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"Mehr Mut, Magdeburg!"Das wünschen sich Magdeburger für das Kulturangebot ihrer Stadt

von Kalina Bunk, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 02. August 2019, 16:55 Uhr

Magdeburg bewirbt sich um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025". Doch wie sollte das Kulturangebot in der Landeshauptstadt aussehen? MDR SACHSEN-ANHALT hat Sie nach Ihrer Meinung gefragt – hier sind Ihre Ideen. Von ausbaufähigem Marketing und zu wenig Abendprogramm: Teil 3 der Serie zur Kulturhauptstadt-Bewerbung.

Mehrere Nutzer meinen: Magdeburg sollte sich besser verkaufen (Archivbild). Bildrechte: Collage MDR/imago/imagebroker

Magdeburg arbeitet an seiner Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt. Die Stadt hofft, den Titel 2025 tragen zu dürfen. Im Dezember entscheidet sich, ob die Landeshauptstadt die zweite und damit schon letzte Bewerbungsrunde erreicht.

Aber was fehlt dem Kulturangebot in Magdeburg? Was läuft schon gut und wo gibt es Nachholbedarf? Wir hatten Sie Anfang der Woche gebeten, uns Ihre Meinungen dazu mitzuteilen – per E-Mail, Facebook oder Twitter. Daraufhin haben uns unterschiedliche Antworten erreicht.

Gutes Angebot, aber oft unentdeckt

Hans-Jürgen schrieb bei Facebook, das Angebot sollte vielfältiger sein und für jeden bezahlbar. Zudem sollten Kulturveranstaltungen häufiger und rechtzeitiger angekündigt werden. Ähnlich sieht das Mario, der sich per E-Mail gemeldet hat. Er wünscht sich für die Stadt mehr Selbstvertrauen und mehr Mut zur Werbung. Weiter schreibt er, dass er 2015 mit seiner Frau nach Magdeburg gezogen ist. Die beiden seien positiv überrascht von der kulturellen Vielfalt gewesen (Theater, Oper, Museen, Ausstellungen). Dieser Eindruck sei geblieben – aber: "Magdeburg macht sich oft schlechter als es ist und verkauft sich nicht gut."

Nicole schlug in ihrer Mail an uns vor, man könne auch das Amtsblatt der Stadt nutzen, um für Events zu werben. Dieses Blatt sei zwar eigentlich eher dafür da, neue Regeln bekanntzugeben. In Halle zum Beispiel würden aber dort auch Informationen über Veranstaltungen veröffentlicht.

Eine weitere E-Mail erreichte uns von Eva. Sie schrieb: "Mir fehlen Aktivitäten, die es den Magdeburger Schülerinnen und Schülern ermöglichen, mit Kindern aus anderen EU-Ländern ein freundschaftliches Band zu knüpfen, ihnen die tolle Stadt Magdeburg vorzustellen, etwas über andere Städte zu erfahren und gemeinsam mit ihnen aus der Geschichte des Magdeburger Rechts zu lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen, auch über Grenzen hinweg."

Abends zu wenig los

Bei Facebook und im Kommentarbereich unter unserem Aufruf äußerten mehrere Nutzer Kritik. Uwe schrieb: "Wir bewerben uns als Kulturhauptstadt und diskutieren über eine Theateraufführung am Domplatz." Romy meint, es sei abends zu wenig los. Um 22 Uhr würden die Bürgersteige hochgeklappt. Robert kommentierte: "Es wird das Saufen und Fressen gefördert."

Gerd schrieb, es gebe in Magdeburg im Vergleich zu anderen Städten zu wenige Rockkonzerte. Max kritisiert, man habe als Zugezogener den Eindruck, es gebe kein anderes Thema als Otto. Dabei habe Magdeburg viel mehr zu bieten. "Neu-Magdeburger" meint, es fehle eine gemütliche Straßencafé-Kultur in der Stadt. Er fände es außerdem schön, das Jazzfestival im Herrenkrug zu erhalten.

Einige Nutzer stören sich an den vielen Baustellen in der Stadt. Facebook-Nutzer Klaus sieht es anders: Baustellen seien Ausdruck dafür, dass etwas passiere. "Aber Meckern ist ja besser als sich selber mal einen Kopf zu machen."

"Denkschnecke" sieht das Kulturangebot überwiegend positiv. Es gebe zum Beispiel ein ziemlich gutes Programmkino und Kunstfestivals. Aber vielleicht fehle ein wenig der Link zwischen Sub- und Hochkultur.

Mehrheit sieht Kulturhauptstadt-Bewerbung positiv

In einer nicht-repräsentativen Umfrage haben wir außerdem gefragt, wie oft Sie Kulturangebote in Magdeburg überhaupt nutzen. Hier sagten 60 Prozent (159 Stimmen): "Häufig. Ich freue mich, wenn in der Stadt etwas los ist." 34 Prozent (90 Stimmen) meinten: "Ich hätte Lust, finde aber nicht so viel, das mich interessiert." Die übrigen sechs Prozent (17 Stimmen) der Umfrage-Teilnehmer entschieden sich für die Antwort: "Nicht so häufig, Kultur ist nicht so mein Ding."

Wenn es darum geht, selbst aktiv zu werden, sind zwei Umfrage-Antworten gleichauf. 41 Prozent (94 Stimmen) der Teilnehmer gaben bei unserer zweiten Votingfrage an, sie hätten selbst schon Kulturprojekte in Magdeburg umgesetzt oder unterstützt. Ebenfalls 41 Prozent meinten, sie hätten noch nicht an solchen Projekten mitgewirkt, würden sich aber freuen, dass sich andere engagieren. 11 Prozent (25 Stimmen) sagten, sie hätten sich noch nicht an Kulturevents beteiligt und hätten das auch nicht vor. Und sieben Prozent (15 Stimmen) entschieden sich für die Aussage: "Ich möchte mich künftig einbringen."

Zudem wollten wir wissen, ob Sie die Bewerbung Magdeburgs um den Kulturhauptstadttitel unterstützen. 72 Prozent (220 Stimmen) der Teilnehmer stimmten hierbei der Aussage zu, die Bewerbung könne die Stadt voranbringen. 25 Prozent (77 Stimmen) meinten dagegen, das Geld für die Bewerbung sollte lieber in andere Projekte fließen. Und jeweils ein Prozent (jeweils vier Stimmen) gaben an, ihnen sei die Bewerbung egal – oder sie hätten sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt.

Leserin Karin schrieb im Kommentarbereich, sie finde, Magdeburg müsse viel mehr auf den Wettbewerb aufmerksam machen. So mancher wisse gar nichts davon. Stefan schrieb bei Facebook, er finde es gut, dass der Fokus wieder auf Kultur gesetzt werde. Die Bewerbung sei eine Entscheidung für die Kultur und für Magdeburg – und stoße die Weiterentwicklung an.

Fazit: Ja zur Kulturhauptstadt-Bewerbung – und zu mehr Veranstaltungen

Die meisten Umfrage-Teilnehmer sehen die Bewerbung um den Kulturhauptstadt-Titel also positiv. Einige Magdeburger wünschen sich allerdings, dass in der Stadt mehr los ist. Vielleicht kann aber auch schon helfen, was andere Nutzer vorgeschlagen haben: dass die Veranstaltungen besser beworben werden.

Was bedeutet es, Europas Kulturhauptstadt zu sein?

Die Europäische Union vergibt den Titel seit 1985, auch einige deutsche Städte haben ihn schon getragen (West-Berlin im Jahr 1988, Weimar im Jahr 1999 und Essen im Jahr 2010). Die Initiative soll den Reichtum und die Vielfalt der Kulturen in Europa zeigen. Außerdem soll das "Wir"-Gefühl in der EU gestärkt und die Entwicklung von Städten unterstützt werden. In den Kulturhauptstädten gibt es im Titeljahr viele verschiedene kulturelle Veranstaltungen, die Städte hoffen auf Aufmerksamkeit und zahlreiche Besucher.

Der Titel wird nach Angaben des Magdeburger Kulturhauptstadt-Büros nicht für das verliehen, was bereits vorhanden ist – wie etwa ein historisches Stadtzentrum oder besondere Kultureinrichtungen. Es handele sich vielmehr um eine Art Stipendium, um die Stadt kreativ und nachhaltig zu entwickeln.

Wie lief das Auswahlverfahren ab?

Offizieller Startschuss für die Bewerbungsphase war im September 2018. Im September 2019 wurden die ersten Bewerbungsbücher eingereicht. Auf insgesamt 60 Seiten hielt das Team des Bewerbungsbüros seine Vision für das Magdeburg der Zukunft fest. Das Motto: "Out of the Void – Raus aus der Leere".

Im Dezember 2019 dann die erste Entscheidung: Eine von der EU eingesetzte, unabhängige Expertenjury prüfte die eingereichten Bücher. Neben Magdeburg schafften es auch Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Nürnberg in die engere Auswahl. Die verbliebenen Kandidaten sollen ihr Konzept im Anschluss konkretisieren und verbessern.

Wer hatte sich noch beworben?

Neben Deutschland stellt Slowenien 2025 die zweite Kulturhauptstadt Europas. Für Deutschland waren neben Magdeburg auch Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Nürnberg. Magdeburg musste sich mit den anderen deutschen Städten messen, nicht aber mit der slowenischen. Zittau, Gera und Dresden sind im deutschen Vorentscheid ausgeschieden. Chemnitz hat den Zuschlag von der Jury bekommen und soll 2025 Kulturhauptstadt sein.

Mit welchen Themen wollte Magdeburg überzeugen?

Die Stadt hat sich mit dem Leitgedanken "Verantwortung" um den Titel beworben. Darunter waren nach Angaben des Kulturhauptstadt-Büros mehrere Themen zusammengefasst, die die Stadt immer wieder bewegen. Es ging etwa um Zerstörung, die Digitalisierung, das industrielle Erbe und innovative Industrie; außerdem um die Vielfalt von Gesellschaft und Natur.

Wie konnte man sich beteiligen?

Im Frühjahr 2020 hatten kreative Projekte in Magdeburg finanzielle Unterstützung zugesagt bekommen. Bei einem Wettbewerb wurden aus rund 120 Bewerbungen insgesamt 20 Aktionen an 20 Orten ausgewählt. Für jede einzelne gibt es 250 Euro.

Zuvor waren die Magdeburger bspw. im September 2018 dazu aufgerufen, sich in die Bewerbung einzubringen. Es ging darum, Ideen zu entwickeln, die die Bewerbung um den Titel stärken. Knapp 110 Förderanträge wurden eingereicht, 13 Projekte für das Jahr 2019 ausgewählt. Insgesamt gab es für die freie Szene mit 75.000 Euro.

Als Informationszentrum diente der KUBUS in der Innenstadt, am Kloster Unser Lieben Frauen. Dort hatte es regelmäßig Vorträge, zudem einmal pro Monat Kulturgespräche zu unterschiedlichen Themen gegeben.

Wie viel hat die Bewerbung gekostet?

In die Bewerbung sollten bis 2020 rund 2,9 Millionen Euro aus städtischen Mitteln fließen. Hätte Magdeburg den Zuschlag erhalten, wäre deutlich mehr Geld eingeplant worden: etwa 60 Millionen Euro.

Der Stadtrat hatte im November 2018 beschlossen, dass von 2021 bis 2026 20 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt bereitgestellt werden sollten. Das Geld sollte für die Vorbereitung und die Umsetzung des Kulturhauptstadtjahres genutzt werden. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hoffte außerdem auf 20 Millionen Euro vom Land. Weitere 20 Millionen Euro sollten über Bundes- und Drittmittel sowie Sponsoring zusammenkommen.

Der Titel selbst ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert, die Magdeburg für die Umsetzung von Kulturhauptstadt-Projekten von der EU erhalten hätte.

Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die AutorinKalina Bunk arbeitet seit 2015 für MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online- und in der Hörfunkredaktion. Sie schreibt für mdrsachsenanhalt.de, verfasst und spricht die Nachrichten im Radio und ist als Reporterin im Land unterwegs. Aufgewachsen ist sie in Bremen. Dort und in Madrid studierte sie Kulturwissenschaft und Germanistik. Danach war sie für mehrere private Radiosender in Bremen und Berlin tätig. An der Arbeit als Redakteurin fasziniert sie, dass jeder Arbeitstag anders aussieht und dass man täglich etwas Neues dazu lernt.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. Juli 2019 | 12:30 Uhr