusetzen. Von Berliner Mietpreisen ist Sachsen-Anhalt derzeit noch weit entfernt, doch zeigt der Trend im Wohnungsmarkt auch hier klar nach oben. Ein Grund dafür sind auch internationale Investoren, die inzwischen vermehrt in Sachsen-Anhalt aktiv sind. Uli Wittstock mit einer Einschätzung.

Magdeburg an der Elbe aus der Luftperspektive
In Magdeburg gibt es noch Baulücken. Das ist für Investoren besonders interessant. Bildrechte: Hanns-Georg Unger

Dort, wo hinter dem Magdeburger Hauptbahnhof die Maxim-Gorki-Straße auf die Olvenstedter Straße stößt, findet sich eine auffällige Baulücke. Das Karree aus Büro- und Geschäftsräumen ist ein typischer Zweckbau aus der Nachwendezeit, architektonisch unauffällig bis auf eben jene Baulücke, die nach dem plötzlichen Ende des ostdeutschen Baubooms übrig blieb. Doch das könnte sich ändern, denn unlängst legte ein Investor Pläne vor, die Ecke mit einem markanten Hochhaus schließen zu wollen. Riss die Stadt Magdeburg vor über zwanzig Jahren einige der sechzehngeschossigen Plattenbauten ab, so entstehen derzeit wieder Hochhäuser und weitere sind in Planung, sodass der Stadtrat inzwischen über ein Hochhauskonzept für die Stadt nachdenkt.

Während der Kleinsparer wenig erfreut auf die mickrigen Zinsen blickt, profitieren die Städte von dieser Entwicklung, denn Menschen und Institutionen mit viel Geld müssen investieren, sonst drohen Negativzinsen. Immobilien gelten da als eine Möglichkeit, Geld so anzulegen, dass es sich vermehrt. Allerdings gilt es den alten Maklerspruch zu beherzigen: Lage, Lage, Lage.

Es gibt in Städten wie Berlin, Frankfurt, München oder Hamburg nicht mehr so viel zu kaufen und deshalb gehen die Investoren den nächsten Schritt.

Peter Lackner Chef einer Magdeburger Wohnungsbaugesellschaft

Noch keine schwindelerregenden Preise

Ein Mann mit Jacket schaut in die Kamera
Peter Lackner ist in Magdeburg Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft "Wobau". Bildrechte: MDR/Uli Wittstock

Doch wie kommt es, dass sich nun plötzlich in Magdeburg wieder die Kräne drehen und das städtische Bauamt so gut ausgelastet ist mit Bauanträgen wie schon lange nicht mehr. Dazu muss man den Immobilienmarkt deutschlandweit in den Blick nehmen. Einer, der das aus beruflichen Gründen tut, ist Peter Lackner, Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft "Wobau". Dass Investoren inzwischen verstärkt nach Sachsen-Anhalt blicken, wundert ihn nicht: "Es gibt in Städten wie Berlin, Frankfurt, München oder Hamburg nicht mehr so viel zu kaufen und deshalb gehen die Investoren den nächsten Schritt und schauen in das erweiterte Umland. Und da kommen jetzt plötzlich Städte wie Halle oder Magdeburg in den Blick, zumal hier die Immobilienpreise noch keine schwindelerregenden Größen angenommen haben."

Ein Mann mit Jacket schaut in die Kamera 1 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Di 20.04.2021 14:29Uhr 00:29 min

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Wobei schwindelerregend ein relativer Begriff ist. Wohneigentum in der Altmark oder auch im Landkreis Mansfeld Südharz bekommt man schon für unter 1.000 Euro pro Quadratmeter, während in Halle oder Magdeburg ganz andere Preise aufgerufen werden, so Lackner: "Vor zehn Jahren waren wir in Magdeburg bei einem Kaufpreis vom Zehnfachen der Jahresmiete, jetzt liegen wir beim Zwanzigfachen der Jahresmiete und sind damit im Vergleich zu Berlin immer noch günstig. Da wundert es also nicht, wenn nun ausländische Investoren kommen und in Magdeburg kaufen wollen."

Der Brexit beeinflusst Sachsen-Anhalt

Der Brexit habe dazu geführt, das Kapital aus London abwandere und nun in Europa nach neuen Anlagemöglichkeiten suche. Städte in Ostdeutschland gelten da als besonders interessant, weil die vergleichsweise günstigen Preise einen höheren Wertzuwachs vermuten lassen können. "Wobau"-Chef Lackner bestätigt das.

"Ich habe eine Anfrage der BBC, die wollen sich mit mir über den Grundstücksmarkt in Magdeburg unterhalten. Das zeigt, dass sich viele Kapitalanleger nach dem Brexit für Städte auf dem Festland interessieren. Und die suchen Objekte mit einer Perspektive nach oben. Da spielen die sogenannten Mittelstädte in Deutschland durchaus eine Rolle und Magdeburg gehört offenbar dazu."

Spitzenpreise in Magdeburg bei 5.000 Euro

Baustelle eines Wohnhauses in einem Wohngebiet
Investoren treiben die Preise in die Höhe. Bildrechte: IMAGO / MiS

Hinzu kommt, dass Magdeburg kriegsbedingt noch immer mehr Entwicklungsfläche bietet als vergleichbare Landeshauptstädte, sodass Investoren hier selbst Bauprojekte umsetzten können. Dass sich die Kräne wieder drehen, kann für die Stadtentwicklung durchaus gut sein. Allerdings gibt es auch Schattenseiten, so Peter Lackner: "Die Investoren haben Milliarden und sie können hier problemlos kaufen. Diese Entwicklung sieht man schon in Leipzig, da bezahlt man für eine Eigentumswohnung teilweise schon 7.500 Euro pro Quadratmeter. In Magdeburg sind jetzt die Spitzenpreise bei 5.000 Euro. Ich vergleiche Magdeburg aber eher mit Braunschweig und da sind die Spitzenpreise noch einmal 500 oder 600 Euro teurer, das wird sich in der Zukunft sicherlich noch angleichen."

Die Investoren haben Milliarden und sie können hier problemlos kaufen.

Peter Lackner Chef einer Magdeburger Wohnungsbaugesellschaft
Hausmodel auf Bauplan 1 min
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Aktuell gebe es aber in Sachsen-Anhalt keine Notwendigkeit, den Wohnungsmarkt zu regulieren, zumal das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel gekippt hat. Dennoch sieht Peter Lackner Handlungsbedarf vor allem mit Blick auf die Bundespolitik: "Man sollte als Gesetzgeber Regularien entwickeln, um das nicht eskalieren zulassen. Die Mietpreis-Stabilität solcher Städte wie Magdeburg liegt darin, dass wir eine sehr starke Genossenschaftsstruktur haben. Die elf Genossenschaften in dieser Stadt haben 36.000 Wohnungen und wir als "Wobau" haben noch einmal 18.000 Wohnungen. Das sind Verhältnisse, von denen Städte wie Berlin oder München meilenweit entfernt sind."

Umland der Städte könnte profitieren

Und inzwischen gibt es auch kaum noch jemanden, der fordert, diese Wohnungsbaugesellschaften zu privatisieren. Im aktuellen Grundstücksmarktbericht des Landes Sachsen-Anhalt wird deutlich, dass bei Familien privates Eigentum weiterhin gefragt ist, denn die Nachfrage nach Baugrundstücken hat um drei Prozent zugenommen. Und angesichts der steigenden Preise in den Städten könnte auch das Umland von dieser Entwicklung profitieren, wenn nämlich Familien wegen der Preise nach günstigerem Wohnraum suchen.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und telefoniert 9 min
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Über den Autoren Geboren ist Uli Wittstock 1962 in Lutherstadt Wittenberg, aufgewachsen in Magdeburg. Nach dem Abitur hat er einen dreijährigen Ausflug ins Herz des Proletariats unternommen: Arbeit als Stahlschmelzer im VEB Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann. Anschließend studierte er evangelische Theologie. Nach der Wende hat er sich dem Journalismus zugewendet und ist seit 1992 beim MDR. Er schreibt regelmäßig Kolumnen und kommentiert die politische Entwicklung in Sachsen-Anhalt.

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. April 2021 | 16:20 Uhr

1 Kommentar

Erichs Rache vor 2 Wochen

Platz da. Die Miethaie kommen. :-)

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