Katholische Kirche Segen für gleichgeschlechtliche Paare in Magdeburger Kathedrale

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Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Offiziell sind Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in der katholischen Kirche verboten, doch daran halten sich viele Priester in Deutschland nicht mehr. Wie schon im vergangenen Jahr gab es auch am Dienstag wieder bundesweit Gottesdienste mit Segnungen queerer Beziehungen. Neben Berlin war Magdeburg der einzige Ort, der in Ostdeutschland Teil der Aktion war.

Pfarrer Christoph Kunz segnet während einer Segnungsfeier ein queeres Paar in der Bischofskirche Sankt Sebastian.
Pfarrer Christoph Kunz segnete am Dienstag queere Paare in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Von Magdeburg nach Rom sind es rund 1.400 Kilometer, für eine Weltkirche ist das eigentlich keine Entfernung. Doch innerkirchlich gesehen, liegt das Bistum Magdeburg von Rom weiter entfernt als das Bistum Nairobi. Was nämlich am Dienstagabend in der Magdeburger Kathedrale stattfand, dürfte in anderen katholischen Regionen als schwere Sünde gelten: die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Sie ist nach Auffassung des Vatikans nicht zulässig.

Illegale Segnungen

Gläubige verfolgen einen Gottesdienst in der römisch-katholischen Kathedrale St. Sebastian.
Die Kathedrale Magdeburg beteiligte sich neben Berlin als eine der wenigen ostdeutschen Kirchen an den Segnungen. (Archivbild Gottesdienst) Bildrechte: dpa

Die offizielle Lehrmeinung geht davon aus, dass nur die Ehe von Mann und Frau unter dem Schutz der katholischen Kirche steht. Viele deutsche Katholiken wollen sich damit jedoch nicht abfinden, und deshalb gab es in diesem Jahr zum zweiten Mal quasi illegale Segnungen unter dem Motto: "Liebe gewinnt".

"Liebe gewinnt" als deutschlandweite Aktion Rund 80 Gemeinden in ganz Deutschland richteten am 10. Mai sogenannte Segnungsgottesdienste für Liebende aus. "Liebe gewinnt. Liebe ist ein Segen. Menschen, die sich lieben, werden gesegnet", heißt es von den Initiatoren. Neben Berlin war Magdeburg der einzige Ort, der in Ostdeutschland Teil der Aktion war.

Nur wenige Paare waren da

Dass sich Paare ausgerechnet in Magdeburg segnen lassen konnten, ist kein Zufall: Das Bistum Magdeburg gilt als reformfreudig unter den deutschen Bistümern, und die gelten ohnehin schon im weltweiten Vergleich als progressiv.

Doch der Andrang in der Magdeburger Kathedrale war am Dienstag nicht sehr groß. Die plötzliche Medien-Öffentlichkeit hat wohl auch die eine oder den anderen überrascht, denn Sachsen-Anhalts Katholiken stehen eher selten im Licht der Öffentlichkeit. Niemand wollte öffentlich sprechen, Fotos wurden fast immer abgelehnt.

Ein queeres Paar hält eine Karte nach einer Segnungsfeier
Den Segen konnten die Paare auch in schriftlicher Form mit nach Hause nehmen. Bildrechte: dpa

Outing in katholischem Umfeld ist schwer

Klar ist, dass es in einem katholischen Umfeld noch schwerer ist, sich zu outen, als ohnehin schon. Von einer angstfreien Situation kann derzeit leider nicht ausgegangen werden, auch wenn Aktionen wie "Liebe gewinnt" zeigen, dass der Veränderungs-Druck in der katholischen Kirche selbst deutlich zugenommen hat. 

Bereits im Januar dieses Jahres hatte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige die Haltung des Bistums deutlich gemacht: "Im Bistum Magdeburg müssen Mitarbeitende, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen, keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchten." Und so wundert es nicht, dass es im Bistum Magdeburg mehrere Seelsorgerinnen und Seelsorger gibt, die sich konkret um die Belange von homosexuellen oder queeren Menschen kümmern.

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Über den Autor Geboren ist Uli Wittstock 1962 in Lutherstadt Wittenberg, aufgewachsen in Magdeburg. Nach dem Abitur hat er einen dreijährigen Ausflug ins Herz des Proletariats unternommen: Arbeit als Stahlschmelzer im VEB Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann. Anschließend studierte er evangelische Theologie.

Nach der Wende hat er sich dem Journalismus zugewendet und ist seit 1992 beim MDR. Er schreibt regelmäßig Kolumnen und Kommentare.

MDR (Uli Wittstock, Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Mai 2022 | 15:30 Uhr

6 Kommentare

DER Beobachter vor 6 Wochen

Echt jetzt, eine nach Bayern emigrierte brave DDR-Atheistin fragt, warum ihr eine kanonische katholische Hochzeit verwehrt wurde? Billiges gewohntes Manöver oder ehrliche gewohnte Verunsicherung?

ule vor 6 Wochen

@Text_ " der einzige Ort, der in Ostdeutschland Teil der Aktion war. . . ."

Kirche macht mit Segnung Aktion ? Was ist denn die Heirat für die Kirche ? . . . auch einfach nur eine Aktion ?

Thommi Tulpe vor 6 Wochen

"Jeder" Gott will, dass der Mensch zufrieden und glücklich ist.
Der Christengott wird selbst der katholischen Kirche diesen "erschütternden Traditionsbruch" verzeihen!?

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